Amplikon will seinen Ruf loswerden
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Entlang der Ron könnte relativ einfach ein Velo-Transitweg realisiert werden. (Bild: cha)

Luzern Ost: von Root bis Ebikon Amplikon will seinen Ruf loswerden

4 min Lesezeit 02.06.2015, 05:00 Uhr

In Luzerns Süden und Norden ist viel los. Kaum ein Tag vergeht ohne Nachricht über die rasante Entwicklung. Ruhiger ist es im Osten – dabei geht dort genauso die Post ab. Gemeinden wie Ebikon und Dierikon wollen von ihrem Durchfahrtsort-Image loskommen und ihre Probleme in die Hand nehmen. Dabei gibt es einen ganz besonders harten Brocken.

Luzern Ost? Was ist denn das, fragt sich wohl der eine oder andere. In der Tat ist diese Region ein schlauchförmiges Gebilde, das sich da durchs Rontal abzeichnet. Sieben Gemeinden gehören dazu – und eine Strasse verbindet fünf davon: die Kantonsstrasse, die sich durch die Dörfer zieht und die diese auch prägt – und plagt. Ebikon, im Volksmund wegen der vielen Rotlichter auch «Amplikon» genannt, ist für viele Synonym für ein Strassenkaff, gesichtslos und unwohnlich.

Mit dem Rücken zur Strasse

«Lange herrschte die Philosophie vor, dass in erster Linie der Verkehr fliessen muss, vor allem der Autoverkehr», sagt Nathalie Mil, Gebietsmanagerin Luzern Ost. Verkehr war gleichbedeutend mit Auto. «Entsprechend hat die Kantonsstrasse die Siedlungen entzweit.» Die stark befahrene Durchfahrtstrasse hat das Ortsbild und die Bauweise massgeblich beeinflusst. «Viele Häuser haben die Badezimmer und die Küche in Richtung Strasse, die Wohnräume sind von dieser abgewandt. Es wurde mit dem Rücken zur Strasse gebaut.»

«Stadtboulevard» statt Durchfahrtstrasse

Damit soll nun Schluss sein: Luzern Ost will sein Schicksal selber in die Hand nehmen und ähnlich wie die Regionen im Süden und Norden die Entwicklung in den Bereichen Raumplanung, Wirtschaft und Verkehr planen und koordinieren. Ein entsprechendes Leitbild wurde vom regionalen Entwicklungsträger Luzern Plus erarbeitet.

Dunkerot: Entwicklungsschwerpunkte mit hoher Dichte Rot: Urbane Gebiete mit dynamischer Entwicklung Gelb: Wohnen am Hang mit moderater Entwicklung Grau: Industrie- und Gewerbegebiet

Dunkerot: Entwicklungsschwerpunkte mit hoher Dichte Rot: Urbane Gebiete mit dynamischer Entwicklung Gelb: Wohnen am Hang mit moderater Entwicklung Grau: Industrie- und Gewerbegebiet

Einen ersten Schritt hat die Gemeinde Ebikon bereits unternommen: Kürzlich hat sie einen Masterplan präsentiert, in dem unter anderem vorgesehen ist, zumindest auf einem Abschnitt der Kantonsstrasse von heute vier auf zwei Spuren zu reduzieren und sie in eine Art «Stadtboulevard» umzugestalten. Neben der Hauptstrasse soll eine Einbahnstrasse als Begegnungszone Platz bieten für langsame Autos, Velos und Fussgänger. «Wir wollen das heutige Erscheinungsbild der Strasse ändern», sagt auch Nathalie Mil. Die Strasse soll weniger teilend werden und mehr Aufenthaltsqualität bieten. Damit will man vom hässlichen Image des «Strassendorfs» wegkommen.

Viel hausgemachter Verkehr

Tönt ja schön und gut, werden Kritiker monieren. Aber Tatsache ist nun mal, dass der motorisierte Verkehr mehr und mehr zunimmt. Mil räumt ein, dass es vor allem darum gehe, die Bewohner der Gemeinden in Luzern Ost zu sensibilisieren, damit diese sich vermehrt mit dem ÖV oder dem Langsamverkehr fortbewegen. Denn erstaunlicherweise ist ein Grossteil des motorisierten Verkehrs hausgemacht. Es sind also nicht Pendler aus Zug oder Zürich, die das Rontal täglich mit Autos verstopfen, sondern seine Anwohner selber. «Ziel ist es darum, dass diese Leute sich mehr zu Fuss oder mit dem Velo bewegen», sagt Mil.

Veloweg von Root bis Luzern

Alle Strecken, die unter fünf Kilometer weit sind, sollten möglichst ohne Auto zurückgelegt werden, so das Ziel. Das Problem ist, dass dies im Rontal zurzeit nicht attraktiv ist – die Kantonsstrasse lädt nicht zum Velofahren oder Flanieren ein. Da könnte Ebikon mit dem Masterplan bereits bald schon ein erstes Zeichen setzen.

Aber auch für längere Strecken könnte das Rontal dereinst für Velofahrer interessant werden: «Es besteht die Idee, der Ron entlang einen Veloweg zu realisieren, der von Root bis zum Rotsee in Luzern durchgehend ist», sagt Nathalie Mil. Es fehlen zwar noch Teilstücke, aber im Prinzip sei ein solcher Velo-Transitweg relativ einfach realisierbar. «Es gibt sogar die Idee einer Schnellroute», so Mil, also einer Fahrspur, wo nur schnell fahrende Velos zugelassen sind.

Nathalie Mil betont, dass es für die Region von zentraler Bedeutung sei, dass ein Gesamtverkehrskonzept gemacht werde. Denn Luzern Ost ist eine Wachstumsregion. Und Wachstum bedeutet immer auch mehr Verkehr. So wird die Mall of Switzerland täglich über 8000 Autobewegungen generieren, ebenso verursachen das neue Aldi-Verteilzentrum in Perlen, die Medela in Buchrain, der Autohändler Amag oder die Kehrichtverbrennungsanlage Renergia in Perlen zusätzlichen Verkehr. Damit in Zukunft das Gebiet östlich von Luzern nicht im Verkehr erstickt, brauche es Massnahmen und Ideen, ist Mil überzeugt.

«In Dierikon, in der Nähe der Mall of Switzerland, sind Entwicklungspotenziale vorhanden. Dort erwarten wir noch einiges an Wachstum.»

Nathalie Mil, Gebietsmanagerin Luzern Ost

Ein zweites Alpamare im Rontal?

Das wird auch dringend nötig sein, denn die wirtschaftliche Entwicklung in Luzern Ost ist dynamisch – und das soll auf keinen Fall ausgebremst werden. Weitere Grossprojekte seien zwar keine geplant, sagt Nathalie Mil. «In Dierikon, in der Nähe der Mall of Switzerland, sind Entwicklungspotenziale vorhanden. Dort erwarten wir noch einiges an Wachstum.»

Eine Visualisierung des Masterplans in Ebikon.Auf deinem Teil der Kantonsstrasse soll eine Art «Stadtbouevard» entstehen.

Eine Visualisierung des Masterplans in Ebikon.Auf deinem Teil der Kantonsstrasse soll eine Art «Stadtbouevard» entstehen.

Und wenn dereinst ein zweites Alpamare im Rontal geplant würde? Warum nicht, findet Nathalie Mil. Das müsste wie alle neuen Projekte mit einem klaren Verkehrskonzept ausgestattet sein, so dass es in den Spitzenzeiten nicht zu einer übermässigen Zunahme des Verkehrs kommt.

Denn schliesslich will Luzern Ost vom Image als hässlicher Durchfahrtsort wegkommen. Nathalie Mil: «Früher wurde mehr oder weniger gebaut, was möglich war. Heute müssen wir die räumliche, wirtschaftliche, verkehrstechnische und landschaftliche Entwicklung aufeinander abstimmen.» Mit dem Leitbild haben die sieben Gemeinden Ebikon, Buchrain, Dierikon, Gisikon, Honau, Inwil und Root einen ersten Schritt getan.

 

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