Am Rotsee stellt sich Patrick Widmer auf eine spezielle Saison ein
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Die Süssigkeiten für den Kiosk hat Patrick Widmer, Betreiber der Rotsee-Badi, schon parat. (Bild: ber)

Gastrobetrieb startet wohl im Mai Am Rotsee stellt sich Patrick Widmer auf eine spezielle Saison ein

4 min Lesezeit 03.05.2020, 05:00 Uhr

Eigentlich wollte Patrick Widmer im vergangenen Sommer die Rotsee-Badi in neue Hände übergeben. Doch dann hat er beschlossen, an seinem Herzensort weiterzumachen. Mit Corona hat er damals nicht gerechnet, doch der Äbiker bereut seine Entscheidung nicht.

Es ist Patrick Widmers Glück, dass er sich mehrere berufliche Standbeine aufgebaut hat. Einerseits ist er Sozialversicherungsfachmann. Seit 15 Jahren ist aber auch die Rotsee-Badi im Sommer sein Arbeitsplatz. Bis letztes Jahr als Bademeister hat er seit Januar 2020 nun die Gesamtverantwortung vom Badebetrieb über den Veranstaltungsbetrieb bis zur Gastronomie inne (zentralplus berichtete). Im Winter betreibt Widmer zudem das Sprötzehüsli, wo der gemeinsame Fondueplausch zelebriert wird.

Vieles deutete darauf hin, dass die Erfolgsgeschichte am Rotsee einfach weitergehen würde. Und dann kam Corona. Obwohl der kleine Rotsee schon am Karfreitag 18 Grad warm war und zum Bade lud, blieb die Anlage geschlossen. «Das wären ein paar richtig gute Tage geworden», sagt Widmer. Auch der Kiosk blieb zu, obwohl er im Prinzip hätte öffnen dürfen. «Schliesslich wurde über Ostern die Bevölkerung gebeten, den Rotsee zu meiden.»

Steuererklärungen ausfüllen statt in die Badi

Für Widmer ist der Rotsee mehr als ein See mit einer Badi, nämlich ein «Kraftort». Dass er die wirtschaftlichen Ausfälle bisher gut verkraftet hat, hat einerseits damit zu tun, dass die Hauptsaison der Badis noch nicht angelaufen ist. Andererseits hat er zurzeit als Steuerberater (Treuhänder) viel zu tun. «Die Leute haben im Homeoffice viel Zeit, ihre Steuerklärungen einzureichen. Zudem schlagen sich viele mit Fragen zu Kurzarbeit und Betriebsausfällen herum», weiss Widmer.

Wann die Badi aufgehen kann, das hingegen weiss er im Moment noch nicht. Er ist im Gespräch mit der Gemeinde Ebikon. Im besten Fall werde es Mitte Mai, bis er zumindest die Gastronomie unter Auflagen anbieten kann. Statt mit 800 bis 1’000 Gästen an Spitzentagen rechnet er damit, vielleicht maximal 300 bis 400 Gäste begrüssen zu dürfen. Anpassungen wie Plexiglasscheiben beim Kiosk oder Abstandsmarkierungen müsse er wohl machen, so Widmer.

16 Grad zeigt das Thermometer derzeit in der Badi Rotsee an – Betreiber Patrick Widmer würde die Saison trotzdem gerne so bald wie möglich eröffnen.

Zur Diskussion stünde auch, ob die Gemeinde Ebikon dieses Jahr auf den Verkauf von Dauerkarten verzichten wolle, um eine bessere Kontrolle über die Besucherströme zu haben. Auch eine Zeitbeschränkung für den Besuch wäre eine Möglichkeit.

Vorsichtiger Optimismus für den Veranstaltungsbetrieb

All dies bedeutet natürlich auch Mindereinnahmen für den Betrieb. Doch es seien bei ihm nicht nur die wirtschaftlichen Dimensionen, sondern vor allem das soziale Miteinander, dass ihn an dieser Krise beschäftigt, sagt Widmer.

«Das Virus hält uns einen Spiegel vor.»

Er wünscht sich deshalb auch, dass er die Veranstaltungen, die in der Badi stattfinden sollen, durchführen kann. «Es ist wichtig, dass die Künstler nun Auftrittsmöglichkeiten haben. Nicht nur wegen den Gagen, sondern um wieder präsent zu sein.» Die ersten drei Termine seien bereits verschoben, ein genauer Plan zur Durchführung noch nicht definitiv. «Weil es sich um kleine Veranstaltungen mit um die 300 Personen handelt, bin ich noch optimistisch für die Durchführung.» Vorausgesetzt, es würde keine zweite Corona-Welle über uns hereinbrechen.

Noch etwas ferner liegt der Fondueplausch im Sprötzehüsli in Ebikon. Widmer erinnert sich gerne an die Abende im vergangenen Jahr. «Wenn sich über 40 Leute an den Festbänken beim Genuss von heissem Käse näherkommen, dann ist doch das etwas Schönes!» Dass das auch diesen November wieder so sein wird, das hoffe er zumindest.

Er gewinnt der Krise auch Gutes ab

Seinen Entscheid, weiterzumachen, habe er trotz Corona-Krise «sicher nicht» bereut, sagt er. Mit der Abhängigkeit vom Wetter seien sich viele Badibetreiber Unsicherheiten bei der Planung auch gewohnt – jetzt komme halt noch eine zusätzliche hinzu.

Man merkt Widmer an, dass er beim Sprechen über die Krise noch mehr an die gesellschaftlichen Veränderungen denkt, als über konkrete Massnahmen und kurzfristige Ausfälle, die er auch managen muss. Nachdem die vergangenen Jahre so reibungslos verlaufen sind, stehe nun halt ein besonderer Sommer bevor. Doch dem gewinnt er auch Gutes ab: «In einer proppenvollen Badi wird es auch mir manchmal etwas zu viel.» Das werde dieses Jahr wohl kaum passieren.

Patrick Widmer sagt im Video, dass er sich darauf freut, endlich nicht mehr der Einzige zu sein, der die Rotsee-Badi geniessen kann.

Klar ist, dass sich Widmer und mit ihm zahlreiche Einheimische, die dieses Jahr zuhause Ferien machen, auf einen Sprung in den Rotsee freuen. Und wenn sie dafür diesen Sommer wohl etwas länger anstehen müssen, dann werden sie dafür genug Platz auf der Badiwiese haben.

«Das Virus hält uns einen Spiegel vor», sagt Widmer schliesslich. Die wichtigste Massnahme sei deshalb für ihn, nun «den gesunden Menschenverstand walten zu lassen». Darüber zu sinnieren, wie wir in Zukunft miteinander umgehen und was wir aus dieser speziellen Zeit lernen, dass lässt sich natürlich sehr gut an einem «Kraftort» wie dem Rotsee.

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