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Am Nacktbade-Strand – ein Selbstversuch
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Wenn die Sonne scheint, ist der Zuger Nacktbadestrand voll. (Bild: Christian H.Hildebrand )

Wo sich in Zug die Nackten treffen Am Nacktbade-Strand – ein Selbstversuch

5 min Lesezeit 2 Kommentare 27.06.2015, 12:25 Uhr

Nacktbaden, das muss gut sein. Denn noch nie hat jemand das Gegenteil behauptet. Und dann gibt es viele, die finden, dass Nacktheit grundsätzlich ganz toll sei – bei jeder Tätigkeit. Wir machen den Selbstversuch. Und haben eine Erkenntnis.

Ein Freitagnachmittag Anfang Juni, der Zuger FKK-Strand ist sehr gut besucht. Heute gilt es ernst. Heute wird erforscht, was denn da dran ist. Am Nacktsein in der Öffentlichkeit, am Versuch, nahtlose Bräune zu erlangen, am scheinbar unvergleichlichen, erquickenden Gefühl des Nacktbadens.

Mit Kleidern wird das nix

Ich bin zum zweiten Mal hier. Beim ersten Mal, am frühen Nachmittag eines Arbeitstages, waren nur eine Handvoll Menschen anwesend. Beim Versuch der Tuchfühlung aus der Aussenperspektive wurde mir jedoch schnell ans Herz gelegt, dass die ganze Nacktbadekultur von aussen wohl kaum verständlich gemacht werden könne und ich dazu schon den Selbstversuch tätigen müsse. Nun gut. Die Schwärmerei über die ganze Nacktkultur hilft. Ich komme also wieder. Der Bikini bleibt zuhause. Die Sonnencreme kommt mit.

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Man versicherte mir im Voraus, dass niemand glotzen würde, dass das alles völlig natürlich sei. Ich bin daher etwas erstaunt, dass mein Erscheinen nicht unbemerkt bleibt, dass der eine oder andere sogar schmunzelt. Das verunsichert. Insbesondere, weil ich einige der wenigen Frauen bin, die alleine gekommen sind.

Der Bräunungsrückstand fällt auf

Mir dämmert, dass der Grund der Aufmerksamkeit der ist, dass man hier offenbar jeden kennt. Wenn sich also ein neues Gesicht, ein neuer Körper, dazugesellt, fällt das auf. Ausserdem mangelt es mir an Bräunungsfähigkeiten, weshalb ich noch jetzt, Anfang Sommer, einen markanten Rückstand zu den eingesessenen Nackedeis aufweise.

Erst einmal sitzenbleiben und umsehen. Lieber nicht auffallen. Mich erstaunt, dass es nicht vorwiegend Pensionäre sind, welche diesen Strand aufsuchen, sondern offenbar auch viele jüngere Semester ab etwa dreissig Jahren. Fast alle von denen, die nicht paarweise gekommen sind, sind Männer. Und wenn auch einige davon Figuren aufweisen, die sich durchaus in einer Davidoff-Werbung sehen lassen könnten, entbehrt die ganze Nacktsituation jeglicher Erotik – jedenfalls für mich.

«Du bist neu hier, oder?»

Ein Nacktbadender

Doch die Badegäste fühlen sich offensichtlich wohl, und das ist ja das Wichtigste. Innert Minuten kommt man hier ins Gespräch, das scheint einer der grossen Unterschiede gegenüber des üblichen Badestrands zu sein. Dort würde man kaum je mit Fremden zu reden beginnen, man bleibt unter sich. Hier jedoch wird hemmungslos geplaudert: «Du bist neu hier, oder?»

Es wird geduzt, alles andere wäre ja auch seltsam. Es wird gemeinsam geschwommen, zusammen grilliert. Alles nackt, versteht sich. Alles ganz natürlich. Aber ob das auch sinnvoll ist, wenn Mann, breitbeinig und im Adamskostüm, mit der Grillzange vor der Glut steht?

Wo bleibt meine Erleuchtung?

Die Erleuchtung in Sachen Nacktheit bleibt bei mir auch nach einer halben Stunde noch aus. Darum will ich’s von einem der Besucher wissen. Was soll dieses Nacktsein eigentlich? «Freiheit und Natürlichkeit», so lautet seine Antwort. «Es ist toll, so sein zu dürfen, wie wir von Natur aus geschaffen wurden.» Nicht ganz überraschend, die Antwort. «Ausserdem ist es wunderschön, nackt zu schwimmen. Hast du es schon probiert?»

Nein, habe ich nicht. Und hole es nach. Aber auch hier bleibt der Aha-Effekt aus. Während ich ins offene Wasser hinausschwimme, wundere ich mich, ob es für Männer vielleicht toller ist. Zugegeben, angenehm ist das schon, wenn man sich nach dem Bad der Sonne zuwenden kann und innert Minuten trocken ist, ohne nasse Badesachen am Körper. Auch das kann ein Grund sein, warum man mit Vorliebe seinen blanken Hintern zeigt.

«Ich musste meiner Mutter erklären, dass ich deshalb nicht schwul bin.»

Ein Nacktbadender

Eine eher mollige Besucherin erklärt: «Nachdem ich mit Badeanzug schwimmen gehe, habe ich immer solche Frauengeschichten.» Will heissen, Blasenentzündungen. Ein guter Grund, um nackt zu sein, beschliesse ich. Ein Nackter mittleren Alters setzt sich zwischen die Frau und mich und plötzlich wird es etwas gar eng auf der Holzbank. Mit den Kleidern verschwindet offenbar auch das natürliche Gefühl für Körperdistanz.

Dem Mann jedenfalls scheint das nicht aufzufallen, er plaudert fröhlich über das Leben als Nudist. Erzählt, dass einmal seine Mutter beim Strand vorbeigelaufen sei und ihn hier gesehen habe. «Ich musste ihr dann erklären, dass das nichts Schlimmes sei und dass ich deshalb auch nicht schwul bin.»

Eine Tafel beugt Missverständnissen vor.

Eine Tafel beugt Missverständnissen vor.

(Bild: Christian H.Hildebrand )

Von Nudisten und Naturisten

Von einem weiteren, sehr freundlichen Herrn lasse ich mir erklären, was denn der Unterschied zwischen Naturismus und Nudismus sei – beides übrigens Gattungen, die am Nacktstrand anzutreffen sind. «Nudisten sind grundsätzlich gerne nackt. Ob beim Schwimmen oder Grillieren, ihnen geht es vorwiegend ums Nacktsein.» Etwas anders sehen das Naturisten: «Ihnen geht es viel mehr darum, im Einklang zu leben mit der Natur. Viele von ihnen sind beispielsweise Vegetarier oder Veganer.»

Ich vermute, dass ich zu keiner der beiden Gattungen gehöre. Nach zwei Stunden Nacktheit fühle ich mich noch immer etwas unwohl in meiner exponierten Haut. Ich sehne mich nach wenigstens einer Unterhose. Doch, so schwant mir, zieht man hier die Blicke erst recht auf sich, sobald man bekleidet ist.

Sehen und gesehen werden

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ernst ich das Ganze nehmen soll. Zweifle daran, dass man hier wirklich nur nackt sein will, weil Gott uns so geschaffen hat, weil alles luftig, alles frei ist. Zu lange und enthusiastisch weilt die Hand des einen Herrn auf der Pobacke der Frau, die er mit drei Küsschen begrüsst hat. Zu offenkundig liebkost ein anderer seine Freundin. Wohl die meisten, aber nicht alle, sind nur der Natürlichkeit wegen hier. Einigen gefällt die Öffentlichkeit. Sie schauen gern und werden gern angeschaut.

Vielleicht mangelt es mir auch an den erforderlichen Grundvoraussetzungen. Dieses Herumliegen liegt mir nämlich nicht. Zum einen, weil mir nach einer Stunde bereits langweilig ist, zum andern, weil ich in dieser Stunde bereits einen ordentlichen Sonnenbrand vorweisen kann. Und Schatten ist hier ein rares Gut.

Item. Die Öffentlichkeit der Angelegenheit nimmt mir das erhoffte Freiheitsgefühl gänzlich. Der Versuch, ums Verrecken natürlich zu sein, scheitert kläglich. Die eigene Hemmschwelle ist grösser. Und trotzdem. Vielleicht komme ich wieder. Denn dieses Nacktschwimmen, das hat schon was für sich. Aber wenn ich wiederkomme, dann wohl mitten in der Nacht.

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2 Kommentare
  1. Anja Glover, 27.06.2015, 22:15 Uhr

    super geschrieben! witzig und authentisch 🙂

  2. Daniel Wehner, 27.06.2015, 14:53 Uhr

    Cooler selbsterfahrungsbericht über fkk im biederen zug. Nicht zu voyeuristisch und doch deutlich genug. Fotos waren
    Wohl nicht erwünscht