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«Am Karaoke-Abend an Sylvester fallen alle Hemmungen»
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Karaoke: Soziales Singen sorgt für gute Laune. (Bild: Svyatoslav Lypynskyy)

Trotz Expats: Karaoke in Zug noch kaum nachgefragt «Am Karaoke-Abend an Sylvester fallen alle Hemmungen»

3 min Lesezeit 31.12.2018, 18:33 Uhr

Von Karaoke möchte man annehmen, dass sie auf einem internationalen Platz wie Zug stark nachgefragt ist. Doch das muss erst noch werden. Zwei Einrichtungen versuchen, diese Form des soziale Singens populär zu machen.

«Bei uns gibt es alle zehn Meter eine Karaoke-Bar.» Das sagen Manfred Bucher zum Beispiel finnische Gäste, die am Wochenende in seiner Karaoke-Bar Maybe im Norden Chams auftauchen.

In der Schweiz ist es noch nicht so weit. «Landesweit gibt es lediglich sieben reine Karaoke-Lokale», sagt Bucher. Und eins davon – ein Karaoke-Club in Rothenburg – musste kürzlich schliessen, weil ihm der Mietvertrag gekündigt wurde – offiziell machte der Vermieter Eigenbedarf geltend. Der Luzerner Laden war als Verein organisiert – Bucher war dort Mitglied gewesen. 

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Massiver Widerstand der Anwohner

Auch Manfred Bucher hatte zu kämpfen, als er im Chamer Gewerbegebiet vor rund fünf Jahren seinen Club eröffnen wollte. 40 Einsprachen gingen gegen das technisch gut ausgerüstete Karaoke-Lokal ein – Anwohner hatten Angst vor Lärm.

Das heisst Karaoke

Karaoke ist ein Begriff aus Japan, wo diese Freizeitbeschäftigung Anfang der 1970er-Jahre erfunden wurde. Es bedeutet «leeres Orchester». Herkömmlicherweise wird die Instrumentalversion eines Musikstücks gespielt, der zu singende Liedtext erscheint auf einem Bildschirm. Während in Asien Karaoke gern allein oder in Kleingruppen praktiziert wird, findet es im Westen meist vor Publikum statt. Der Weltrekord im Karaoke-Singen wird von Finnen gehalten. Eine deutsche Abwandlung ist das Rudelsingen – dort singt nicht eine Einzelperson, sondern ein ganze Gruppe.

Bedenken erweckte konkret der Zubringerverkehr durch die Gäste und die langen Öffnungszeiten. Mittlerweile aber hat sich das Lokal etabliert. «Seit zweieinhalb Jahren hatte ich nie mehr Scherereien», sagt Bucher.

1700 sangesbereite Kunden hat er erfasst – darunter die Gemeinde der Schweizer Karaoke-Freunde, deren Einzugsgebiet laut Bucher vom Bernbiet bis nach Liechtenstein reicht. Daneben auch viele internationale Gäste, die auch aus Russland, Nordamerika oder Asien stammen würden. Internationale Firmen sind bei ihm ebenso zu Gast wie Seilschaften aus der Umgebung,«zum Beispiel eine Grossfamilie aus Hünenberg, die regelmässig kommt – oder verschiedene Guggenmusiken». Vor allem in der kalten Jahreszeit wird das Lokal, in dem auch Cateringdienstleistungen erhältlich sind, von Gruppen gebucht.

Singend ins Wochenende

Wenn sich keine geschlossene Gesellschaft angesagt hat, dann begrüsst Bucher nach eigenen Angaben zwischen 6 und 30 Personen in der Lokalität. «Das ist immer ein wenig Wetter- und EVZ-abhängig», so Bucher. Wobei der Klub nur am Wochenende offen hat.

Aber es sei schon so: «Karaoke-Sänger wachsen bei uns nicht auf den Bäumen.» Aber auch in Ausflugsorten in Spanien oder Österreich habe er nicht das Gefühl gehabt, dass Karaoke ohne die Touristen gut laufen würde. «Das muss sich alles noch entwickeln», sagt Manfred Bucher.

Vertrautheit hilft – Alkohol auch

Nun, vielleicht widerspricht die spontane Gesangsvorstellung dem reservierten Naturell des Deutschschweizers. Eine gesangliche Darbietung in vertrautem Rahmen fällt leichter. Darauf deuten nicht nur Buchers Gesellschaftsanlässe – auch der Rugby Club Zug hat sich kürzlich für einen Karaoke-Abend ins Jugendzentrum i45 eingemietet. 

Weil das Singen in abgetrennten Boxen, wie es in China üblich ist, aber ebenfalls zu langweilig scheint, greifen Sangeswillige gern zu enthemmenden Mitteln. Zum Beispiel im Pub Mr. Pickwick in Zug, wo einmal monatlich Karaoke angeboten wird und eine breites Angebot an Alkoholika für lockere Stimmung sorgt.

Die Sache mit der Wühlkiste

Oder aber im Kulturzentrum Galvanik, wo man ungefähr einmal pro Monat einen Karaoke-Abend organisiert. Hier hat man sich etwas Zusätzliches einfallen lassen – eine Wühlkiste mit Kleidungsstücken, Perücken und Kopfbedeckungen steht auf der Bühne. «Seit wir die Kiste haben, stellen sich auch immer mehr Leute verkleidet neben die Sänger – quasi als moralische Unterstützung», sagt Dino Sabanovic, der Booker der Galvanik.

Die Veranstaltungsreihe sei vor geraumer Zeit aus einem Witz heraus entstanden. Seither haben die Galvanik-Leute verschiedene Methoden ausprobiert, um den Gästen die Hemmungen zu nehmen. «Es kommt besser an, wenn man die Veranstaltung hostet», sagt Sabanovic. «Deswegen kommen zwei Moderatoren zum Zug.»

Sylvester ist der Renner

Gewünscht werde beim «Trash-Karaoke» viel Pop-Musik, aber auch Rock und Schlager. «Sachen aus den 1990er-Jahren sind derzeit besonders beliebt», so Sabanovic. Die Veranstaltung habe sich mittlerweile etabliert, man könne auf mindestens 20 bis 30 Gäste hoffen. Einzig im Januar und Februar, der Zeit der Fasnachtsbälle im Kanton Zug, sei der Zuspruch geringer. «Der allergrösste Brüller ist natürlich der Karaoke-Abend an Sylvester», sagt der Booker, «dann fallen alle Hemmungen.»

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