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«Am ersten Tag kam kein einziger Gast»
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Geschäftsleiter Niculin Peter (links) und Küchenchef Enrico «Rico» Kretschmar von Gamma Catering.

Neues Team startet im Zuger Casino-Restaurant «Am ersten Tag kam kein einziger Gast»

5 min Lesezeit 02.10.2017, 16:05 Uhr

Kommt das Restaurant des Zuger Theater Casinos nach Jahren des Niedergangs endlich in die Gänge? Der neue Geschäftsleiter setzt auf unkonventionelle Ideen und hat einen guten Koch an Bord geholt.

Wie ein steriler Spitalgang habe das Casino-Restaurant früher ausgesehen, erinnert sich der Geschäftsleiter des Casino-Restaurants, Niculin Peter. «Weisser kalter Steinboden, weisse Tischtücher, es war nicht gerade ein einladender Ort.»

Mit einer anderen Beleuchtung, Blumengestecken an den Wänden und einigen Vintage-Teppichen auf dem Boden haben der 28-jährige Geschäftsleiter und sein Team bereits fest an der Gemütlichkeit des Lokals gearbeitet. «Wichtig ist aber vor allem, dass man freundlich empfangen und bedient wird», sagt der diplomierte Hotelier Peter. Deshalb werde jeder Gast beim Eingang persönlich begrüsst.

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«Wir gingen mit Flyern und Gutscheinen in der Stadt Zug Klinken putzen.»
Niculin Peter, Geschäftsleiter im Restaurant des Theater Casinos

Kein Gast am ersten Tag

Niculin Peter erinnert sich mit Schaudern an den Tag Anfang 2016, als er seine Arbeit im Restaurant aufnahm. «Am ersten Abend hatten wir keinen einzigen Gast!», erinnert sich Peter. Dann kam eine Person. «Die Leute wussten nicht, dass die Gastgeber gewechselt hatten.»

Warum führt Caterer ein Restaurant?

Zur Frage, warum ein Catering-Unternehmen ein Restaurant führt, meint der Geschäftsleiter, das sei nicht aussergewöhnlich. Gamma Catering führe bereits zwei Lokale in Zürich, ein Zunfthaus und das «Haute». Auch die Caterer SV Schweiz oder der ZFV führen Gastronomiebetriebe. Catering sei lukraktiver als die Gastronomie, weil vieles besser planbar und kalkulierbar sei, sagt Niculin Peter. Für die Zukunft des Restaurants im Theater Casino hat er ein gutes Gefühl: «Wir glauben, dass man in diesem Betrieb Geld verdienen kann, wenn man es richtig macht. Sonst hätten wir uns nicht beworben.»

Doch der junge Bündner, der in Luzern die Hotelfachschule absolvierte, gab nicht auf. «Wir gingen mit Flyern und Gutscheinen von Geschäft zu Geschäft, von Haus zu Haus und putzten die Klinken.» Das wirkte, die Zuger wurden neugierig. Fünf Monate bis zur Schliessung führte Gamma Catering den Betrieb. 

Zuger kommen nach Umbau zurück

Gamma Catering hat bei der Neu-Ausschreibung des Lokals durch die Stadt Zug deshalb eine Offerte eingereicht und erhielt den Zuschlag. «Von unserem Testbetrieb 2016 haben wir enorm profitiert», sagt Peter, «nach der Wiedereröffnung hatten wir gutes Feedback und viele Gäste kamen zurück.»

Das Lokal ging bereits zwei Wochen vor der Casino-Einweihung auf. Er und sein Team hätten mittlerweile schon wieder 3’000 Gäste im Haus bewirten dürfen. «Wir catern alle Anlässe im Theater Casino», erklärt Niculin Peter. Neben den kulturellen Veranstaltungen mieten auch Firmen die Räume für Events und Kongresse. Im Restaurant selbst habe er momentan durchschnittlich rund 30 Mittagessen und zwischen 10 und 20 Reservationen für den Abend.

In lockerer Atmosphäre und nicht zu teuer essen

Und mit diesem Konzept will er die Zuger ins Lokal holen: «Im Restaurant soll man zu jeder Tageszeit in lockerer Atmosphäre etwas qualitativ Gutes zu moderaten Preisen essen können», sagt der Geschäftsleiter zu zentralplus. Die Lebensmittel vom Gemüse über Früchte bis zum Fleisch kommen zumeist aus der Region. Das Lokal arbeitet mit lokalen Erzeugern und Geschäften zusammen

16 Personen beschäftigt Gamma Catering im Theater Casino Zug.  Die Firma hat ausserdem einen eidgenössisch diplomierten Küchenchef ins Haus geholt: Enrico Kretschmar war vor dem Casino-Restaurant Zug fünf Jahre für die Gastronomie des Ausflugs-Restaurants Sporrer in Winterthur verantwortlich, er arbeitete ausserdem im bei Hochzeitspaaren beliebten Wasserschloss Hagenwil/TG und im Restaurant Schloss Laufen.

Unkonventionelle Ideen

Einiges ist unkonventionell im Restaurant, von der braunen Farbe der Karte bis zu den Bezeichnungen. Die Rubriken heissen «Vorab», «Hauptsächlich» und «Danach». Mal etwas anderes.

Und was bietet der Küchenchef den hungrigen Zugern? Die Gerichte der Mittagskarte wechseln jede Woche. «Vorab» gibt’s zum Beispiel eine Rucolacrèmesuppe mit Büffelricottaglacé für acht Franken. Ein Hauptgang ist zurzeit die geschmorte Rinderbacke mit Serviettenknödel und gebratenen Karotten.

Es gibt zudem Tagesspezialitäten: Montag ist Pasta angesagt, Dienstag «Rico’s Burger»-Tag, Mittwoch wird es eine Spezialität aus dem Ofen und am Donnerstag die Hauswurst geben. Am  Freitag ist frischer Fisch vom Zugersee angemeldet, das Restaurant arbeitet dafür mit zwei pensionierten lokalen Fischern zusammen.

Mit Blumen und Teppichen im Shabby-Chic-Stil sieht das Restaurant schon viel gemütlicher aus.

Mit Blumen und Teppichen im Shabby-Chic-Stil sieht das Restaurant schon viel gemütlicher aus.

(Bild: mbe)

Frisch vom Markt und saisonal

Abends kann man im Casino-Restaurant à la Carte essen: «Was frisch vom Markt kommt, was aktuell in der Region spriesst, wächst oder angeboten wird», liest man in der Abendkarte. Sie ist bewusst klein gehalten, was ein gutes Zeichen ist.

Vorab gibt’s zum Beispiel den Blattsalat ab acht Franken. Bei den Hauptgerichten hat man die Auswahl zwischen Rindsentrecôte, Felchenfilet, Kalbshohrückensteak und Kürbisravioli. Die Beilagen tönen dabei fast spannender als die Hauptkomponenten. Zum Beispiel Kartoffelgratin, ein Schwarzwurzelgratin, gebratene Steinpilze oder Pastinakenpurée. Auf Wunsch gibt es vegane Speisen.

Regionales Viergang-Menü und Schweizer Wild

Als Spezialität bietet die Küche ein wechselndes Viergang-Menü zum Preis von 86 Franken an (ohne Wein), das ausschliesslich aus regionalen Produkten zusammengestellt ist. Der herbstliche Blattsalat ist zum Beispiel garniert mit Rogenmoser Rohschinken. Auch der geschmorte Ochsenschwanz und das Rindsfilet kommt von der Zuger Metzgerei Rogenmoser, und der Rahm fürs Sauerrahmglacé stammt vom Hof Iten in Zug.

Zwar nicht aus der Region, aber immerhin aus der Schweiz stammt das Wild, das nächste Woche auf der Karte stehen wird. «Ich habe bei Bündner Kollegen, die jagen, zwei ganze Rehe und eine Gämse abgeholt.» Der Küchenchef wird Rehrücken und weitere Spezialitäten daraus zu bereiten. «Es hätt solangs hätt.»

Sein Glacé selber zusammenstellen

Originell ist die Glacékarte. «Wir haben bewusst auf die üblichen Coupekarten verzichtet», so Peter, «denn meistens haben die Kunden ihre Extrawünsche.» Deshalb heisst die Karte «Eis-Bau-Satz». Man kann sich im Multiple-Choice-Verfahren sein Glacé, Sorbet oder Frappé mit seiner individuellen Garnitur, Früchten oder Schnaps zusammenstellen.

Und wessen Magen in einer Vorstellungspause knurrt: Für den kleinen Hunger gibt’s in der Bar bereits für 9.50 Franken die Hauswurst mit Brot und Senf. Beim Getränkeangebot setzt die Bar neben vielen Drinks auf Ittinger und Baarer Bier im Offenausschank. Andere Biere wie Goldmandli, IP und Erdinger gibts im Fläschchen.

Die fast menschenleere Terrasse am Mittwochnachmittag.

Die fast menschenleere Terrasse am Mittwoch-Nachmittag. Die Wendel-Treppe rechts ist neu.

(Bild: mbe.)

VW-Bus auf die Terrasse stellen?

Noch nicht glücklich ist Peter mit der Terrasse. Diese ist zwar sehr gross und man geniesst Seesicht. Doch wie bekommt man die Leute vom Weg bei der Seeliken-Badi in sein Lokal? Daran arbeitet der Wirt noch. «Am liebsten würde ich einen alten VW-Bus auf die Terrasse stellen und eine coole Sommerbar einrichten», sagt Peter und lacht. Doch für solche Ideen gibt es eine Reihe von Hürden zu überwinden.

Beim oberen Zugang durchs Foyer des Theater-Casinos sind dem Restaurant-Betreiber momentan ebenfalls die Hände gebunden. Wegen der feuerpolizeilichen Vorschriften darf er keine Werbetafeln mehr aufstellen.

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