Am Ende hatte der EVZ-Trainer nur noch Mitleid mit dem grossen SCB
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Zug-Trainer Dan Tangnes baut grad an einer neuen Siegesserie des Leaders: Nach dem Duell mit dem SC Bern erhöht sich diese auf sechs. (Bild: Bastien Gallay/freshfocus)

Zugs Geheimwaffe sass bloss auf der Tribüne Am Ende hatte der EVZ-Trainer nur noch Mitleid mit dem grossen SCB

5 min Lesezeit 26.02.2021, 05:00 Uhr

Nein, mit dem happigen Unterschied von 7:1 gewinnt selbst der Leader aus Zug in einer Saison nicht oft. Und erst recht nicht gegen den SC Bern. Dieser hatte dem EVZ in den Playoff-Finals von 2017 und 2019 jeweils den Meister gezeigt. Aber nun hatte der strauchelnde Liga-Titan keine Siegchance mehr.

Ein Sieg gegen den grossen SCB. Das war in jüngerer Vergangenheit noch etwas, das alle Mitarbeiter des EV Zug mit Stolz erfüllte. Ihr Selbstwertgefühl stärkte. Darum schauten sie auch alle stets mit Argusaugen darauf, was auf dem Feld passierte. Nichts entging ihnen, erst recht keine Tore.

Aber das ist eine ferne Erinnerung an Zeiten, als noch mitfiebernde Zuschauer in den Schweizer Stadien zugelassen waren und die Zuger weder die Liga noch den SC Bern dominieren konnten.

Als am Donnerstagabend zwei Drittel gespielt waren, hielt eine fleissige und treue EVZ-Seele mahnend fest, dass der SCB jetzt kein zweites Tor mehr schiessen dürfe, sonst könnte sich die Geschichte mit den Zuger Niederlagen nach einem Viertore-Vorsprung wiederholen.

EVZ-Mitarbeiter bringt Situation auf den Punkt

Die verwunderten Blicke seiner Gesprächspartner veranlassten ihn dazu, nochmals den Zwischenstand auf dem über dem Eis der Bossard-Arena hängenden Videowürfel zu konsultieren. Bass erstaunt stellte er fest, dass der EVZ auf den ersten Gegentreffer der Berner bereits reagiert und das Skore auf 5:1 erhöht hatte.

«Wann ist denn das passiert?», platzte es aus ihm heraus, und er erntete dafür heiteres Gelächter. Die Episode zeigte exemplarisch, dass die einst «grossen, bösen Bären» ihren Status in Zug wegen sportlichen Missmanagements eingebüsst haben.

Passend dazu, dass Zugs Trainer Dan Tangnes seiner neuerworbenen Kampfmaschine nicht mal Eiszeit gewährte. Ausgerechnet an seinem 34. Geburtstag musste der in der NHL gestählte Justin Abdelkader, der am Dienstag in Genf seine Premiere auf Schweizer Eis gab (zentralplus berichtete), als überzähliger Ausländer auf der Tribüne Platz nehmen.

Tangnes verzichtet freiwillig auf seine Geheimwaffe

Er habe ihm nicht drei Spiele in vier Tage zumuten wollen und erst recht nicht zwei innerhalb von 24 Stunden, begründete Dan Tangnes, warum er gegen den nach wie vor wuchtigen SC Bern freiwillig auf seine Geheimwaffe verzichtete. Schliesslich blieb Abdelkader vor dieser Woche fast ein Jahr lang ohne Spielpraxis.

Aber am Freitag, im Rückspiel gegen den gleichen Gegner in Bern, lässt ihn Tangnes wieder von der Leine. Welchen EVZ-Ausländer er an seiner Stelle pausieren lässt, will er mit seinen Assistenten noch besprechen.

«Wir mussten nicht mehr so schnell rennen, weil uns der Bär nicht mehr so gnadenlos jagte.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Der EVZ musste am Donnerstagabend nicht mal unter Beweis stellen, dass er sein gefälliges Hockey auch auf ein toughes Niveau heben kann. Weil er die schnelleren Beine, bei den Entscheidungen im Kopf einen Vorsprung, mehr Spielwitz und eine deutlich höhere Passqualität hatte, überforderte er diesen SC Bern.

Dabei konnte dem bis anhin letzten Titelträger im Schweizer Klubhockey kein Spielbeobachter ruhigen Gewissens vorwerfen, dass er nicht beissen und die zuvor drei Spiele andauernde Siegesserie verlängern wollte. Aber er konnte nicht.

Die Höchststrafe für die Berner

Doch die Höchststrafe für die um einen Pre-Playoff-Platz kämpfenden Berner war nicht die deutliche Niederlage. Schliesslich war es die 22. im 33. Saisonspiel. Selbst der Fakt, dass nur noch die ZSC Lions (2:8) eine solch schallende Ohrfeige vom EV Zug kassierten, ginge noch als Betriebsunfall durch.

Richtig schmerzen musste, dass Dan Tangnes der Zuger Vorstellung gegen den SCB keinen Superlativ beimessen wollte. Natürlich sei er mit der Vorstellung der Seinen zufrieden. Doch am Dienstag, beim 4:3-Sieg nach Verlängerung in Genf, habe sein Team das bis anhin höchste Leistungslevel in dieser Saison erreicht. «So viele Chancen in einem Spiel, und es waren über 40, hatten wir noch nie kreiert.»

Gegen den SC Bern waren die Zuger um ein Vielfaches effizienter im Abschluss – nicht zuletzt dank einem gegnerischen Goalie, der weit hinter seinen eigenen Fähigkeiten blieb.

Die eigentliche Höchststrafe war vielmehr die Bemerkung von Dan Tanges, dass ihm der SCB leid tue. «Wir mussten nicht mehr so schnell rennen, weil uns der Bär nicht mehr so gnadenlos jagte.» Eine Feststellung, die in der Seele eines jeden stolzen SCB-Anhängers brennen muss.

SCB muss Lohnbudget um eine Million kürzen

Dabei war es nicht mal ein Anflug von Überheblichkeit, der den EVZ-Trainer zu dieser Aussage verleiten liess. Überheblichkeit kann der 41-jährige Norweger beim besten Willen nicht fehlerfrei buchstabieren.

Vielmehr war es eine gnadenlose Bestandesaufnahme. Denn Dan Tangnes wusste auch: «Der SCB ist eine grosse Organisation, die wieder wachgeküsst werden muss.»

Dass das kaum von heute auf morgen geschehen wird, machte der neuverpflichtete SCB-Obersportchef Raeto Raiffainer während des Spiels klar. Er versicherte, dass er das Lohnbudget der Berner für nächste Saison auf Geheiss von Klubchef Marc Lüthi um eine Million Franken kürzen müsse.

Zuger NHL-Stars von heute und morgen

Das mag eine verheissungsvolle Nachricht für die Zuger Fans im Poker zwischen diesen beiden Teams um eine Rückkehr von NHL-Stürmer Sven Bärtschi (28) sein (zentralplus berichtete). Falls der Kumpel von EVZ-Sportchef Reto Kläy überhaupt in die Schweiz zurückkehren will.

Und falls der verletzte EVZ-Torjäger Grégory Hofmann nächste Saison überhaupt in die NHL ziehen will.

Was auch immer kommt: Spannend zu verfolgen ist, was mit Justin Abdelkader ein ehemaliger NHL-Titan am Freitagabend in Bern abliefern wird. Denn nichts ist gefährlicher als ein im Stolz verletzter Bär.

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