Am «Eidgenössischen» in Zug setzten vier junge Urner ihr Leben aufs Spiel
  • Gesellschaft
2018 starben sieben Menschen, weil sie von einem Zug an- oder überfahren wurden. (Bild: Screenshot Präventionsvideo BAV)

Sie rannten am Bahnhof über vier Gleise Am «Eidgenössischen» in Zug setzten vier junge Urner ihr Leben aufs Spiel

3 min Lesezeit 29.02.2020, 05:00 Uhr

Die Stimmung war ausgelassen, ernste Zwischenfälle gab es keine: Das «Eidgenössische» in Zug war ein voller Erfolg. Jetzt wird bekannt: Vier junge Männer hatten in jener Nacht vor dem Schlussgang unwahrscheinliches Glück.

Was haben sie sich dabei nur gedacht? Vier Schwingfans stürmten in der Nacht auf den 25. August am Bahnhof Zug über die Gleise. Sie nahmen eine Abkürzung direkt von Gleis 4 zum Gleis 7 – und riskierten damit ihr Leben.

«Das Betreten von Bahnanlagen ist immer lebensgefährlich!», betont SBB-Sprecher Oli Dischoe, als zentralplus ihm den Fall schildert. «Privatpersonen können die Gefahren oft nicht richtig einschätzen.» Man kann sich nicht darauf verlassen, dass bei der Überquerung weder Güter- noch Personenzüge durchrasen – auch wenn man nichts hört und nichts sieht.

Bremsweg von 750 Metern

Florence Pictet, Sprecher des Bundesamts für Verkehr, bestätigt dies und führt aus: «Es kann vieles und sehr schnell passieren. Die Personenzüge sind bis zu 900 Tonnen schwer und fahren bis zu 200 Stundenkilometer schnell. Logischerweise brauchen sie Zeit und Abstand, bis sie stoppen können.»

Bei einem Zug, der mit 140 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, beträgt der Bremsweg stolze 750 Meter – der Versuch, noch rechtzeitig abzubremsen, wäre also chancenlos.

Zudem muss man gemäss Pictet immer mit unabsehbaren Situationen rechnen: Beispielsweise, dass man aus irgendeinem Grund beim Überqueren des Gleises stürze.

Ihr Leichtsinn kostet die Urner nun 100 Franken

Der Gesetzgeber trägt dem hohen Risiko Rechnung, in dem er das Überschreiten von Gleisen zu einem Offizialdelikt erklärt hat. Das heisst: Die Behörden müssen von sich aktiv werden und nicht darauf warten, dass jemand Anzeige erstellt.

Im vorliegenden Fall hat die Staatsanwaltschaft Zug die Ermittlungen aufgenommen. Sie hat die vier Männer – im Alter zwischen 20 und 27 Jahren – nun per Strafbefehl verurteilt. Ihr Leichtsinn kostet die drei Handwerker und den Maturanden nun je 100 Franken Busse. Hinzu kommen nochmals 100 Franken Verfahrenskosten, wie aus dem rechtskräftigen Strafbefehl hervorgeht.

Sieben Menschen verloren 2018 ihr Leben auf den Gleisen

Dass die vier Männer ihre Aktion auch mit dem Leben hätten bezahlen können, zeigt ein Blick in die Statistik. Die neusten Zahlen stammen aus dem Jahr 2018. Insgesamt kam es da zu 72 Eisenbahnunfällen, 15 davon endeten tödlich.*

Bei den Todesopfern handelt es ich zum grössten Teil (7 Fälle) um Personen, die sich unerlaubt auf dem Trassee von Eisen- oder Zahnradbahnen aufhielten. Sie wurden bei einem Unfall von einem Zug an- oder überfahren. 9 Personen wurden bei solchen Unfällen schwer verletzt.

«Als Unfallursachen standen die Missachtung von Vorschriften im Strassenverkehr sowie Leichtsinn und Gedankenlosigkeit im Vordergrund», schreibt das Bundesamt für Verkehr (BAV) in seinem jährlichen Sicherheitsbericht.

Zur Prävention hat das BAV letztes Jahr gezielt ein Präventionsvideo herstellen lassen. Darin wird vor den Gefahren gewarnt, die das Überschreiten von Gleisen mit sich bringt.

Präventionsvideo des Bundesamts für Verkehr.

Der öffentlichen Verkehr ist gemäss BAV-Sprecher Florence Pictet sehr sicher in der Schweiz. «Ein Null-Risiko gibt es aber nicht und ein Teil der Unfälle führen zu grossen Schaden. Mit den Filmen der Kampagne wird gezeigt, was die Fehlverhalten sind und wie sich solche Unfälle vermeiden lassen. Was im Interesse von allen ist.»

Hinweis: Suizide sind in dieser Angabe nicht enthalten.

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