Alte Steg-Idee am Tribschenhorn wird neu belebt
  • Politik
Heute führt ein Weg zur Mole am Segelbootshafen, aber nicht weiter. (Bild: jal)

Vom Alpenquai zur Richard-Wagner-Wiese Alte Steg-Idee am Tribschenhorn wird neu belebt

5 min Lesezeit 4 Kommentare 04.08.2020, 20:02 Uhr

Am See entlangspazieren ist in der Stadt Luzern vielerorts möglich. Doch es gibt Lücken – etwa zwischen Alpenquai und Richard-Wagner-Wiese. Die SP will diese schliessen. Die FDP, welche die Idee für einen Steg vor über zehn Jahren aufbrachte, hat hingegen Bedenken.

In der Stadt Luzern kann man vielerorts am Wasser entlangspazieren. Am bekanntesten ist das rechte Seeufer, wo es an schönen Tagen am National- und Schweizerhofquai von Leuten wimmelt.

Am linken Seeufer kann man vom Inseli über die Ufschötti bis zum Segelboot-Hafen beim Alpenquai flanieren. Danach führt der Weg etwas entfernt vom Wasser zum Richard-Wagner-Museum hoch. Das möchte die SP-/Juso-Fraktion ändern. Sie verlangt mittels Postulat, dass der Stadtrat im Wegnetz entlang des Sees die letzten Lücken schliesst (zentralplus berichtete).

Eine alte Idee der FDP

Die Idee für einen Steg zwischen dem Segelboot-Hafen am Tribschenhorn und dem Bootshaus beim Richard-Wagner-Museum ist nicht neu. Bereits 2009 kam sie aufs politische Parkett – damals stiess die FDP das Thema an. Der Stadtrat wollte aus finanziellen Gründen nichts davon wissen. Die Kosten wurden auf eine halbe Million Franken geschätzt.

Dem Vorhaben an sich stand der Stadtrat aber positiv gegenüber. Das Anliegen sei grundsätzlich berechtigt. Ein Weg am Fuss des Hügels mache aus planerischen Gründen Sinn und sei baulich machbar. Allerdings müsste dazu ein Stück Wald gerodet werden.

Eine «attraktive Alternative» dazu könnte ein Steg im Wasser sein. Der Stadtrat versprach, dass diese Idee in den nächsten zehn Jahren zu konkretisieren, weil in dieser Zeit ohnehin der Tribschenhornweg durch den Wald saniert werden sollte.

Sonja Döbeli präsidiert die FDP-Fraktion, Simon Roth jene der SP.

Die zehn Jahre sind um, konkrete Pläne für einen Steg gibt es allerdings nach wie vor keine. «Die Idee ist offenbar vergessen gegangen», sagt SP-Fraktionschef Simon Roth. «Deshalb ist es an der Zeit, dies nochmals zu prüfen.» 

Zwar bestehe mit dem Tribschenhornweg bereits eine Verbindung, die durchaus ihren Reiz habe. «Wegen des Gefälles wäre ein Steg aber für jene Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ein deutlicher Gewinn.»

Grüne Bedenken der Liberalen

Wie der Stadtrat dazu steht, wird er in seiner Antwort offenlegen. Am Dienstag war bei der Stadt niemand für eine Auskunft erreichbar.

Klar ist: Die finanzielle Situation ist aufgrund der Coronakrise und den Folgen der Aufgaben- und Finanzreform 18 derzeit sicher nicht ideal. Simon Roth hält dem aber entgegen: «Wir haben letztes Jahr immerhin beinahe 30 Millionen Franken besser abgeschlossen als budgetiert. Da können wir auch mal in ein Projekt investieren, das nicht zwingend nötig, aber verhältnismässig günstig zu realisieren wäre.»

«Die Natur braucht ungestörte und ruhige Ecken, von denen es in der Stadt nicht mehr all zu viele gibt.»

Sonja Döbeli Stirnemann, FDP-Fraktionschefin

Anders sieht das FDP-Fraktionschefin Sonja Döbeli Stirnemann. Sie wohnt zwar selber in der Tribschenstadt und fände einen Steg persönlich reizvoll. Sie hegt aber Bedenken wegen des Vogelschutzes.

«Die Natur braucht ungestörte und ruhige Ecken, von denen es in der Stadt nicht mehr all zu viele gibt.» Ein neuer Steg sei nicht dringend, deshalb sei der Schutz der Natur in diesem konkreten Fall höher zu gewichten.

Der Tribschenhornweg führt hoch zum Richard-Wagner-Museum.

Auch der SP ist das grüne Element wichtig, fordert sie doch zugleich eine ökologische Aufwertung der Seeufer. Angesprochen auf die Befürchtungen für die Vogelwelt sagt Simon Roth: «Falls es sich tatsächlich zeigen sollte, dass dies ein bedenklicher Eingriff in das Ökosystem ist, müsste das natürlich berücksichtigt werden.» Im Jahr 2009 habe der Stadtrat allerdings keine diesbezüglichen Bedenken erwähnt.

Stadt soll mit Nachbarn Kontakt aufnehmen

Dass die Stadt Luzern im Vergleich mit anderen gut dasteht, was öffentliche Wege entlang des Sees betrifft, räumt auch der Chef der grössten Fraktion ein. Trotzdem gebe es noch vereinzelte Lücken, etwa im Gebiet der Seeburg. Seine Partei verweist zudem auf das Raumplanungsgesetz, demnach «See- und Flussufer freigehalten und öffentlicher Zugang und Begehung erleichtert werden» sollen.

Als Inspiration dient der 1978 eröffnete Luzernerquai. Entgegen dem Willen der Eigentümer hiess die Stimmbevölkerung eine Aufschüttung rund um die Hausermatte gut.

«Ein Steg als Alternative wäre aber auch vor privaten Grundstücken denkbar.» 

Simon Roth, SP-Fraktionschef

Simon Roth versichert, dass man nicht primär darauf abziele, Privateigentümer zu enteignen oder weitere Aufschüttungen zu erzwingen. «Ein Steg als Alternative wäre aber auch vor privaten Grundstücken denkbar.» 

Zudem denkt seine Partei über die Stadtgrenzen hinaus. Denn gerade an der Peripherie führten die Wege die Fussgänger rasch wieder vom See weg.  «Die Stadt soll deshalb gemeinsam mit den Nachbargemeinden ein attraktives Wegnetz schaffen.»

Testplanung für linkes Seeufer

Im Nachgang zum Ja der Stadtluzerner Stimmbevölkerung zur Inseli-Initiative stellt sich die Frage, wie das linke Seeufer zukünftig aussehen soll. Aktuell fertigen drei Planerbüros ihre Visionen für die Entwicklung des Bereichs zwischen KKL und Segelboot-Hafen voran. Ideen sind beispielsweise ein Kanal vor dem Inseli, ein grüner Bahnhofsplatz, mehr Bäume in der Tribschenstadt und ein Umzug der Sportbereiche und Kioske bei der Ufschötti. 

Bis Ende Jahr will die Stadt basierend auf der Testplanung ein Konzept erarbeiten, welche das künftige Potenzial des Gebiets aufzeigen soll. Es ist auch die Grundlage für den Wettbewerb zur Aufwertung des Inselis, der 2021 folgen soll. Noch unklar ist, wo Ersatz für die Carparkplätze geschaffen werden könnte.

Der Perimeter der Testplanung am linken Seeufer reicht vom Europaplatz bis zum Segelboot-Hafen.

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4 Kommentare
  1. Müller, 05.08.2020, 11:26 Uhr

    Baut wie in Köln, eine kleine herzige Gondeli bahn vom Inseli zum Verkershaus ja das wärs eine neue Touristen Attraktion, für jedermann Bezahlbar da an ÖV angeschlossen, Blau weisse und mit einem Löwen das andere mit dem Wasserturm usw, es braucht ja nur etwa 8 Gondeli a max 6 Sitzplätzen,

  2. Andreas Peter, 04.08.2020, 22:31 Uhr

    Was bin ich froh, dass wir keine richtigen Probleme haben…

  3. Billie Holiday, 04.08.2020, 21:32 Uhr

    Gerne auch mit Windpark vor der Halbinsel.

  4. paul, 04.08.2020, 20:26 Uhr

    dort braucht es keinen steg! in wald über biker schimpfen und am see das ruhige felsufer verbauen für die turisten. mann o mann!! gibt sicher bessere projekte für fusswege am see. meggen oder schöhnbüel region

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