Als Nazis in Luzern die Fahne hissten
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Demonstration gegen die gehisste Hakenkreuzfahne am «Braunen Haus» an der Frankenstrasse 5. (Quelle: Stadtarchiv Luzern F2a/Anlass/Ereignis 391:12)

Überraschendes aus Luzerns Geschichte Als Nazis in Luzern die Fahne hissten

6 min Lesezeit 4 Kommentare 03.01.2016, 11:20 Uhr

Eine Hakenkreuz-Flagge, Flugzeugabstürze oder Luftschiffe, die über der Stadt schweben – die Geschichte der Leuchtenstadt hält einige Überraschungen bereit. zentral+ zeigt die Bilder dazu.

Was eigentlich auf Weihnachten 2012 hätte fertig sein sollen, ist nun – drei Jahre später als ursprünglich geplant – vollendet: «Die kleine Geschichte der Stadt Luzern», ein Buch, dass in sechs Kapiteln die Entwicklung der Leuchtenstadt nachzeichnet und aufzeigt, warum Luzern heute so aussieht, wie wir es kennen.

«Dass das Interesse an einem Buch so gross ist, habe ich selten erlebt», freut Urs W. Studer, den amtierenden Präsidenten der Gemeinnützigen Gesellschaft der Stadt Luzern und ehemaligen «Stapi». Er konnte mit der Herausgabe des Buches nun das vollenden, was sein Freund und Vorgänger Franz W. Kurzmeyer vor drei Jahren initiiert hatte. «Zum 200-Jahr-Jubiläum unserer Gesellschaft sollte ein Buch für die Luzerner Bevölkerung entstehen, dass die Geschichte unserer Stadt anhand vieler Bilder illustriert», so Studer.

«Eine ‹kleine› Geschichte zu schreiben, heisst auswählen, weglassen und Akzente setzen.»
Beatrice Schumacher, Autorin der «Kleinen Geschichte der Stadt Luzern»

Dabei sei besonders wichtig gewesen, dass es auch Interessierte ohne historische Vorkenntnisse anspreche. Und das ist auch gelungen. Auch diejenigen, die ansonsten nie ein Buch zur Hand nehmen und in erster Linie einfach gerne «Bildli» anschauen, kommen auf den rund 200 farbigen Seiten auf ihre Kosten und lernen so einiges über die Geschichte der Stadt.

Buchverlosung

Einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, das lohne sich für jedermann, meint Urs W. Studer. «Wie will man die Gegenwart verstehen, wenn man sich nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzt?»

Beatrice Schumacher, Historikerin und Autorin des im November erschienenen Buches, erklärt: «Eine ‹kleine› Geschichte zu schreiben, heisst auswählen, weglassen und Akzente setzen.»

Genau das hat auch zentral+ gemacht und präsentiert im Folgenden die «Highlights» der Stadtgeschichte in Bildern.

Luzerns Aufbruch zur Fremdenstadt

Touristen sind heute aus Luzern nicht mehr wegzudenken. Ein Meilenstein auf dem Weg zur Fremdenstadt war der Eisenbahnbau und mit diesem die Errichtung des ersten Bahnhofs in Luzern im Jahr 1859. Erbaut wurde dieser durch die Schweizerische Centralbahn auf der damals noch weitgehend unbebauten Fröschenburg am linken Seeufer.

Der erste Bahnhof in Luzern um 1890. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 01.02:04)

Der erste Bahnhof in Luzern um 1890. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 01.02:04)

(Bild: o. A.)

Übrigens: Der erste Zug erreichte Luzern bereits am 9. Juni 1856 – allerdings hielt dieser in Emmenbrücke, denn dort war damals die Endstation.

Bereits bekannter ist hingegen der «alte» Bahnhof, welcher 1896 fertiggestellt wurde.

1895 befand sich der alte Bahnhof noch im Bau. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 01.03:02)

1895 befand sich der alte Bahnhof noch im Bau. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 01.03:02)

(Bild: o. A., 1895)

Um 1900 galt Luzern noch als das «Tor zum Süden», täglich kamen internationale Luxus- und Extrazüge in der lichten Geleishalle an.

1896 war der alte Bahnhof mit seiner Kuppel fertiggestellt. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 0.01:06)

1896 war der alte Bahnhof mit seiner Kuppel fertiggestellt. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 0.01:06)

Die Stahl- und Glaskonstruktion steht heute noch – doch der Kopfbau mit seiner mächtigen Kuppel fiel 1971 den Flammen zum Opfer. Heute erinnert nur noch der Torbogen auf dem Bahnhofsplatz an dieses prächtige Gebäude.

Vollbrand des alten Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: SALU F2a/Anlass/Ereignis 391:12)

Vollbrand des alten Bahnhofs am 5. Februar 1971. (Quelle: SALU F2a/Anlass/Ereignis 391:12)

(Bild: Feuerwehr Stadt Luzern)

Aber auch am rechten Seeufer wurden die Weichen für die touristische Zukunft Luzerns gestellt: Die Ufer wurden befestigt und eine Quaianlage angelegt – damals um 1890 noch autofrei, wie sich im folgenden Bild zeigt. Abgebildet ist das Hotel Schweizerhof, das 1845 eröffnet wurde.

Das Hotel Schweizerhof um 1890. (Quelle: ZHBLU SoSa, LSa.8.4.1p)

Das Hotel Schweizerhof um 1890. (Quelle: ZHBLU SoSa, LSa.8.4.1p)

Um attraktiver für den Tourismus zu sein, verschob man auch den alten Warenumschlagplatz, der 300 Jahre lang beim Schwanenplatz gelegen war, ans rechte Seeufer zum alten Bahnhof.

Der Warenumschlagplatz am Schwanenplatz um 1860. (Quelle: SALU F2a/Schwanenplatz 0.05:08)

Der Warenumschlagplatz am Schwanenplatz um 1860. (Quelle: SALU F2a/Schwanenplatz 0.05:08)

Denn für die Touristen sollte alles luxuriös sein, wie sich auch am Interieur des Kursaals zeigt.

Casino und Kursaal, erbaut um 1882/83. (Quelle: SALU, F2a/Haldenstrasse 06:04)

Casino und Kursaal, erbaut um 1882/83. (Quelle: SALU, F2a/Haldenstrasse 06:04)

Dass sich in Luzern mittlerweile einiges verändert hat, zeigt sich auch am Löwenplatz. Wo die Ladengeschäfte heute ihre Werbung auf Chinesisch ausschreiben und das Löwen-Center steht, sah es damals noch so aus.

Ladengeschäfte am Löwenplatz um 1900. (Quelle: ZHBLU SoSa, LSa.32.23.8)

Ladengeschäfte am Löwenplatz um 1900. (Quelle: ZHBLU SoSa, LSa.32.23.8)

Um 1870 war Luzern eine kleine Feriendestination, die exklusive Gäste aus aller Welt anzog. Dafür war nicht zuletzt der mehrwöchige Aufenthalt der englischen Königin Victoria massgebend. Dieser hatte eine Werbewirkung: Unzählige Bilder und Berichte kursierten in der illustrierten Presse und brachten weitere vornehme Besucher an die Stadt am Vierwaldstättersee.

Als Touristenstadt benötigte Luzern auch eine direkte Verkehrsverbindung zum Bahnhof: Ab 1871 verband die Seebrücke das rechte mit dem linken Seeufer.

Der Schwanenplatz mit Blick auf die 1871 eröffnete Seebrücke. (Quelle. ZHBLU SoSa, LSa.7.2.14)

Der Schwanenplatz mit Blick auf die 1871 eröffnete Seebrücke. (Quelle. ZHBLU SoSa, LSa.7.2.14)

Eine Stadt ausser Rand und Band

Damals wie heute war der Bahnhofsplatz das Zentrum des öffentlichen Verkehrs. Von hier aus fuhr 1899 auch das erste Tram. Heute erinnert kaum mehr etwas daran, dass man in Luzern einst per Tram unterwegs war. Der Betrieb wurde 1961 eingestellt und aus der Trambahn Luzern (TrL) wurden die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL).

1940 waren in Luzern noch Trams unterwegs. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 0.07:03)

1940 waren in Luzern noch Trams unterwegs. (Quelle: SALU F2a/Bahnhofplatz 0.07:03)

Doch Luzern hatte noch mehr zu bieten: Die Luftschiffstation Tribschen (siehe Bild) bot Zeppelin-Flüge an.

Die Luftschiffhalle um 1910. (Quelle: ZHBLU SoSa, VEa4.Luftschiff.4)

Die Luftschiffhalle um 1910. (Quelle: ZHBLU SoSa, VEa4.Luftschiff.4)

1910 war die Allmend gar der Schauplatz spektakulärer Luftfahrtexperimente. 1910 führte die Luftschiffstation Tribschen eine Flugwoche «mit Flugzeugen schwerer als Luft» durch. Ein Anlass mit Pioniercharakter, denn nur ein halbes Jahr vorher fand der erste Motorenflug in der Schweiz statt.

Mit dem Beginn der Fliegerei häuften sich auch die Unfälle auf der Allmend. Es krachte immer wieder, so etwa als 1930 ein Flugzeug abstürzte (siehe Bild). Der schwerste Flugzeugabsturz folgte jedoch ein Jahr später – und forderte drei Tote und 32 zum Teil schwer verletzte Personen. Während des Flugmeetings waren rund 20’000 Zuschauer auf der Allmend.

Am 21. April 1940 stürzte auf der Allmend ein Flugzeug ab. (Quelle: SALU F2a/Anlass/Ereignis 106:01)

Am 21. April 1940 stürzte auf der Allmend ein Flugzeug ab. (Quelle: SALU F2a/Anlass/Ereignis 106:01)

(Bild: Stadtpolizei Luzern, 1930)

Angesichts dieser Unfälle erstaunt es nicht, dass die Fliegerei auf der Allmend keine Zukunft hatte. Ganz im Gegensatz zum Fussball. Bereits 1897 wurde auf der Allmend «tschuttet», 1934 wurde die erste Sportplatzanlage mit Fussballplätzen und einer Tribüne eröffnet.

1934 wurde auf der Allmend die Sportplatzanlage mit Fussballfeldern und der ersten Tribüne eröffnet. (Quelle: ZHBLU SoSa, LSa.15.13.7)

1934 wurde auf der Allmend die Sportplatzanlage mit Fussballfeldern und der ersten Tribüne eröffnet. (Quelle: ZHBLU SoSa, LSa.15.13.7)

Auch wenn es in Luzern im Vergleich zu den grossen internationalen Metropolen eher idyllisch zu und her ging, so waren die grossen Umbrüche der Weltgeschichte auch hier spürbar. So etwa als 1933 beim «Braunen Haus» an der Frankenstrasse 5 die Nazi-Flagge gehisst wurde.

Demonstration gegen die gehisste Hakenkreuzfahne am «Braunen Haus» an der Frankenstrasse 5. (Quelle: SALU F2a/Anlass/Ereignis 391:12)

Demonstration gegen die gehisste Hakenkreuzfahne am «Braunen Haus» an der Frankenstrasse 5. (Quelle: SALU F2a/Anlass/Ereignis 391:12)

Nach der Machtübernahme Hitlers formierten sich auch in Luzern faschistische Gruppierungen wie etwa die «Nationale Front», die auch hier antidemokratische Propaganda und antisemitische Hetze verbreitete. Auch wenn die rechtsextreme Bewegung in Luzern ihre Anhänger fand, so blieb sie – glücklicherweise – ein Randphänomen.

Mehr Wissenswertes über die Geschichte der Stadt Luzern finden Sie im Buch Die Kleine Geschichte der Stadt Luzern von Beatrice Schumacher; Verlag: Hier und Jetzt. zentral+ verlost drei Exemplare (siehe Box).

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4 Kommentare
  1. Lukas Bucher, 03.01.2016, 21:39 Uhr

    Ein guter Artikel zu einem ebenso guten und sehr lesenswerten Buch. Das Buch konnte ich wirklich auch als nicht-Historiker problemlos lesen.

  2. Walter Gerhard Wyss, 03.01.2016, 15:36 Uhr

    Alte Postkarten von Luzern etc. kriegen frau & mann z.B in Antiquariaten oder im Internet. Mitterweile gibt es der Ostschweiz sogar eine hervorragende, sehr grosse Sozialstiftung – eine Mischung von „Brändi“ LU und den CH-Caritas-Sozialbetrieben. Sie heisst http://www.tosam.ch/home/ . Einder der vielen Betriebe ist riesiger Second-Bücher-Laden in Gossau (vergleichbar dem Bücherbrocki Luzern, aber nicht komerziell) http://www.tosam.ch/unsere-betriebe/buch-winwin/ . In ihn ist auch das gemeinnützige Internet-Versand-Anitantiquriat http://www.buchplanet.ch integriert.
    Unzählige ALTE LUZERNER POSTKARTEN finden Sie dort, geschätzte Leserinen & Leser von Zentralplus:, beim Spendenshop http://www.kartenplanet.ch/ . Der Direktlink für Postkarten aus Stadt und Kanton Luzern lautet: http://www.kartenplanet.ch/schweiz/luzern/?p=1

  3. Walter Gerhard Wyss, 03.01.2016, 15:10 Uhr

    Bevor ich Ihren Namen sah, geschätze Frau Adrea Zimmermann, meinte ich, dieser Artikel sei von Hans Stutzt oder viel eher noch vom Historiker und Luzerner alt Stadtrat Ruedi Meier : http://www.gruene-luzern.ch/?p=personen&showperson=ruedimeier&open=SR – – – Danke für die höchsten interessanten Beitrag. Gruss an meine frühere LNN und „Die Region“-Berufkollegen bei euch in der Redaktion.

  4. Alois Ineichen, 03.01.2016, 13:37 Uhr

    Da kommen alte Erinnerungen auf. Die gute alte Zeit war nicht besser, aber gemütlicheer und überschaubarer.
    Ein wenig Wehmut kommt bei den Bildern schon auf.
    Möchte allen Lesern und dem Zentral plus Team ein erfolgreiches 2016 wünschen.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.