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Als in Horw ein Nilpferd Verliebte erschreckte
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Zu seinem Geburtstag haben die Mitarbeitenden und Freunde zusammengelegt. Er konnte sich sein neues Pferd Amado in Spanien aussuchen. (Bild: hch )

Highlights aus 100 Jahren Circus Knie in Luzern Als in Horw ein Nilpferd Verliebte erschreckte

5 min Lesezeit 2 Kommentare 02.07.2019, 14:27 Uhr

Der Circus Knie feiert sein 100-Jahr-Jubiläum. Mit Luzern verbindet der Schweizer National-Circus eine besonders innige Beziehung. Was ein Nilpferd und der grosse Tag eines Paares damit zu tun hat, erzählt Zirkusdirektor Fredy Knie junior.

Wenn der Zirkus vom 5. bis 21. Juli auf der Luzerner Allmend gastiert, gibt es zum 100-Jahr-Jubiläum ein ganz besonderes Programm: Satire mit Viktor Giaccobo und Mike Müller sowie ein «Best of» aus früheren Zeiten und mit futuristischen Einflüssen. Fredy Knie jun. (73) freut sich bereits auf die Vorstellungen in Luzern. Die Stadt hat für ihn ein ganz spezielles Flair, denn hier finde sich alles, was die Schweiz ausmache, auf einem Fleck: «Die Zuschauer sind durch die Berge und den See vom Ferienfeeling angesteckt. Sie kommen mit kurzen Hosen und Flipflops, ungestresst.» Er staune darüber, wenn er sehe, wie Touristen im Sommer Fondue und Raclette geniessen würden. «Mir wird jeweils richtig warm, wenn ich die Touristen sehe», schmunzelt Fredy Knie jun.

Highlights aus den letzten Jahren

Der 73-Jährige erinnert sich gern zurück an seine persönlichen Highlights wie seine Show «30 Pferde», «ohne Zaum und ohne Sattel» oder «Tiger und Nashorn». Letzteres war einmalig in der Zirkuswelt und sorgte weltweit für Begeisterung.

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Knie mag auch die Clownnummern, die im Zirkus nicht fehlen dürfen. Zu seinen Favoriten gehören nebst Dimitri und Pic die regionalen Komiker Emil sowie Duo Fischbach. Mit Letzteren wollte der Zirkus nach der damaligen Saison nochmals in Luzern auftreten. Aus der Zugabe wurde allerdings nichts, da bereits andere Veranstaltungen in der Allmend stattfanden und die Stadt keine weitere Bewilligung erteilte.

Fredy Knie jun. plaudert entspannt, bei heissen Temperaturen im Schatten.
Fredy Knie jun. plaudert entspannt, bei heissen Temperaturen im Schatten.

(Bild: hch)

Hochzeit im Zirkus

Fredy Knie jun. verbindet mit Luzern noch einen ganz besonderen Moment in seinem Leben. Am 1. August 1972 feierte er mit Mary-José und rund 6’000 Gästen Hochzeit auf der Allmend. Die Zeremonie fand selbstverständlich im Zirkuszelt statt, wie es sich gehört. Mit dabei: Pfarrer, Kutsche und seine erste grosse Liebe, der Apfelschimmel Parzi. Die Gäste sassen gedrängt im Zelt oder standen draussen auf der Strasse. Das Essen mit dem Personal und Freunden auf dem Hochrüti durfte auch nicht fehlen.

Ein erfolgreicher Start in die Ehe, denn: Nach 46 Jahren Ehe sind seine Frau Mary-José Galland und er noch immer glücklich. Auf die Frage, was das Geheimrezept dafür sei, meint Knie: «Wir haben gelernt, das Berufliche vom Privaten zu trennen und haben uns auch über andere Dinge unterhalten. Die rosarote Brille ist zwar schnell weg, aber es ist seit Jahren ein Miteinander.» Schmunzelnd: «Eine Scheidung ist kein Thema, ich möchte sie noch etwas behalten.»

Bei der Hochzeit von Fredy Knie jun. und Mary-José standen die Tierpfleger und Clowns mit Heugabeln Spalier. 
Bei der Hochzeit von Fredy Knie jun. und Mary-José standen die Tierpfleger und Clowns mit Heugabeln Spalier. 

(Bild: zvg)

Das ausgebüxte Nilpferd Juba

Der Zirkus Knie sorgte in Luzern auch 1964 für Schlagzeilen. Das Nilpferd Juba kam am Abend nach der Vorstellung nicht mehr vom Grasen zurück und das Personal zog für die Suche los Richtung See. Die Frage nach dem Verbleib des Nilpferds sorgte bei den Angesprochenen für Witze: «Habt ihr zu viel getrunken? Die nächste Beiz ist da vorne», erinnert sich Knie. Auch die Polizei war erstaunt und wollte es kaum glauben.

Erst am nächsten Morgen kam das Nilpferd am Fuss des Bireggwaldes wieder zum Vorschein. Ein verliebtes Paar sass auf der Bank. Das Gebüsch hinter ihnen fing an zu wackeln und der riesige Kopf mit dem grossen Maul kam hervor. Das Paar lief schreiend davon, erinnert sich Knie.

Das ausgebüxte Nilpferd Juba in der Vorstellung mit Clown Pic.
Das ausgebüxte Nilpferd Juba in der Vorstellung mit Clown Pic.

(Bild: zvg)

Blaue Eier zum 100-jährigen Bestehen

Doch nicht nur die Allmend steht in den nächsten Tagen im Zeichen des 250 Mitarbeiter zählenden Zirkusbetriebes. Zum 100-Jahr-Jubiläum erwartet die Zirkusfreunde im Verkehrshaus die Ausstellung «Knie auf Reisen». Dort findet man auch den Wohnwagen von Margrit Knie-Lippuner, der Grossmutter von Fredy Knie jun. Zu ihr hatte er eine besonders innige Beziehung, so dass er ihren Wohnwagen nach ihrem Tod nicht mehr betreten wollte.

Erst an der Eröffnung der Ausstellung wagte er nun wieder den Schritt in den Wagen 29: «Das Verkehrshaus hat einen tollen Job gemacht, die gleichen Polster, die gleichen Vorhänge, alles ist geblieben. Viele Erinnerungen aus meiner Jugend kamen zurück.»

Dabei erhielt Fredy Knie jun. noch ein einzigartiges Geschenk. Die Familie von Hans Erni brachte ihm 100 argentinische Eier zum Jubiläum. Das Besondere: Die Eier sind blau.

Im Verkehrshaus steht der Wohnwagen 29 von Margrit Knie-Lippuner, Grossmutter von Fredy Knie jun.
Im Verkehrshaus steht der Wohnwagen 29 von Margrit Knie-Lippuner, Grossmutter von Fredy Knie jun.

(Bild: zvg)

Erni und die Zirkuswelt

Zu Hans Erni und seiner Familie haben die Knies eine langjährige Freundschaft aufgebaut und pflegen diese auch nach seinem Tod weiter. Der Luzerner Künstler malte bereits 1966 sein erstes Plakat für die Knies «Schimmel und Rappe», danach folgten zahlreiche andere sowie auch die Hochzeitsanzeige von Fredy und Mary-José Knie, die Geburtskarte von Géraldine und die Einladung für Fredys 60. Geburtstag.

Sein letztes Plakat «Pegasus» kreierte er auf Wunsch der Familie zum 90-jährigen Bestehen des Zirkus. Erni war damals 100-jährig. «Auch mit 107 Jahren war Hans noch völlig klar und erzählte von seiner Leidenschaft für den Zirkus, die Pferde und die Akrobaten», erinnert sich Knie an seinen Freund. Als kleiner Bub habe sich Erni bereits im Zirkus vorgedrängt, um das Seil der Hochseilartisten zu halten.

«Das Publikum respektieren, nicht enttäuschen, immer korrekt und volksnah sein. Diese Werte sind für uns auch heute noch zentral.»

Fredy Knie jun.

Kein Heilmittel fürs Zirkussterben

Ein Blick in die Gegenwart zeigt, dass nicht jeder Zirkus überleben kann. Beispielswiese musste der Zirkus Nock, zu denen die Knies ein gutes Verhältnis pflegen, Konkurs anmelden.

100 Jahre Circus Knie – das Jubiläumsbuch

Weitere spannende Einblicke in die Geschichte des National-Circus, über Höhepunkte und überraschende Episoden gibt das Jubiläumsbuch. Die Leser von zentralplus haben die Chance, ein Exemplar des hochwertigen Werkes im samtenen Einband zu gewinnen. Hier geht's zur Verlosung.

Für Fredy Knie jun. gibt es kein Allerweltsheilmittel gegen das Zirkussterben. Dieses gab es schon immer, Alte gingen, Neue entstehen. Was aber für den Knie spricht und bereits von Generation zu Generation weitergegeben wird: «Das Wichtigste sind die Zuschauer. Das Publikum respektieren, nicht enttäuschen, immer korrekt und volksnah sein. Diese Werte sind für uns auch heute noch zentral.» Er gibt sein Wissen gerne an die Jugend weiter und freut sich über seine Enkel und deren Engagement.

Auch sei wichtig, dass man sich immer wieder neu erfindet. Nach dem Jubiläumsjahr halten es viele für schwierig, die Show zu toppen. Fredy Knie hat dazu eine passende Antwort: «Wartet ab! Das Programm in der nächsten Saison wird anders und futuristischer.» Er wollte aber nichts verraten. Auch der Gastkomiker, der den Zirkus seit einigen Jahren jeweils begleitet, sei bereits engagiert. Wer dies sei, will er zwar nicht preisgeben. Nur so viel: «Es ist mein Wunschkandidat.»

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2 Kommentare
  1. André Töngi, 02.07.2019, 17:34 Uhr

    kleine Korrektur- das Nilpferd Juba ist mit Pic auf dem Bild und nicht mit Dimitri.
    Pic hat den ganzen Abend lang Sommervögel gejagt und leider keinen gefangen. Juba kam dann als Schmetterling verkleidet in die Manege, Pic setzte sich auf das Nilpferd und rief: Summervögali flüüg. Und ritt auf dem Nilpferd eine Runde.
    Nicht vergessen werden dürfen die legendären Fussballmatchs zwischen einer Auswahl von Knie-Leuten und den Hoteliers. Rolf Knie war ein ebenso begnadeter Fussballer.

    1. Valeria Wieser, 02.07.2019, 17:44 Uhr

      Besten Dank für Ihre Anmerkung, Herr Töngi. Ich habe die Bildunterzeile geändert. Beste Grüsse