Als «Bobbele» noch ein Zuger war
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Happy Birthday! Boris Becker hatte sechs Jahre lang einen offiziellen Wohnsitz in Zug. (Bild: Facebook / Montage: lob)

Boris Becker feierte seinen 50. Geburtstag Als «Bobbele» noch ein Zuger war

4 min Lesezeit 22.11.2017, 17:04 Uhr

Happy Birthday, Boris! Nicht nur seine drei Wimbledonsiege, seine Nummer in der Besenkammer, seine vielen Amouren und seine angeblichen Gesamtschulden von 61 Millionen Euro sind legendär. Der gebürtige Leimener hat auch Zeit in Zug verbracht. Eine Spurensuche.

Wer mit Boris Becker mal auf engster Tuchfühlung gewesen ist – wie der Autor dieser Geschichte, der den Weg des dreimaligen Wimbledonsiegers beim Gang von den Locker-Rooms auf den Court in Wimbledon zufällig hautnah kreuzte –, dem bleibt «Bummbumm-Bobele» natürlich als Person in ewiger Erinnerung.

Aber nicht nur deshalb. Der rotblonde Tennisstar hat schliesslich auch im Kanton Zug seine Spuren in den vergangenen Jahren hinterlassen.

Ok. Das sind natürlich erstmal seine ganzen Prozesse. Becker ist ja bekanntlich diesen Sommer von seinem ehemaligen Geschäftspartner und Schweizer Unternehmer Hans-Dieter Cleven zu 41,8 Millionen Franken vor dem Kantonsgericht in Zug angeklagt worden. Die Richter in Zug waren aber allerdings der Meinung, dass die Darlehensverträge von Cleven mit Becker nicht ordnungsgemäss gekündigt worden seien. Cleven sucht nun sein Heil in zweiter Instanz vor dem Zuger Obergericht.

Vor Gericht mit Krücken in Sachen Hochzeit

Auch ist nicht vergessen, als Boris Becker im Jahr 2012 – eingegipst, mit Anzug und Krücken – vors Zuger Kantonsgericht humpelte. Er hatte sich kurz vorher operieren lassen. Der Grund für den Prozess: Der Pfarrer, der den Deutschen mit seiner heissen Liebe Lilly Kerssenberg in St. Moritz getraut hatte, verklagte Becker, weil dieser angeblich nicht die Rechnung für die Hochzeit bezahlen wollte.

Konkret forderte der Geistliche zusätzliche 10’000 Franken, weil ihm die im Fernsehen übertragene Traumhochzeit einen immensen Aufwand beschert habe. Das Kantonsgericht entschied, dass der Tennisstar einen kleinen Teil des Zusatzaufwands berappen müsse.

Nicht zuletzt sind die rund 196’000 Franken in Erinnerung, die der Geschäftsmann Boris Becker 2008 der Ausgleichskasse Zug schuldete, weil er im Jahr 2008 seine Beiträge für Selbstständigerwerbende – also AHV, IV und Erwerbsersatzordnung – offenbar nicht einbezahlt hatte.

In der Folge wurden Vermögenswerte von Becker in Höhe von 90’000 Franken blockiert. Und das Betreibungsamt Küsnacht in Zürich sperrte die Stammanteile Beckers an der Vermarktungsfirma Boris Becker GmbH mit Sitz in Küsnacht.

Zug als Tennismetropole: Becker machte den Auftakt

Doch gerade 2008 hatte das Leben in Zug für Becker auch ganz andere, viel schönere Momente parat. In der Baarer Waldmannhalle trat der dreifache Wimbledonsieger und frühere Nummer eins der Tenniswelt für die Marco-Rima-Stiftung gegen den Tennis-Clown Henri Leconte an:

Während der Franzose auf dem Court herumalberte – und dabei noch vom Zuger Comedian Marco Rima unterstützt wurde –, liess Boris todernst mit Landser-Kurzhaarfrisur seine Aufschläge ins Feld krachen. Beim Tennis verstand Boris nie Spass. Seine damalige Freundin und spätere Ehefrau Lilly Kerssenberg klatschte ihrem Boris begeistert aus dem Baarer Publikum zu.

Becker machte Zug dadurch unverhofft zur kleinen, aber feinen Tennismetropole. Denn ein Jahr später matchte Boris’ einstiger Erzkonkurrent Michael Stich in der Waldmannhalle gegen Stefan Edberg. Und wiederum einige Jahre später kamen sogar André Agassi und Steffi Graf nach Zug in die Bossardarena zu einem Schaukampf. Zugs Geld und Sponsoren hatten es möglich gemacht.

«S Bobbele» hatte übrigens auch sechs Jahre lang ganz offiziell – steuerbedingt – seinen Wohnsitz in Zug. Und zwar im edlen Hotel Waldheim in Risch, oberhalb des Zugersees.

«Über ehemalige Gäste geben wir keine Auskunft.»

Martin Eggimann, Hotel Waldheim Risch AG

Dort hatte der Leimener ein Apartment gemietet. Geschlafen hat er mit Sicherheit in den Räumlichkeiten nicht oft – lebte er doch hauptsächlich im für Becker etwas mondäneren Zürich, in Wollishofen, bevor er schliesslich nach London zügelte. «Über ehemalige Gäste geben wir keine Auskunft», lässt sich Pächter Martin Eggimann von der Hotel Waldheim Risch AG von der Dame an der Rezeption zitieren. Schade!

Becker fühlte sich nie so heimisch wie Räikkönen

Wobei sich Becker in Zug tatsächlich nie so heimisch fühlte wie etwa Formel-1-Star Kimi Räikkönen in Baar. Der Finne hat ja nicht nur eine eigene EVZ-Loge und residiert an der Baarer Weinberghalde in einer Supervilla. Der Rennfahrer fand ja auch mal kurzzeitig Gefallen an einer Baarer Serviertochter – bevor er schliesslich mit einer Finnin seine jetzige Familie gründete.

Und Becker war natürlich auch eine Zeitlang Geschäftsmann in Zug. Bei der Völkl Schweiz AG, die unter anderem Tennisschläger und Skis von Völkl vertreibt. Becker ist indes laut Wikipedia nur noch Gesellschafter der Völkl Tennis GmbH und Mitgründer und Gesellschafter der Boris Becker GmbH im schweizerischen Küsnacht.

Hier wohnte Becker sechs Jahre lang – dem Papier nach: Im Hotel Waldheim Risch hatte er ein Apartment gemietet. Aus Steuergründen. Geschlafen und gewohnt hat der dort höchst selten.

Hier wohnte Becker sechs Jahre lang – dem Papier nach: Im Hotel Waldheim Risch hatte er ein Apartment gemietet. Aus Steuergründen. Geschlafen und gewohnt hat er dort höchst selten.

(Bild: Facebook)

Wobei sein Ex-Geschäftspartner Hans-Dieter Cleven und Becker 1999 Völkl-Tennis mit je 50 Prozent Anteilen in Baar gegründet hatten. Becker hatte sich dann im Lauf der Jahre immer wieder Geld von Cleven geliehen, seinem grössten Gläubiger. Und sie beide lancierten auch gemeinsam die Becker-Cleven-Stiftung «Fit for Future», die Kinder zu Bewegung und Sport animieren sollte.

Pokern mag er lieber als Geschäfte

Aber Boris, der bis 31. März 2017 auch Eigentümer von drei Mercedes-Autohäusern in Deutschland sowie Markenbotschafter von Mercedes gewesen war, interessierte das Business nie mit der gleichen Leidenschaft wie sein Tennis. Oder wie sein Wimbledon-Kommentatoren-Job bei der BBC. Ganz zu schweigen von seiner Poker-Passion. Boris ist und bleibt eben ein Spieler. Auch mit 50. Und angeblich 61 Millionen Euro Schulden. zentralplus wünscht trotzdem Happy Birthday!

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