Regionales Leben

zentralplus lädt zur Podiumsdiskussion
Alles, wirklich alles, was du zum Bypass Luzern wissen musst

Diese Ruhe täuscht: Hinter den Kulissen befindet sich das Projekt Bypass Luzern in der heissen Phase. Wie das milliardenschwere Strassenprojekt genau realisiert werden soll, wird derzeit ausgehandelt. zentralplus lädt nun vier prominente Akteure zur Diskussion ein.

Ist der Name «Bypass» Programm oder lediglich gutes Marketing? Tatsache ist, dass das Gesamtsystem Bypass Luzern steile Erwartungen zu erfüllen hat. Für rund 1,8 Millionen Franken will der Bund damit den Verkehr rund um den Stau-Hotspot Luzern wieder zum Fliessen bringen.

In den Standortgemeinden bestehen aber nach wie vor Fragezeichen, Sorgen und Widerstände. Aus diesem Grund lädt zentralplus am 15. Oktober zum grossen Podiumsgespräch ein. Bevor es so weit ist, kannst du dich hier im Crashkurs-Verfahren nochmals in Sachen Bypass updaten.

Seit 20 Jahren in Planung

Das Bypass-Projekt begleitet die Region Luzern bereits seit 20 Jahren. Der Weg bis in die Gegenwart war keineswegs geradlinig, wie ein Blick auf die Zeitachse zeigt:

Die nächsten zwei Jahre sind entscheidend

Die Planauflage für das Gesamtsystem Bypass Luzern hätte ursprünglich im April 2020 erfolgen sollen. Wegen der Corona-Pandemie musste die Auflage schliesslich in den Sommer verschoben werden. In Luzern und den übrigen Standortgemeinden erfolgte die Auflage schliesslich vom 8. Juni bis am 7. Juli 2020.

Nach der Auflage erfolgte die erste Zäsur des Projekts: Rund 90 Einsprachen gingen gegen das Bypass-Projekt ein (zentralplus berichtete). Derzeit erfolgt beim Bund eine Auswertung der Einsprachen, bevor der Prozess der Einspracheverhandlungen losgeht. Der Bund hat für diese Phase des Projekts rund zwei Jahre eingerechnet.

Das bringt uns in die Gegenwart. Die Positionen zum Bypass sind bezogen und ausformuliert. Grundsätzlich lassen sich diese in drei Lager einteilen.

1. Die Befürworter

Hierzu zählt selbstredend der Bund. Sein Fokus liegt in erster Linie auf der Zukunft der Nord-Süd-Achse, der wohl wichtigsten Wirtschaftsroute des Landes. Dass es auf den Autobahnen A2 und A14 – insbesondere im Abschnitt Verzweigung Rotsee–Luzern-Zentrum – regelmässig zu Überlastungen und Staus kommt, beobachtet der Bund mit Sorge.

Die Ziele des Bypass-Projekts hat der Bund deshalb wie folgt definiert:

  • Verkehrsfluss auf Autobahn verbessern und die Verfügbarkeit erhöhen.
  • Zukünftige Funktionalität der Nord-Süd-Achse sicherstellen.
  • Funktionsfähigkeit der Anschlüsse an die Autobahn sicherstellen.
  • Ausweichroute im Ereignis- und Unterhaltsfall schaffen.
  • Erreichbarkeit der Zentralschweiz und der Agglomeration Luzern verbessern.
  • Stadtautobahn vom Durchgangsverkehr entlasten. 
  • Erhöhung der Verkehrssicherheit.

Den Sicherheitsaspekt hebt auch der TCS Waldstätte explizit hervor. Die Zentralschweizer Sektion des Touring Clubs steht geschlossen hinter dem Bypass-Projekt, wie Sektionspräsident und FDP-Nationalrat Peter Schilliger im Interview gegenüber zentralplus betont:

2. Die Fordernden

Es ist anzunehmen, dass viele der eingegangenen Einsprachen nicht das Projekt als Ganzes opponieren. Stattdessen wurden diese mit Forderungen nach Planungsänderungen eingereicht. Die zwei prominentesten sind die Einsprachen aus Luzern und Kriens.

Der Luzerner Stadtrat wiederholte in der Vergangenheit immer wieder, dass er hinter dem Projekt stehe. Vier Teilaspekte der Planung prangert er in seiner Einsprache aber deutlich an. Zum einen ist das der vorgesehene Ausbau der Autobahn im Bereich Ibach (zentralplus berichtete). Der Stadtrat sieht darin einen «unverhältnismässigen Eingriff in den Landschafts- und Naherholungsraum an der Reuss». Dieser Eingriff soll auf ein Minimum reduziert werden. Weiter fordert die Stadt Luzern:

  • Durchgehende Busspuren vom Kupferhammer in Kriens bis zum Luzernerhof.
  • Dass die Beanspruchung des Dammgärtlis auf ein Minimum reduziert wird und die grosse Eiche erhalten bleibt.
  • Natur-und landschaftsverträgliche Realisierung der Lüftungszentrale im Gütschwald.

Im Gespräch mit zentralplus betont Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne), dass der Bund bei seiner Planung die negativen Auswirkungen auf die Standortgemeinden nicht ausblenden dürfe:

Zudem unterstützt die Stadt Luzern ihre Nachbarn in Kriens. Dieser fordert bekanntlich eine Überdachung der gesamten Autobahn auf Krienser Boden (zentralplus berichtete).

Im Gespräch mit zentralplus erklärt Stadtpräsidentin Christine Kaufmann-Wolf (CVP), weshalb es dabei auch um eine Gleichbehandlung von Kriens mit anderen Orten entlang der A2 geht:

3. Die Gegner

Zu den vehementesten Gegnern des Bypass-Projekts zählen der WWF und der VCS. In einer gemeinsamen Einsprache kreiden sie dem Bund Kurzsichtigkeit in Bezug auf die Klimaziele an. Jede seriöse Bezugnahme auf die Klimaproblematik werde in den Bundesplänen vergeblich gesucht (zentralplus berichtete).

Michael Töngi ist VCS-Sektionspräsident und Nationalrat (Grüne). Im Gespräch mit zentralplus argumentiert er für einen kompletten Abbruch der Bypass-Übung:

Und jetzt? Jetzt wird diskutiert!

zentralplus lädt die in diesem Beitrag erwähnten Vertreter und Vertreterinnen der Standortgemeinden und der Verkehrsverbände zum gemeinsamen Podiumsgespräch. Dieses findet am Donnerstag, 15. Oktober 2020, an der Hochschule Luzern statt. Weitere Informationen dazu findest du hier.

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3 Kommentare
  1. Räto Camenisch Präsident Komitee "ByPass-so-nicht" Kriens, 07.02.2021, 13:08 Uhr

    Der ByPass wird hauptsächlich für den europäischen Nord-Süd Verkehr gebaut (Gotthard Zubringer) und dann auch noch für den Verkehr in und um die Stadt Luzern, das aber sicher erst in 2. Linie. Kriens hat eigentlich nur Nachteile zu tragen. Die durchgehende Busspur als Pfand der gestrichenen Spange Süd ist jetzt auch dahin. Gegen die einzige akzeptable Lösung im Bereich Kupferhammer-Schlund die «Chance Kriens» weibelt jetzt sogar ein Luzerner Nationalrat. Warum zwingt man Kriens immer in die «underdog»-Rolle ? Bravo, jetzt wehrt sich die Stadt gerichtlich weil sie sich einfach nicht alles gefallen lassen kann. Das Krienser Allparteien-Komitee «ByPass- so- nicht» steht für weitere Aktionen bereit um dem Stadtrat den Rücken zu stärken.

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  2. Christian Meister, 14.10.2020, 22:46 Uhr

    @zentralplus Schade, dass die Einsprache der Gemeinde Emmen mit keinem Wort erwähnt wird. Auch Emmen fordert einige teils grosse Anpassungen. Insbesondere die massiven Auswirkungen der Bauphase stossen in Emmen auf heftige Kritik.

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    1. Redaktion Ismail Osman, 15.10.2020, 09:46 Uhr

      Guten Tag Herr Meister
      Besten Dank für Ihren Input. Ich gebe Ihnen recht, die Einsprache Emmens ist durchaus auch relevant. Im Text mache ich, im Abschnitt zum Ibach, zwar den Link zu einem entsprechenden Artikel, dennoch hätte Emmen im Haupttext explizit erwähnt werden können. Wir bleiben in Sachen Emmen und Bypass auch in Zukunft weiter dran.

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