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Alles Schoggi oder was?
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Zwei Schoggikünstler bei der Arbeit. Der Schokoladen-Samichlaus wiegt zwischen 150 und 160 Kilogramm. (Bild: Natalie Ehrenzweig)

zentral+ besucht Luzerner Schoggifabrik Alles Schoggi oder was?

3 min Lesezeit 08.12.2015, 12:02 Uhr

Die Schweiz, das Land der Schokolade. Auch in Luzern sind Schoggifabriken beheimatet. zentral+ besuchte die Chocolat Schönenberger AG – im Advent läuft dort eine spezielle Aktion. Doch dem Boss ist nicht immer zum Lachen zu Mute. Und er bringt Kritik am Schoggibusiness an.

Wer durch die Produktionsräume von Chocolat Schönenberger AG in Luzern geht, sieht keine meterlangen Fliessbänder, sondern jede Menge Angestellte, die persönlich bei der Schokoladenproduktion Hand anlegen. «Das Personal ist matchentscheidend» erklärt Firmeninhaber Hans Rudin. Bei Chocolat Schönenberger AG arbeiten 65 Leute, dazu kommen 20 geschützte Arbeitsplätze.

Mit Werbeschoggi Geld verdienen

Als Hans Rudin die Firma vor elf Jahren kaufte, arbeiteten nur sechs Angestellte dort. «Mir gefiel die bestehende Idee mit der Werbeschoggi. Und die Unabhängigkeit, die daraus folgte. Ich setzte auf Qualität. Und man braucht viele Ideen», verrät der CEO sein Geheimnis, wie er die kleine Firma auf Erfolgskurs brachte.

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«Die Schweizer Konsumenten essen mehr ausländische Schokolade.»

Hans Rudin, Firmeninhaber

Etwa 40 Prozent der Produktion von Chocolat Schönenberger AG fällt auf die Werbeschoggi. Gerade werden zum Beispiel kleine Schoggi-Flugzeuge produziert. «Unser Exporthit ist aber das Schaf», freut sich der Schoggiexperte. Ein Kunde habe ihm auch verraten, wieso das so ist: «Das Schaf spielt in allen Religionen eine Rolle.»

Firmeninhaber Hans Rudin präsentiert den Export-Schlager, das Schaf..

Firmeninhaber Hans Rudin präsentiert den Export-Schlager, das Schaf..

(Bild: Natalie Ehrenzweig)

Die Branche spürt die Euro-Krise

Laut Choco Suisse hat die Schweizer Schokoladenindustrie im letzten Jahr weniger Schoggi verkauft als im Vorjahr. Auch Chocolat Schönenberger AG hat die Euro-Krise massiv gespürt. «Die Importe sind gestiegen. Mit anderen Worten: Die Schweizer Konsumenten essen mehr ausländische Schokolade. Total exportiert wird etwa 45 Prozent. Und obwohl wir zwar mengenmässig mehr in den EU-Raum exportiert haben, so haben wir doch viel weniger verdient», erläutert Hans Rudin. Man dürfe nicht vergessen: Das war schon die zweite Eurokrise innerhalb von vier Jahren.

«Man braucht, um diesen Job gut zu machen, eine Lebensmittelethik.»

Hans Rudin, Firmeninhaber

Doch Chocolat Schönenberger AG hat sich mit seiner Grösse einen Marktvorteil verschafft. «Die Halbautomaten, die in der Produktion eben auch noch die Handarbeit der Angestellten benötigen, machen unsere Abläufe flexibel», verrät Hans Rudin, der gelernter Käser ist. «Lebensmittel sind mein Mittelpunkt. Man braucht, um diesen Job gut zu machen, eine Lebensmittelethik. Als Lebensmittelproduzent hat man eine grosse Verantwortung: Menschen verzehren das Produkt», betont der 69-Jährige.

Ein Angestellter bei der Arbeit. Viele Abläufe sind halb-automatisiert.

Ein Angestellter bei der Arbeit. Viele Abläufe sind halb-automatisiert.

(Bild: Natalie Ehrenzweig)

600 Tonnen Rohstoffe pro Jahr

Selber isst der Chef «bestimmt 50 bis 100 Gramm Schoggi am Tag», schätzt er. «Ich mag ganz unterschiedliche Schokoladen. Zum Beispiel eine feine, schöne Milchschoggi, oder eine gute dunkle. Die ganz dunklen, so mit 95 bis 98 Prozent Kakaoanteil treffen weniger meinen Geschmack», sagt der Schoggi-Enthusiast. «Die kühnste Schokolade, die Chocolat Schönenberger AG produziert, ist die mit Salz.» Total verarbeiten sie 600 Tonnen Rohstoffe im Jahr.

Gute Schokolade zeichne sich durch ein spezielles Geschmacksempfinden aus, wenn man reinbeisst. «Vor ein paar Jahren konnte man Schoggi günstiger machen, wenn man Nüsse dazugab. Doch diese sind zurzeit sehr teuer. Kakaobutter kostet pro Kilo sieben bis neun Franken. Mit Fremdfett kann man den Anteil verringern. Doch das machen wir hier beim Chocolat Schönenberger AG nicht», betont Hans Rudin.

Denn gute Schokolade brauche Naturprodukte. «Die Rohstoffe sind wichtig. Ich sehe übrigens nicht ein, wieso diese Rohstoffe wie Kakaobohnen an der Börse gehandelt werden. Die Kette sollte so kurz wie möglich sein, die Produzenten sollten direkt bei den Bauern kaufen können», findet Hans Rudin. Diese hochwertigen Naturprodukte hätten auch ihren Preis.

Rund 600 Tonnen Rohstoffe werden in der Schoggifabrik verwendet.

Rund 600 Tonnen Rohstoffe werden in der Schoggifabrik verwendet.

(Bild: Natalie Ehrenzweig)

Spezielle Adventsaktion

Im Advent kann man im Verkaufsladen selber weihnachtliche Schokolade herstellen und dekorieren – wie auch an Ostern. Gerade verschönern zwei Angestellte einen riesigen Schoggi-Samichlaus, der aus 150 bis 160 Kilogramm Schoggi besteht. «Von September bis Ostern dauert die Saison der Schokoladenproduzenten. Für den warmen Sommer haben wir spezielle dünnere Tafeln im Sortiment», sagt der CEO.

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