Alles Blech von gestern
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Alte Autos haben ihn schon immer fasziniert: Bruno Birrer am Steuer eines Aero 30 Special Sport. (Bild: dvm)

Faszination Oldtimer Alles Blech von gestern

5 min Lesezeit 25.05.2015, 05:51 Uhr

Für echte Liebhaber sind Oldtimer weit mehr als ein teures Hobby. Ein Luzerner mischt in der Szene ganz vorne mit. In seiner Garage in Littau schlummern einige Schönheiten. Darunter auch eine besondere Rarität.

In der Werkstatt stehen reihenweise Bubenträume. Es riecht nach Gummi, Lack und Benzin. Irgendwo klimpert ein Metallschlüssel. Bruno Birrer führt durch «sein» Reich.

«Alte Autos haben mich schon immer fasziniert», erzählt der Oldtimer-Enthusiast. Dabei stammt der 65-jährige Luzerner nicht mal aus einer Auto-Familie. «Ich habe die Fahrprüfung noch vor meinem Vater gemacht», erklärt Birrer lachend. Überhaut sei er in der Familie der Erste mit einem Auto gewesen. «Meinem Vater musste ich das Fahren erst beibringen.» 

Am Anfang war das Hobby

Zusammen mit René Mächler führt Birrer das vor rund sieben Jahren gegründete Oldierama. «Am Anfang stand die Liebe zum alten Blech», erzählt er. Man habe sich schon früher gekannt. «Unter Gleichgesinnten findet man sich.» Beide hätten ein Faible für Pferdestärken, und historische Autorennen. Solche hat Birrer zeitlebens besucht, später als Helfer begleitet. «Und nun habe ich mein liebstes Hobby zum Beruf gemacht.»

«Früher hatten die Autos noch eine Seele.» 

Bruno Birrer, Oldtimer-Enthusiast und Mitinhaber Oldierama AG

Damit habe er lange warten müssen. Vor seiner Pensionierung hat Bruno Birrer unter anderem im Autogewerbe gearbeitet. Nicht – wie man erwarten würde – als Mechaniker, Carossier oder Sattler. «Nein, ich habe eine kaufmännische Lehre gemacht.» Vielleicht sei die Faszination für die alte Technik gerade deswegen so gross.

Luzern ist im Oldtimer-Fieber

Ende Mai wird Luzern zum Mekka der Oldtimer-Szene. Zum zweiten Mal findet auf dem Gelände der Messe Luzern die «Swiss Classic World» statt. Die Fach- und Publikumsmesse lockt mit über 150 Ausstellern, einer Sonderschau und einem vielseitigen Programm rund um das Thema Oldtimer.

Birrer hat dennoch eine Ahnung, von was er spricht, wenn er von den faszinierenden Fahrzeugen und ihren Geschichten erzählt. «Das, was man gerne tut, macht man gut.» Die langjährige Erfahrung spürt man. «Fachwissen kann man sich aneignen, Leidenschaft nicht.» 

Trotzdem brauche man für die meisten handwerklichen Arbeiten ausgewiesene Fachleute, räumt Birrer ein. Denn auch René Mächler, sein «Freund und Geschäftspartner», komme aus einer autofremden Branche.

«Vieles läuft über Beziehungen»

«Die Arbeiten an den teils wertvollen Fahrzeugen sind sehr anspruchsvoll», erklärt Birrer und öffnet die Motorhaube des alten Triumph TR3. «Der Motor wurde komplett überholt.» Dazu habe man die ganze Antriebseinheit in ihre Einzelteile zerlegt, repariert oder ausgewechselt und alles wieder zusammengebaut, sagt Birrer. Auch Chassis, Carosserie, Technik, Beleuchtung, Innenausstattung – überhaupt sei das ganze Fahrzeug einer umfassenden Totalrevision unterzogen worden. «Der ist so gut wie neu.»

«Da steckt viel Geld und Zeit drin.»

Der schnittige Zweisitzer aus englischer Produktion habe denn auch seinen Preis, sagt Birrer. «Der bewegt sich in diesem speziellen Fall im höheren fünfstelligen Bereich und ist Verhandlungssache». Dann wird er noch präziser: «Unter 75’000 Franken geben wir den nicht weg.» Zuviel Aufwand und Mühe habe man in dieses Fahrzeug investiert. Dabei sei das nicht mal geplant gewesen, erwähnt Birrer. «Wir haben das Fahrzeug damals einfach an Lager genommen, weil es uns so gefallen hat.» Nach und nach habe man den Roadster anschliessend restauriert. «Da steckt viel Geld und Zeit drin.»

Reparaturen und Restaurierungen sind das Kerngeschäft des Unternehmens, genauso wie der reine Handel und die Vermietung. Als «Classic Car Center» wolle man bewusst die ganze Palette anbieten, so Birrer. Dazu gehören auch Expertisen, Veranstaltungen und das Vermittlergeschäft. Letzteres werde immer wichtiger, betont der Kenner.

Szene hat Zukunftssorgen 

 «Die Kundschaft ist in der Regel sehr anspruchsvoll und weiss genau, was sie will.» Auf der anderen Seite gebe es immer weniger Leute, die sich mit alten Fahrzeugen auskennen würden, so Birrer. «Freude alleine reicht da nicht.» Sorge mache ihm als «Oldtimer» vor allem die Tatsache, dass das Wissen der kommenden Generation von Autofachleuten in diesem Geschäft grösstenteils nutzlos sei. «Wir haben heute schon Mühe, brauchbare Mechaniker zu finden.» Deshalb sei der Markt bisweilen etwas kompliziert, folgert Birrer. «Vieles läuft über Beziehungen.»

Über Zahlen spricht man in der Oldtimer-Branche nicht gerne. «Die Szene ist, obwohl sie in den letzten Jahren stark zugenommen hat, nach wie vor überschaubar», erklärt Birrer. Und es werde immer wieder mal geblufft. «Das Autogeschäft ist halt generell ein hartes Pflaster.» Man schaue aber schon, dass man gut über die Runden komme.

«Ich arbeite heute mehr als vor meiner Pensionierung.»

Birrer macht keinen Hehl daraus, dass Fronarbeit und Überstunden an der Tagesordnung sind. «Ich arbeite heute mehr als vor meiner Pensionierung.» Dennoch habe er noch nie so viel Freude an der Arbeit gehabt, wie jetzt. «Die Leidenschaft kommt halt noch immer zuerst – vor dem Business».

Der Rentner im Unruhestand macht halt vor einem Rennwagen. Der tschechische Aero 30 Special Sport mit Baujahr 1938 sei sehr selten, erklärt Birrer mit leuchtenden Augen. «Davon wurden lediglich 18 Exemplare hergestellt.» Er fährt mit seiner Hand sachte über den leuchtend orangen Flitzer, betätigt hier einen Hebel, kippt da einen Schalter. Und plötzlich heult der Zweitaktmotor mit drei Zylindern auf. Das sei eben noch Technik zum Anfassen, schwärmt Birrer und trauert etwas den alten Zeiten nach. «Früher, als die Autos noch eine Seele hatten.» 

Aktive Zentralschweizer Szene

Oldtimer sind auf den Zentralschweizer Strassen häufig anzutreffen. Die regionale Szene ist denn auch sehr aktiv. Regelmässig finden Treffen statt, die sich nebst Kennern auch an ein interessiertes Publikum wenden.

Immer am ersten Sonntag des Monats, von März bis September, treffen sich die Liebhaber alter Fahrzeuge auf dem Stierenmarkt-Areal in Zug zum «Oldtimer Sunday Morning Treffen».

Jedes Jahr pilgern am Pfingstwochenende hunderte Enthusiasten mit ihren automobilen Preziosen an das traditionelle Oldtimertreffen in Sarnen. Der Anlass lockt jeweils Tausende von Schaulustigen in den Obwaldner Hauptort. 

Mehr Bilder von Oldtimern finden Sie in unserer Slideshow:

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