«Alles andere als der Abschuss des Wolfs fand in der Vorlage keinen Platz»
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Alles dreht sich um den Wolf: Andere schützenswerte Tiere werden in der Vorlage kaum beachtet, so die Gegner des neuen Gesetzes. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Gegner des revidierten Jagdgesetzes «Alles andere als der Abschuss des Wolfs fand in der Vorlage keinen Platz»

2 min Lesezeit 25.08.2020, 15:49 Uhr

Am 27. September entscheidet die Schweizer Stimmbevölkerung über das revidierte Jagdgesetz. Im Kanton Luzern setzt sich eine breite Allianz für ein Nein ein. Sie beschreibt die Revision als «Feldzug gegen geschützte Arten».

Am Anfang war der Wolf. Die neue Gesetzesvorlage zur Anpassung des Jagdgesetzes entstand aus dem Gedanken heraus, den Umgang mit dem Wolf neu zu regeln. «Statt den Umgang mit dem Wolf pragmatisch zu regeln, gefährdet das neue Gesetz den Artenschutz in der Schweiz», schreibt nun das Luzerner Nein-Komitee in einer Medienmitteilung. Es besteht aus einer Allianz aus CVP, SP, Grünliberalen, Grünen, Vertretern der Forst- und Landwirtschaft, der Jagd und den Naturschutzverbänden.

Künftig könnte auch der Höckerschwan und vielleicht bald der Biber, Luchs, Graureiher oder Gänsesäger leichter gejagt werden, fürchtet das Komitee. «Mit dem neuen Gesetz müssten keine präventiven Schutzmassnahmen wie Herdenschutz mehr getroffen werden, bevor Tiere getötet werden dürfen.» Selbst in Wildschutzgebieten könnte geschützten Arten nachgestellt werden.

Feldhase würde jagdbar bleiben

Das Komitee bedauert, dass der Konflikt mit dem Wolf nun dazu führen könnte, dass der Schutz vieler Arten gelockert würde – auch jener von geschützten Arten.

Dem pflichtet der Luzerner Jäger Pascal Ludin bei, der selbst auch Teil des nationalen Komitees «Jäger für den Artenschutz» ist: «Es ist unverständlich, dass auch der Feldhase, obschon er auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, weiterhin jagdbar bleiben soll. Den Hasen unter Schutz zu stellen wäre ein klares Zeichen zugunsten des Artenschutzes gewesen.» Stattdessen sollen seltene Tierarten wie eben der Feld- oder auch der Schneehase, das Birkhuhn, der Haubentaucher oder das Schneehuhn weiterhin jagdbar bleiben.

Wolf und Luchs reduzieren auch Huftierbestand

Auch der ehemalige CVP-Ständerat Konrad Graber stellt sich gegen die Vorlage. «Alles andere als der Abschuss des Wolfs fand in der Vorlage keinen Platz. Diese endete deshalb am Schluss der Beratungen sehr einseitig und nicht mehr in Übereinstimmung mit dem ursprünglich erteilten Auftrag», sagte er nach der Schlussabstimmung im vergangenen Herbst.

Kritisiert wird vom Komitee auch die Zunahme von Huftieren wie Rehen. Diese würden eine Waldverjüngung stark gefährden. Schon heute müssten Försterinnen Jungbäume mit teuren Schutzmassnahmen vor übermässigem Wildverbiss schützen – etwa mit Plastikhüllen, Gittern oder Zäunen. «Wolf und Luchs reduzieren einerseits die Schalenwildbestände und verhindern andererseits durch ihre Präsenz grössere Konzentrationen. Der positive Einfluss auf die Waldverjüngung ist augenfällig», erklärt Forstingenieur Silvio Covi.

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