Alle wollten an die Sonne: Postauto musste an Neujahrstagen Gäste stehenlassen
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Wegen des Verkehrsaufkommens wurde die Zufahrt von Kriens ins Eigenthal für Autos am 1. Januar zeitweise gesperrt. (Bild: zvg/Postauto)

Grosser Andrang auf die Berge Alle wollten an die Sonne: Postauto musste an Neujahrstagen Gäste stehenlassen

5 min Lesezeit 2 Kommentare 03.01.2020, 17:08 Uhr

Wer dem Nebel entfliehen wollte, musste über die Festtage in die Höhe. Und war damit nicht alleine: Im Eigenthal und auf der Rigi musste die Zufahrt für Privatautos vorübergehend gesperrt werden. Auch Buspassagiere kamen bisweilen nicht an ihr Ziel – was für Frust sorgte.

Unten grau, oben blau: Das Wetter der letzten Tage hat weite Teile der Bevölkerung in die Höhe gelockt. Dem Nebel entkommen wollten so viele, dass die Lust auf Sonne mancherorts in Ärger umschlug.

«Unsere Fahrerinnen und Fahrer sind teilweise von Gästen arg beschimpft worden», berichtet Katharina Merkle von der Postauto AG, welche die Linien 71 und 221 ins Eigenthal betreibt. Weswegen die Frustration? Weil der Ansturm derart gross war, konnten die Chauffeure nicht alle Passagiere mitnehmen.

Denn das Gebiet am Fusse des Pilatus war besonders am 1. und 2. Januar ein äusserst beliebtes Ausflugsziel. «Wir haben pro Kurs mehrere Zusatzwagen eingesetzt. Teilweise haben wir bis zu 400 Personen pro Stunde befördert», sagt Merkle. Definitive Passagierzahlen lägen noch keine vor, der Ansturm sei allerdings enorm gewesen. Entsprechend wurde aufgerüstet. «Wir haben alle zusätzlichen Fahrzeuge aufgetrieben, die möglich waren», sagt Merkle. «Die Garage war leer.» Sogar ein dreiachsiger Megabus mit 120 Plätzen stand ausnahmsweise im Eigenthal im Einsatz. 

«Unsere Fahrzeuge waren teilweise schon in Kriens voll besetzt.»

Katharina Merkle, Postauto AG

Trotzdem mussten die Postautofahrer einige Passagiere an den Haltestellen unterwegs zurücklassen. «Unsere Fahrzeuge waren teilweise schon in Kriens voll besetzt und konnten keine weiteren Gäste aufnehmen», begründet Merkle. Anfänglich hätten die Fahrer noch angehalten und die Wartenden informiert. Doch da sei eben auch manches böse Wort gefallen. Für weitere Aggressionen sorgte laut Merkle, dass Megabusse keine Velos transportieren können.

Die Postauto AG setzte Anfang Jahr etliche Zusatzfahrzeuge ein.

«Wir verstehen den Ärger und die Enttäuschung der Passagiere sehr gut», sagt die Postauto-Sprecherin. «Doch solche Beschimpfungen sind unangebracht. Denn die Fahrer und Postauto können nichts dafür, wir haben alles gegeben, um möglichst viele Fahrgäste an die Sonne zu bringen. Die  Strasse ist schlicht nicht für ein solches Verkehrsaufkommen gebaut worden.»

Autos parkieren wild

Viele Ausflügler waren zudem mit ihrem eigenen Auto unterwegs. Die Postautos wurden auf der ohnehin engen und kurvenreichen Strasse teilweise von umkehrenden und wild parkierten Autos blockiert. Die Luzerner Polizei musste die Zufahrt von Kriens ins Eigenthal am ersten Tag des Jahres daher vorübergehend sperren, weil die Postautos im Verkehr steckenblieben.

«Am 1. Januar haben wir eine Meldung erhalten, dass die Strecke sehr glitschig und gefroren war», sagt Sprecher Simon Kopp. Zudem hätten viele Autofahrer ihre Autos beim Holderkäppeli so parkiert, dass das Postauto kaum mehr durchfahren konnte. Alle Parkplätze waren belegt. Während rund zweieinhalb Stunden wurde der Verkehr daher über Malters umgeleitet.

«Die Tafeln hatten noch nicht die gewünschte Wirkung. Erst, als die Polizei physisch vor Ort war, konnten die Postautos wieder besser zirkulieren», berichtet Katharina Merkle. Gemäss ihren Aussagen hat das Verkehrsaufkommen Richtung Eigenthal im Vergleich zum Vorjahr nochmals zugenommen. «Nebst dem Wetter war wohl auch entscheidend, dass die Festtage dieses Jahr günstig lagen.» Da sie nicht auf die Wochenenden fielen, hatten Arbeitstätige dieses Jahr viel Freizeit.

Auch Richtung Rigi mussten einige umkehren

Nicht nur im Eigenthal war der Andrang gross. Auch beim Zugerberg waren die Parkplätze an den beiden Neujahrstagen bereits in den Morgenstunden besetzt (zentralplus berichtete). Ein ähnliches Bild zeigte sich am Fusse der Rigi. Dort mussten einige Autofahrer auf dem Weg in die Höhe ebenfalls kehrtmachen.

Die Strasse von Küssnacht auf die Seebodenalp war gemäss Augenzeugen wegen des grossen Verkehrsaufkommens zeitweise gesperrt. Sowohl am 1. als auch am 2. Januar musste die lokale Feuerwehr den Verkehr am Nachmittag regeln, bis sich die Situation entschärfte. Auch die Parkplätze in Weggis, Goldau und Vitznau kamen ans Limit.

Die Königin der Berge wird ihrem Namen gerecht: Blick vom Holderkäppeli im Eigenthal auf die Rigi.

Die Rigibahnen verzeichneten zirka 20 Prozent mehr Besucher als in derselben Periode im Vorjahr. «Vom 23. Dezember bis 2. Januar zählten wir insgesamt rund 50’000 Gäste», sagt Marcel Waldis, CEO ad interim. Am stärksten war der 2. Januar, dicht gefolgt vom 29. Dezember, wo jeweils über 8’000 Leute auf dem Berg waren. Und das, obwohl auf der Rigi wegen des fehlenden Schnees derzeit weder Ski- noch Schlittelpisten offen sind.

Auch auf den Pilatus drängten über die Festtage tausende Gäste. «Wir zählten in den Spitzentagen vom 26. Dezember bis 2. Januar täglich um die 4’000 Besucher am Berg beziehungsweise 3’000 auf dem Berg», sagt Godi Koch, CEO der Pilatusbahnen. Die beiden Hotels auf dem Pilatus waren zwischen Weihnachten und Neujahr sogar ausgebucht. Entsprechend zufrieden sind die Verantwortlichen mit den Festtagen.

«Dafür konnten unsere Mitarbeiter der Gastronomie ausnahmeweise in aller Ruhe Weihnachten feiern.»

Godi Koch, CEO Pilatusbahnen

Wobei diese ganz und gar unerfreulich starteten: Wegen starken Westwinds und Sturm auf dem Gipfel ruhte der Bahnbetrieb zwischen dem 23. und 25. Dezember. «Dass wir unseren Gästen absagen mussten, war sehr unerfreulich«, sagt CEO Godi Koch. Doch er streicht den positiven Aspekt hervor: «Dafür konnten unsere Mitarbeiter der Gastronomie ausnahmeweise in aller Ruhe Weihnachten feiern.» 

Der beste Tag für die Pilatusbahnen war der 29. Dezember. Die Höchstmarke wurde zwar nicht geknackt, da der Pilatus im Sommer Hauptsaison hat und die Zahnradbahn von Alpnachstad aktuell nicht verkehrt. «Doch es war ein rekordverdächtiger Tag für den Winter», sagt Godi Koch.

Skifahrer brauchten teilweise Geduld

Am letzten Wochenende zog es auch viele auf die Skipisten. Sowohl das Skigebiet Titlis/Engelberg als auch jenes in Andermatt/Sedrun berichteten von neuen Besucherrekorden. Die Skifahrer brauchten teilweise einiges an Geduld, gerade in Engelberg, wo nebst den Schneesportlern auch viele Touristen auf den Gipfel wollten.

«Wir sind mit den Besucherzahlen über die Festtage sehr zufrieden.»

René Koller, Direktor Bergbahnen Sörenberg AG

Ein Rekord ist im Sörenberg zwar ausgeblieben. Wegen Schneemangel konnten nicht alle Pisten geöffnet werden. Trotzdem sagt René Koller, Direktor der Bergbahnen: «Wir sind mit den Besucherzahlen über die Festtage sehr zufrieden.» Diese liegen 12 Prozent und damit deutlich über den Werten des Vorjahres.

Der 2. Januar sei mit knapp 8’000 Gästen der besucherstärkste Tag der noch jungen Wintersaison gewesen. Um Wartezeiten zu vermeiden, fuhren die Postautos und der Skibus alle 15 Minuten statt wie üblich halbstündlich. «Auffallend war, dass die Gäste sehr entspannt waren und einfach das tolle Wetter und die guten Bedingungen genossen», freut sich René Koller.

Das Nebelmeer hing in den letzten Tagen stets über Luzern, hier mit Blick vom Pilatus:

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2 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 07.01.2020, 11:22 Uhr

    Postautokonvoi ahoi! Hoffen wir, dass die Gewinne diesmal korrekt verbucht werden. Nicht, dass wieder Subventionsbetrug in den Fokus rückt!

  2. Erich Kneubühler, 03.01.2020, 21:56 Uhr

    Möchte nur anfügen, dass wir am 2. Januar auf Klewenalp beim Snöben den ganzen Tag nirgends anstehen mussten, auch beim 4-er Sessellift Chālen nicht. Dies hat mich doch recht erstaunt, offenbar wurde der Einheimischen Rabatt gestrichen.

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