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Alle wollen ein Erinnerungsstück aus dem Hotel Palace
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Wer fündig geworden ist, muss anstehen: Die Schlange vor der Kasse.   (Bild: jal)

Luzerner Luxushotel verscherbelt sein Tafelsilber Alle wollen ein Erinnerungsstück aus dem Hotel Palace

4 min Lesezeit 26.01.2018, 14:00 Uhr

Das Hotel Palace verhökert sein Interieur – und halb Luzern kommt. Das Fünf-Sterne-Haus ist am Freitag überrannt worden. Hunderte Luzerner und Auswärtige wollten einen Sessel, eine Lampe oder ein Fischmesser ergattern – sodass bereits nach wenigen Minuten die Türen wieder geschlossen werden mussten.

Übernachtet und gespiesen wird im Luxuspalast seit November nicht mehr – auf das Haus wartet ein Facelifting für 100 Millionen Franken. Doch bevor es mit der Sanierung losgeht, wird richtig ausgemistet: Am Freitag startete der dreitägige Verkauf des Hotelinventars.

Bereits vor 10 Uhr hat sich am Quai eine Menschentraube versammelt. Geduldig harren die Leute aus, bis die Türen aufgehen. Viele Luzerner, aber auch Menschen aus der Westschweiz oder vereinzelt internationale Touristen. «Wir haben viele Leute erwartet, aber nicht bereits um 10 Uhr so viele», sagt Elisabeth Wallimann, Marketingleiterin der Han’s Group in der Schweiz, dem Konzern des Palace-Besitzers Yunfeng Gao.

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Bevor es losgeht, werden die Spielregeln erklärt. Jeder erhält einen Zimmerplan. Wer etwas kaufen will, meldet es einem der 15 Mitarbeiter. Bezahlt wird sofort, abgeholt werden müssen die Gegenstände bis am Sonntagabend.

Souvenir aus dem Luxushotel

Und dann geht es los: Gesittet stehen die Menschen Schlange, um sich links und rechts vom Eingang einen Zettel in die Hand drücken zu lassen. Da werden weder Ellbögen ausgefahren noch Sprints hingelegt.

In den noblen Sälen türmen sich die Stühle und Sessel. Nebenan geht es weiter mit Sofas und Lounge-Möbeln, im hinteren Teil warten Schreib- und Sofatische, auf der Gegenseite Porzellan, Fischbesteck und Lampenschirme auf ihre Besitzer. Hier ein Sessel für 50 Franken, da ein altes Klavier für 10 (!) Franken, drüben eine antik anmutende Kommode für 120 Franken. In elf verschiedenen Räumen ist das Material verteilt; alles in allem mehrere Tausend Einzelstücke.

Philippe Ugolini hat ein Bild ergattert statt Silberbesteck.

Philippe Ugolini hat ein Bild ergattert statt Silberbesteck.

(Bild: jal)

Zu den ersten Interessierten im Palace gehört auch Philippe Ugolini. Der junge Luzerner hoffte eigentlich, Silberbesteck zu finden – vergeblich. «Nun streife ich gespannt durch die weiteren Räumlichkeiten», sagt er, während er eine der zahlreichen Lampen begutachtet. Fündig wurde er trotzdem. Ein Bild hat es ihm angetan, und womöglich wird es nicht das letzte Souvenir sein, das er ergattert. «Ich wünsche mir etwas, wo das Palace-Logo ersichtlich ist.» Denn grundsätzlich findet er es sehr schade, dass das Hotel Palace all sein Inventar verhökert. «So geht viel Charme und Seele verloren.»

Bis Sonntag muss alles weg

Der Inventarverkauf im Hotel Palace dauert noch bis Sonntag. Die Türen stehen heute, morgen und am Sonntag jeweils zwischen 10 und 18 Uhr offen. Die Waren müssen direkt vor Ort bezahlt (bar oder mit Karte) und bis am Sonntagabend abgeholt werden.

Das dürfte der chinesische Hotelbesitzer Yunfeng Gao wohl anders sehen. Er will das Traditionshaus für insgesamt rund 100 Millionen Franken umbauen. Deshalb bleibt das denkmalgeschützte Haus bis Herbst 2019 geschlossen (zentralplus berichtete). Und weil alle Zimmer neu eingerichtet und modernisiert werden, braucht es das alte Interieur nicht mehr.

«Geld verdienen werden wir mit dem Verkauf nicht», sagt Elisabeth Wallimann. Die Motivation sei viel mehr, die Stücke unter die Leute zu bringen, statt sie einzulagern. Der grosse Ansturm zeigt, dass dies gut ankommt. «Viele Leute haben Freude, dass sie ein Schnäppchen gefunden haben.»

Schon bald prangen rote «Verkauft»-Kleber auf manchen Stücken, dem Flügel etwa. Und bereits nach wenigen Minuten ist auf den Gängen kein Durchkommen mehr. Die Schnäppchenjäger stauen sich im Luxushotel. Und so kommt es, dass die Verantwortlichen bereits um 10.20 Uhr die Türen schliessen lassen. Zu gross ist das Gedränge, zu viele Leute schwirren durch die grosszügigen Räume, die sich an diesem Morgen in enge Schläuche verwandeln.

Bleibt nach dem Ansturm vom Freitag überhaupt noch was übrig fürs Wochenende?

 

Manche machen ihrem Ärger über die Warteschlangen und fehlende Bedienung Dampf. Auch Annemarie Röthlin ist auf der Suche nach einer der 15 Mitarbeitenden. «Es ist ziemlich chaotisch und nicht sehr gut organisiert», sagt die Frau aus Adligenswil. Denn eigentlich hat sie ihr Lieblingsstück bereits gefunden. Genauer: ihre zwei blauen Sessel für die Stube zu Hause. «Ich suche schon länger genau so etwas, ich habe einen kleinen Blautick.»

Annemarie Röthlin aus Adligenswil hat zwei Sessel gefunden.

Annemarie Röthlin aus Adligenswil hat zwei Sessel gefunden.

(Bild: jal)

Endlich kommt die Mitarbeiterin, jedoch – kleiner Schock – mit einer Kundin im Schlepptau, die genau ihre Sessel will. Röthlin einigt sich mit ihr darauf, dass jede von ihnen zwei der insgesamt vier Stücke erhält.

Die Verantwortlichen können die mancherorts geäusserte Kritik nur teilweise nachvollziehen. «Es ist gut organisiert und die Wartezeiten sind zumutbar», entgegnet Marketingleiterin Elisabeth Wallimann. «Aber auch mit 20 oder 30 Mitarbeitern hätten wir diesen riesigen Ansturm um 10 Uhr gehabt.» Tatsächlich leeren sich viele Säle bereits vor dem Mittag wieder – auch, weil bereits etliche Möbelstücke ein neues Zuhause gefunden haben.

Mehr Eindrücke vom Start des Inventarverkaufs:

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