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Alle Kinder sollen ein gutes Schulklima bekommen
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Schulsozialarbeiter kümmern sich unter anderem um Kinder, die gemobbt werden. (Bild: ©iStockphoto.com/chrisboy2004 )

Zug Alle Kinder sollen ein gutes Schulklima bekommen

4 min Lesezeit 4 Kommentare 28.01.2013, 16:30 Uhr

In der Stadt Zug hat jeder Kindergärtler und jedes Schulkind, jeder Lehrer und jedes Elternteil Zugang zu einem Sozialarbeiter. Das ist für einige Politiker zu viel des Guten. Sie möchten das Angebot am liebsten wieder zusammenstreichen.

Sozialarbeiter, die über die Pausenhöfe von Schulen wachen, Sozialarbeiter, die Kinder an Kindergärten beobachten – eine ungewohnte Vorstellung für viele Leute. Das gängige Klischee: Der Sozialarbeiter beschäftigt sich landläufig mit Drogensüchtigen und schwierigen Jugendlichen – mit Leuten vom Rand, nicht aus der Mitte der Gesellschaft. Dabei ist bei der Schulsozialarbeit durchaus ein x-beliebiger Viertklässler, der einen älteren Schüler über den Schulhof jagt um ihm Saures zu geben, ein möglicher Kunde.

Ja mit Vorbehalt

Sozialarbeit an Schulen gibt es seit den 1990er Jahren. In der Stadt Zug sind Sozialarbeiter seit 2001 am Werk. Erst an der Oberstufe und an zwei Primarschulen, wo viele Kinder mit Migrationshintergrund oder aus sozial schwächeren Schichten zu finden sind, seit 2011 flächendeckend an alle Schulen und Kindergärten.

Die Einführung war politisch nicht unwidersprochen: Zwar lehnte im Zuger Stadtparlament nur die SVP die zusätzlichen Mittel und Stellenprozente ab, aber klar dafür waren nur die Linken. FDP und CVP sagten zwar ja, aber äussersten auch Unbehagen. 2014 will die Stadtregierung einen Bericht über die flächendeckende Schulsozialarbeit vorlegen, dann behält sich die FDP vor, die Schulsozialarbeit in Frage zu stellen.

Entlastung für Lehrer

Das Thema ist also heikel und Missverständnisse unerwünscht. Vielleicht müssen Journalistenfragen deswegen dem Leiter des Sozialamts schriftlich vorgelegt werden. Markus Jans ist ein erfahrener Mann und als Fraktionschef der Sozialdemokraten im Zuger Kantonsrat mit politischem Fingerspitzengefühl ausgestattet. Er zieht bezüglich der flächendeckenden Einführung der Schulsozialarbeit in Zug eine positive Zwischenbilanz: «Aus Sicht der Schulsozialarbeit und aufgrund der zahlreichen Rückmeldungen hat sich die Ausweitung auf jeden Fall gelohnt.» Grundsätzlich käme von Schülern, Eltern und Lehrern die Rückmeldung, «dass die Schulsozialarbeit bei sozialen Fragestellungen unterstützend und auch entlastend wirkt». Dadurch könne sich der Lehrkörper besser um seinen pädagogischen Auftrag kümmern.

Nachhilfe für Erzieher

Mehrheitlich sind die Sozialarbeiter mit Beratungsgesprächen beschäftigt. «Die Themen reichten von Beziehungsfragen unter Freundinnen oder Freunden, untragbarem Sozialverhalten über Ausgrenzung von Mitschülern bis zu schwierigen familiären Situationen, wie zum Beispiel der Vernachlässigung der elterlichen Sorge», schreibt Jans. Daneben hat eine Elternveranstaltung zum Thema «Grenzen setzen» ein grosses Bedürfnis befriedigt und ein Konflikttraining für Buben stiess auf grosses Interesse.

Aufklärung für Jugendliche

Die Sozialarbeiter bearbeiten neben einfache Themen schwierige Lebenssituationen, für die weitere Fachstellen einbezogen werden. «Neben der Beratung zeigt sich, dass an den Schulen ein grosser Bedarf an Früherkennungs- und Präventionsarbeit besteht – beispielsweise haben die sozialen Medien einen enormen Einfluss aufs Verhalten von Jugendlichen», so Jans. Hier bestehe Aufklärungsbedarf für Jugendliche und Eltern. Im vergangenen Jahr haben die Sozialarbeiter zusammen mit den Lehrern dazu eine Projektwoche an der Oberstufe durchgeführt.

Hilfe für viele

2012 unterstützte die Schulsozialarbeit gemäss Markus Jans etwa jedes vierte Stadtzuger Schulkind bei persönlichen oder sozialen Problemen. Offensichtlich ist der Anteil der betreuten Schüler auch mit dem Einbezug der übrigen Primarschulen gleich geblieben, da 2009 in den problematischen Schulhäusern Herti und Guthirt bereits 134 von 580 Kinder das Angebot der Schulsozialarbeit genutzt hatten.

Grundsätzlich ermöglichten die zusätzlichen Stellenprozente die festgelegten Hauptaufgaben zu erfüllen, schreibt Jans.

An sich unstrittig

Welche Aufgaben die Sozialarbeiter, welche die Lehrer und welche die Eltern wahrnehmen sollen, wird auch künftig umstritten sein. Nicht aber die Schulsozialarbeit an sich, die mittlerweile in allen Zuger Gemeinden in irgendeiner Form angeboten wird. Nicht einmal die SVP, die gegen die Ausweitung der Schulsozialarbeit in der Stadt Zug war und sogar das Referendum ergreifen wollte, ist grundsätzlich dagegen. «Dass sich Sozialarbeiter vom Sozialamt auch um die Schulen kümmern, dagegen habe ich nichts», sagt Bruno Zimmermann, der für die Volkspartei im Stadtparlament sitzt und Mitglied der Schulkommission ist.

«Zu stark ausgebaut»

Allerdings ist man bei der SVP der Auffassung, dass vieles, was die Schulsozialarbeit erledigen will, eigentlich Aufgabe von Lehrern und Eltern ist. Konfliktbewältigung sei Teil des Unterrichts, sagt Zimmermann, Erziehung Sache der Eltern. «Die Schulsozialarbeit ist zu stark ausgebaut worden», meint Zimmermann, der direkte Nutzen manchmal «schwer nachvollziehbar». Die SVP, verspricht er, werde die Entwicklung «kritisch hinterfragen». Die Bildungsausgaben seien in jüngerer Zeit überproportional angestiegen, während die zur Verfügung stehenden Gelder knapp würden.

Weil mit weniger Steuereinnahmen gerechnet wird, hat das Zuger Stadtparlament das Budget für 2013 um 3,5 Millionen Franken gekürzt. «Da liegt es doch auf der Hand, dass man in Zukunft auch im Bereich der Schulsozialarbeit über Sparmassnahmen nachdenkt», sagt Zimmermann. Auch Praktiker werden sich daran gewöhnen müssen: So normal der Sozialarbeiter an Schulen auch geworden ist, der Streit um seine Notwendigkeit ist noch lange nicht beendet.

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4 Kommentare
  1. Marcel Peter, 30.01.2013, 12:20 Uhr

    So so bei der Bildung wird also immer gespart..? Wann bittesehr wurde da gespart?
    Nur zur Erinnerung ein weniger schnelles Wachstum der Ausgaben ist nicht sparen. Es gibt 3 Kostenpunkte mit exorbitantem Wachstum: Gesundheit, Bildung, soziale Sicherheit…

    Beim lesen des Textes wird man erstaunt sein wie man selbst überleben konnte ohne diese Vielzahl von Betreuern die überall auf einen aufpassen, so ganz allein nur mit dem Lehrer/der Lehrerin…

    Genauso wie ein Versicherungsverkäufer aus dem Stehgreif erklären kann warum man unbedingt eine XY-Versicherung benötigt, wird auch ein Sozialtherapeut, Psychologe, oder ähnliche staatlich engagierte Beamte ein Grund finden warum es ihn braucht und seiner Tätigkeit bisher zu wenig beachtung und Geld geschenkt wurde. Daran ist auch nichts auszusetzen, man möchte ja auch von etwas leben, aber der Steuerzahler sollte sich überlegen wiso das von jahrzehnten klappen konnte ohne all diese nicht ganz günstigen Stellen und dann beurteilen welchen Luxus der Staat offerieren soll…

  2. Othmar Buchs, 29.01.2013, 10:39 Uhr

    Wünscht wirklich jemand Missverständnisse?

  3. Angela Fischer, 29.01.2013, 10:14 Uhr

    Wir sind ein Land ohne Rohstoffe. Das einzige, das uns zu wirtschaftlichem Erfolg verhilft sind unsere Kinder, die durch eine gute Erziehung und Bildung dereinst wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft werden und an der wirtschaftlichen Wertschöpfung einen grossen Beitrag leisten.
    Obwohl dies eigentlich auch den Politikern klar sein müsste, wird ständig an sozialen Leistungen und der Bildung gespart. Sehen denn diese Leute nicht, dass sie sich damit ins eigene Fleisch schneiden?

  4. Stefan Gisler, 28.01.2013, 17:13 Uhr

    Die Schulsozialarbeit ist eine bewährte und wichtige Stütze für Eltern, Lehrpersonen und letztlich für die Kinder. Kürzungen hier würden eine grosse Mehrbelastung für die Schulen sowie potenziell mehr Nachfolgeprobleme mit/für Jugendliche nach sich ziehen. Die Stadt Zug hat in den letzten Jahren den Steuerfuss von 70 auf 60% gesenkt und erlitt durch zusätzliche kantonale Steuersenkungen ebenfalls Einnahmeverluste. Nun soll auf dem Buckel der Kinder gespart werden? Das ist unangebracht!

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