Alex Carbonell ist das Herz des neuen FCL
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Hebt das Aufbauspiel der Luzerner auf ein höheres Level: FCL-Neuzugang Alex Carbonell (links St. Gallens Victor Ruiz). (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Denker und Lenker im zentralen Mittelfeld Alex Carbonell ist das Herz des neuen FCL

4 min Lesezeit 23.10.2020, 17:34 Uhr

FCL-Trainer Fabio Celestini will seine Mannschaft von hinten heraus gepflegten und vertikalen Fussball spielen lassen. Dabei kommt Alex Carbonell eine entscheidende Rolle zu: Der frühere Nachwuchsspieler des FC Barcelona hebt das Aufbauspiel der Luzerner auf ein höheres Level.

Es mag das fussballerische Understatement eines FCL-Spielers in diesem Jahr sein. Sie sei gut gewesen, seine Leistung beim 2:2 gegen St. Gallen, sagt Alex Carbonell.

Dazu muss man wissen: Es war sein erster Auftritt im Dress der Luzerner. Mit neuen Mitspielern, die er nach einer mehrtägigen Quarantäne nur von ein paar Trainings her kannte. Darum hätte Carbonell auch sagen können, er habe stark gespielt (zentralplus berichtete).

Stattdessen merkte der 23-jährige Katalane seiner eigenen Leistungsbeurteilung an: «Am Ende war ich schon etwas müde, denn seit März und dem Abbruch der Meisterschaft in Holland bestritt ich keinen Ernstkampf mehr.»

Ehre und grossartige Erinnerung

Alex Carbonell ist kein Aufschneider. Und falls Anlagen dazu in seiner Persönlichkeitsstruktur angelegt gewesen wären, so sind sie ihm spätestens in «La Masia» abgewöhnt worden. La Masia ist die Fussball-Akademie des FC Barcelona und wahrscheinlich die berühmteste der Welt.

«Sie lernen dich nicht nur Fussball spielen. Sie fokussieren sich auch darauf, dir Werte für dein Leben mitzugeben.»

FCL-Mittelfeldspieler Alex Carbonell

Mit sechs Jahren wird er dort aufgenommen, und im Rückblick sagt er: «Sie lernen dich nicht nur Fussball spielen. Sie fokussieren sich auch darauf, dir Werte für dein Leben mitzugeben. Dazu zählen Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft – und mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen.»

Der zentrale Mittelfeldspieler hat den Durchbruch beim FC Barcelona nicht geschafft. Wie so viele vor ihm und nach ihm auch nicht. Carbonell sagt, dass die Zeit mit Trainings, ein paar Freundschaftsspielen und einem Cup-Spiel im Kreise der Superstars wie Lionel Messi eine Ehre und eine grossartige Erinnerung gewesen sei.

Was er sich von Celestini erhofft

Seitdem spürt er in seinem Innern aber auch: Er hat die Ausbildung und die Anlagen, um zumindest eine schöne Karriere machen zu können. Carbonell, ein wacher Geist, bemerkt, dass es Fussballer gebe, die schon um die 20 ihr bestes Level erreichten. «Und andere, die mehr Zeit dafür brauchen.»

«Läuft es meiner Mannschaft gut, dann profitiere ich als Teil davon auch. Einen anderen Weg gibt es nicht.»

Deshalb sieht er sich in einem Reifeprozess. Carbonell will, ohne es explizit zu sagen, seiner Karriere neuen Schwung verleihen. In Spanien wäre seine sportliche Zukunft nicht in der höchsten Spielklasse gelegen. Deshalb versucht er, sich übers Ausland für höhere Aufgaben zu empfehlen.

Er weiss: «Läuft es meiner Mannschaft gut, dann profitiere ich als Teil davon auch. Einen anderen Weg gibt es nicht.»

Jetzt also ist er in Luzern aufgeschlagen. Dass es so weit gekommen ist, liege vor allem am FCL-Trainer, der selber viele Jahre in Spanien gespielt hat, und dessen Vorstellung von Fussball.

Carbonell erzählt, dass Fabio Celestini mit dem Team Deutsch und mit ihm Spanisch spreche. Das helfe ihm bei der Integration. «Zudem hat er in seiner Aktivzeit die gleiche Position gespielt wie ich selber. Er kann mir darum viel beibringen, um mich zu verbessern.»

FCL: Fünf Pässe bis zum Abschluss

Vor allem ist Alex Carbonell dazu vorgesehen, zur neuen Schaltzentrale des in einer fussballerischen Transformation befindlichen FCL zu werden. Das Herz der Mannschaft.

Fabio Celestini verlangt von seinem Team einen gepflegten Spielaufbau von hinten heraus und einen vertikalen Angriffsfussball. «Nach fünf Pässen muss sich unsere Abschlussposition abzeichnen», verlangt der Cheftrainer.

«Meine grösste Stärke ist der Ballbesitz-Fussball mit hoher Intensität und Konzentration.»

Und für diese schnörkellose Philosophie braucht er einen Denker und Lenker im Mittelfeld. Einen, der den rhythmischen Takt seiner Mannschaft bestimmt und mit einem klugen Pass das Offensivspiel lancieren kann.

Genau das entspricht Carbonell. Das sagt er selber: «Meine grösste Stärke ist der Ballbesitz-Fussball mit hoher Intensität und Konzentration.»

Von Celestinis Plan rückt keiner ab

Der Katalane bringt damit eine neue Qualität mit, wie sie im zentralen Mittelfeld der Luzerner bislang schlicht nicht verfügbar war. Von dem in die Türkei abgewanderten Idriz Voca kamen keine offensiven Impulse. Tsiy Ndenges Spiel basiert auf Wucht und Schnelligkeit und der noch entwicklungsfähige Jungspund Lorik Emini ist ein Abfangjäger und Ballverteiler.

Darum wird Carbonell das Aufbauspiel der Luzerner auf ein Level, das es in dieser Qualität schon lange Jahre nicht mehr gegeben hat, heben.

«Wir treten an, um zu siegen.»

Selbst wenn der FC Luzern nach vier Spielen und zwei Punkten noch immer auf den ersten Saisonsieg wartet – vom Plan, am Sonntag den dreifachen Meister YB mit spielerischen Mitteln schlagen zu können, rückt weder Trainer Fabio Celestini noch ein anderes Teammitglied ab.

Diese Mentalität scheint schon tief in Carbonell verankert zu sein. Er sagt: «Wir haben Respekt vor jedem Gegner, aber wir ändern unsere Mentalität nicht. Wir treten an, um zu siegen.»

Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen: Carbonell wird entscheidenden Einfluss auf das Gelingen dieses Unterfangens haben müssen. In Bern und anderswo.

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