Ärger über Verzögerung des Velowegs
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Andràs Özvegyi, Grossstadtrat der GLP, steht mit seinem Velo auf dem ehemaligen Trassee der Zentralbahn beim Neubad. (Bild: rob)

Zentralbahntrassee Luzern-Horw-Kriens Ärger über Verzögerung des Velowegs

5 min Lesezeit 20.04.2015, 18:03 Uhr

Dass der Veloweg auf dem ehemaligen Bahntrasse der Zentralbahn ein Jahr später fertig wird als geplant, passt den Grünliberalen gar nicht. Für sie ist klar, wer die Schuld trägt an dieser ärgerlichen Verzögerung.

Seit gut zwei Jahren liegt das ehemalige Trassee der Zentralbahn zwischen Steghof und Mattenhof brach. Nächstes Jahr sollte darauf ein Rad- und Gehweg eröffnet werden, der vom früheren Hallenbad bis zur S-Bahnhaltestelle Mattenhof führt. Ein Velo-Schlüsselprojekt, das von allen Seiten auf grosse Akzeptanz stösst: So hat der Grosse Stadtrat im November der Finanzierung von immerhin 4,8 Millionen Franken mit 45 zu 0 Stimmen zugestimmt.

Und dann dies: Anfang Monat hiess es plötzlich, dass es nun doch ein Jahr länger dauern wird. Grund ist die EWL (Energie Wasser Luzern), die unter dem Veloweg Leitungen für eine Fernwärmenetz aus Seewasser legen will.

Velofahrer müssen Bauernopfer bringen

Was die IG Velo Anfang Monat noch zähneknirschend gut hiess, passt den Grünliberalen nun ganz und gar nicht. In einem dringlichen Postulat fordern sie die «umgehende Realisierung des Fuss- und Radwegs» – ohne Rücksicht auf die Pläne der EWL. «Das Trassee liegt schon fast drei Jahre brach, nun werden es vier oder sogar noch mehr Jahre», sagt András Özvegyi, Grossstadtrat der GLP. «Mich stört, dass wieder einmal die Velofahrer ein Bauernopfer bringen müssen.» Dabei handle es sich um ein eigentliches Velo-Schlüsselprojekt, betont er weiter.

«Mich stört, dass wieder einmal die Velofahrer ein Bauernopfer erbringen müssen.»

Andràs Özvegyi, GLP

Warum erst so spät?

Wenig Verständnis hat man bei den Grünliberalen über das Vorgehen der EWL. Diese haben erst letzten Dezember bei der Stadt Interesse bekundet, Fernwärmeleitungen für Seewasser zu verlegen, mit denen aus dem Gebiet Tribschen Abwärme aus Seewasser in Richtung Luzern Süd transportiert werden könnte. Bis Ende Juni klärt das EWL ab, ob sie das Projekt tatsächlich realisieren wollen.

Auf dieser Grafik sieht man den Verlauf des zukünftigen Rad- und Gehwegs zwischen Steghof und Mattenhof.

Auf dieser Grafik sieht man den Verlauf des zukünftigen Rad- und Gehwegs zwischen Steghof und Mattenhof.

(Bild: zvg)

Die GLP versteht nicht, warum dies erst so spät erfolgte. «Dass dieses Bahntrassee frei wird, weiss man mindestens seit 2007», sagt Özvegyi. Der Stadtteil Luzern Süd, für den die Abwärme gedacht ist, sei seit sechs Jahren geplant, deshalb sei es unverständlich, dass man erst jetzt auf die Idee mit den Fernwärmeleitungen komme.

Stadt will keine weiteren Verzögerungen

Die EWL erklärt auf Anfrage, dass sie das Thema Seewassernutzung zusammen mit dem Richtplan Luzern Süd in Angriff genommen hat. «Das ist zwar zeitlich etwas ungünstig, war aber leider nicht anders möglich», sagt Pressesprecherin Nicole Reisinger. Man habe nicht primär geschaut, ob man das Trassee verwenden könne, sondern, ob man Seewasser zur Wärmegewinnung nutzen könne. «Erst dann kam die Idee mit dem Trassee.»

Dass die EWL relativ spät mit ihrem Anliegen auf die Stadt zukam, finden auch die städtischen Verantwortlichen. Da man aber das ökologische Projekt grundsätzlich gutheisst, wurde die zeitliche Verschiebung in Kauf genommen.

Allerdings will man nicht noch weitere Verzögerungen tolerieren. «Wir haben mit der EWL einen Vertrag abgeschlossen und sie darin verpflichtet, die Abklärungen voranzutreiben», sagt Martin Urwyler, Projektleiter Mobilität beim Tiefbauamt Stadt Luzern. Sagt die EWL bis Ende Juni zu, wird ein gemeinsames Projekt ausgearbeitet. «So können Synergien und damit Kosten gespart werden», so Urwyler weiter.

Zweimal aufreissen?

Dass Synergien genutzt werden, findet die GLP zwar grundsätzlich begrüssenswert. «Die Planung hätte aber viel früher erfolgen müssen», so Özvegyi. Riskiert die GLP mit ihrem Postulat nicht, dass das Trassee zweimal zur Baustelle wird und das Szenario eintritt, dass zuerst der Radweg gebaut wird, der später wieder aufgerissen werden muss, damit die Fernwärmeleitung gelegt werden kann? «Das wäre natürlich schade», gibt Özvegyi zu. Dennoch sei der Vorstoss der GLP berechtigt.

Dies insbesondere auch, weil sich durch das Fernwärmeprojekt die Realisierung des Radwegs noch weiter verschieben könnte. «Wenn sich herausstellt, dass mit dem Eingraben der Leitung in das Trassee eine Altlastensanierung vorgenommen werden muss, drohen weitere Verzögerungen», schreibt die GLP in ihrem Vorstoss. Im bestehenden Radprojekt habe man absichtlich die unterste Schotterschicht belassen wollen, um diesem Risiko zu entgehen. Gemäss Martin Urwyler ist das Trassee nur schwach durch Rückstände belastet. «Der Schotter ist nicht stark verunreinigt, es müssten nur Feinanteile ausgefiltert werden.» Ob es dennoch zu Verzögerungen kommen könnte, kann aber aus heutiger Sicht niemand genau sagen.

Politik soll sich einmischen

Die GLP befürchtet weiter, dass auch das Baubewilligungsverfahren der Fernwärmeleitung wegen möglicher Einsprachen zu weiteren terminlichen Verzögerungen führen könne. Dies alles berge zu grosse Risiken, darum möchte man mit dem Vorstoss bewirken, dass die Realisierung des Radwegs beschleunigt wird. Andràs Özvegyi: «Wir wollen jetzt wissen, was die Politik zu diesem Vorgehen meint.» Diese wird sich am 30. April, wenn der Grosse Stadtrat tagt, mit dem Postulat befassen, sofern es als dringlich erklärt wird. Die FDP sieht die Dringlichkeit nicht gegeben, wie Fraktionschefin Sonja Döbeli Stirnemann auf Anfrage mitteilt. Man wolle nicht «gute Lösungen verhindern oder unnötig verteuern.» Die Grünen finden es unerfreulich, dass das Projekt verzögert wird, die Synergie mit der EWL müsse aber, wenn möglich, genutzt werden. «Das Postulat ist eine klare Ansage ans EWL, ihr Projekt voranzutreiben, damit beides innert Frist gelingt», sagt Fraktionschefin Korintha Bärtsch. Die SP und die CVP werden erst in ein paar Tagen über das Postulat diskutieren. Von der CVP und der SVP war bis Montag Abend keine Stellungnahme erhältlich.

 

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