Ägeribad ist für Ansturm der Bade- und Wellnessfreunde gewappnet
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Freude über die Wiedereröffnung: Rita Schmocker (links) und Tobias Herger am Empfang des Ägeribades. (Bild: mam)

Erstes Zuger Hallenbad öffnet Ägeribad ist für Ansturm der Bade- und Wellnessfreunde gewappnet

6 min Lesezeit 06.06.2020, 12:00 Uhr

Zwei Meter Abstand, Contact Tracing und eine Begrenzung der Besucherzahl auf 300 Personen – so werden in Oberägeri die Vorsichtsmassnahmen wegen der Corona-Seuche umgesetzt.

Wellnessen und Saunieren unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie – wie soll das gehen? Das wollte zentralplus am Freitagabend bei einer Stippvisite im Ägeribad erfahren. Es ist das modernste Bad des Kantons Zug. Mit einer Wasserrutsche und einem Aussensprudelbad für Romantiker.

Die Antwort ist einfach: So wie immer, einfach mit den gebotenen zwei Metern Abstand und dem Hinterlassen der Kontaktdaten. Letzteres, um beim Bekanntwerden einer Ansteckung Leute warnen zu können, die der kranken Person begegnet sind.

Maximal acht Leute in der Sauna

Geschäftsführer Tobias Herger führt durch den grosszügigen Wellness-Bereich im ersten Stock. Er setzt die Corona-Richtlinien des Verbandes der Hallen- und Freibäder um, die aber für jedes Bad angepasst werden. «Hier könnte man nun ein Plakat hinhängen, dass aufgrund der Quadratmeterzahl maximal acht Personen zugelassen sind», sagt er vor der Finnischen Sauna.

Geräumige finnische Saune (90 Grad): Auch nach den Corona-Abstandsregeln passen hier acht Leute hinein.

Das werde man nicht tun, und auch nicht auf den Holzbohlen Markierungen anbringen, wo sich die Saunagänger hinzusetzen haben. Weil nämlich Pärchen und Familien die Abstandsregeln nicht einzuhalten brauchen. Daneben hat das Ägeribad mit einer Damensauna, einem Dampfbad, einer Biosauna und den Kaltwasserbädern und -duschen auch reichlich Alternativen anzubieten.

Massage nur mit Schutzmasken

Die Durchgänge und Ruheräume sind grosszügig konzipiert, die Liegen wurden zu Zweiergruppen zusammengerückt oder auseinandergeschoben. «Die Umsetzung der Coronavirus-Richtlinien ist ein Lernprozess», sagt Herger. «Sollten wir nach ein paar Tagen feststellen, dass es hier neuralgische Punkte gibt, wo sich die Gäste dauernd zu nahe kommen, werden wir reagieren.»

Distanzierte Liegen: Aussenterasse des Wellnessbereichs.

Neben dem Wellnessbereich liegt der Massageraum, wo Mitarbeitende eben dabei sind, auf dem Laptop Reservationen zu überprüfen. Hier gilt ein anderes Regime: «Kunden und Masseure sind mit Gesichtsmasken geschützt, das ist wichtig bei so nahem Kontakt», sagt Herger.

Auweia: Hallenbad Lättich bleibt geschlossen

Der Wellnessbereich ist aber nicht der grösste Unsicherheitsfaktor. Was die Leute vom Ägeribad mehr beschäftigt, ist der Badebereich.

Denn das Ägeribad ist das einzige Hallenbad im Kanton, das für die Öffentlichkeit öffnet. Das grösste Hallenbad im Kanton Zug im Lättich in Baar bleibt weiter Sportvereinen und Schulen vorbehalten. Hier öffnet nur das Freibad – mit einer Kapazität von maximal 1’600 Personen und einem reduzierten Eintrittspreis von 4 Franken. Doch wer will bei dem vorhergesagten schlechten Wetter der kommenden Woche schon ins Freibad?

Stadtzuger Bäder öffnen Ende August

Zentralplus versuchte in Erfahrung zu bringen, wann das Hallenbad im Baarer Lättich für alle zugänglich ist, erhielt aber von der Gemeinde Baar keine Antwort. Eine Auskunft gabs jedoch aus Zug, wo die Hallenbäder im Herti und Loreto ebenso für Hobbysportler geschlossen bleiben, wie das Hallenbad Röhrliberg in Cham.

Die Hallenbäder der Stadt Zug seien ursprünglich für Schulen eingerichtet worden, sagt der Stadtzuger Kommunikationsverantwortliche Dieter Müller. Garderoben und Duschen seien eng. «Social distancing im Sinne der Verordnung des Bundes ist praktisch unmöglich», so Müller. Daher werde die Stadt Zug den Betrieb weiterhin einschränken. Man hoffe, nach den Sommerferien wieder alle Badegäste willkommen heissen zu können.

Zwei Wochen bleiben Daten gespeichert

Bleibt also nur das Ägeribad für Familien und Hobbysportler, denen die Seen noch zu kalt sind. Dort hat man Abstandsmarkierungen am Boden angebracht. Zwei Computer stehen im Eingangsbereich, damit die Gäste sich mit ihren Daten registrieren können. «Diese werden nach zwei Wochen gelöscht», sagt Tobias Herger. Wer will, kann beim Anstehen auch einen QR-Code scannen und dasselbe Dokument auf dem Handy ausfüllen.

Nach dem Bezahlen geht’s dann weiter – im Zwei-Meter-Abstand. Vor der Garderobe muss man warten, bis ein Umkleideraum frei geworden ist. Beim Verstauen der Gegenstände in den Schliessfächern gibt’s keine Einschränkungen – hier soll vor allem Stau vermieden werden. Im WC und bei den Dusche sind einzelne Vorrichtungen gesperrt, um der Abstandregel Achtung zu verschaffen.

Im Kampf um den Ball gibt’s keine Abstandsregel

Dann kommt man in den Bäderbereich, wo neben dem Publikum auch die Schulklassen aus Unter- und Oberägeri zu Gast sind. Im Wasser gelten zum Teil wieder andere Regeln –  nämlich jene von Swiss Aquatics, dem Schweizerischen Schwimmverband. Sie werden vom traditionsreichen Wassersportverein SC Frosch Aegeri befolgt, der sein Wasserballtraining nächste Woche wieder aufnimmt. Im Kampf um den Ball im Wasser muss kein Abstand mehr gehalten werden – hier geht es wieder voll zur Sache.

Für Streckenschwimmer ist das Ägerbad ein Geheimtipp, da hier oft relativ wenige Hobbysportler am Trainieren sind.

Auf der Terrasse, wo das Aussenbad noch abgedeckt ist, bringt derweil Franco Tuscano die Liegestühle auf eine vorschriftsgemässe Entfernung zueinander. «Schauen Sie mal, unser neuer Sprungturm wird eben eröffnet», ruft er und deutet auf den See hinaus.

Neuer Sprungturm im Ägerisee

Dort zerrt ein Gemeindemitarbeiter gerade eine Holzpalette vom Aufgang weg. Neben dem neu errichteten Sprungturm ist auch ein Wasserspielzeug für Kinder im See verankert und der Rasen des vorgelagerten Oberägerer Seestrandbades frisch gemäht. Auch das Seebad ist seit Samstag offiziell eröffnet.

Tuscano erklärt die Flaggenordnung: «Weht die Ägeribad-Fahne, wird der Badebetrieb im Strandbad von einem Badmeister des Ägeribades überwacht.» Gelbrot steht für Baden auf eigene Verantwortung, bei einer roten Fahne herrscht Sturm und man sollte das Schwimmen im See unterlassen.

Die Barrikade kommt weg: Gerade wird der neue Sprungturm im Ägerisee eröffnet.

«Wir haben die lange Zeit des Lockdowns genützt», sagt Ägeribad-Geschäftsführer Tobias Herger und führt durch das Restaurant Lago, das dem Bad angegliedert ist. Im Gastrobereich schwingt ein neuer Verantwortlicher das Zepter: Herbert Reichmuth.

Lokale Produkte und Schilf im Restaurant Lago

Das Ägeribad versucht seit Eröffnung, sein Restaurant als eigenständiges Speiselokal zu positionieren – und als Feierabend-Lounge, damit Gäste den Sonnenuntergang bei einem Getränk mit Seesicht zelebrieren. Die Lage stimmt eigentlich, doch mit den zahlreichen Ausflugs- und Feinschmeckerlokalen in der Gemeinde und dem Seebeizli in der Studenhütte bei der Schifflände gibt’s auch viel Konkurrenz.

Das Restaurant Lago hat eine neue Innendekoration erhalten.

Daher hat man sich noch stärker als bisher aufs Lokale ausgerichtet, bietet Sachen an, die andere nicht haben. Das Fleisch für die Burger beispielsweise bezieht man neu von der Metzgerei Villiger in Unterägeri und die ohnehin schon recht taugliche, weil einzigartige Getränkekarte wird mit Craft-«Ägeribier» ergänzt. Das bislang nüchterne Interieur wird entschieden auf Seenähe getrimmt.

«Der Lockdown dauerte ganz schön lang», sagt Tobias Herger, der sich über die Wiedereröffnung freut. Und diese Freude entschädigt für den Extra-Aufwand reichlich.

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