Adieu Zeughaus: Neuer Standort für Luzerner Museum floppt
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Obschon der Ort nicht Teil der Vernehmlassung war, hagelte es Kritik für den möglichen Standort im Zeughaus. (Bild: giw)

Die sechs grössten Kritikpunkte der Parteien Adieu Zeughaus: Neuer Standort für Luzerner Museum floppt

5 min Lesezeit 1 Kommentar 07.10.2021, 15:46 Uhr

Das historische und das Natur-Museum sollen zum neuen «Luzerner Museum» zusammengeführt werden. Alle Parteien stehen mehr oder weniger hinter dem neuen Konzept. Jedoch vermissen sie konkrete Angaben – etwa zur Finanzierung und zum Standort.

Die beiden Museen an der Reuss sollen zum «Luzerner Museum für Natur, Geschichte und Gesellschaft» werden. Vorgesehen sind interdisziplinäre Ausstellungen zu aktuellen Themen, mit digitalen Elementen und einem mobilen Museum, das im ganzen Kanton unterwegs ist. Ende August hat der Kanton Luzern das neue Konzept vorgestellt und in die Vernehmlassung geschickt (zentralplus berichtete).

Den Ideen in Hinblick auf die Fusion der Museen stehen die sechs grossen Parteien grundsätzlich positiv gegenüber. Doch es wird auch Kritik laut an den Plänen. zentralplus hat die wichtigsten Diskussionspunkte zusammengetragen.

1. Fehlendes Standortkonzept

Die Regierung will das neue Museum bekanntlich ins Zeughaus verlagern, damit am heutigen Standort Platz frei wird für das Kantonsgericht (zentralplus berichtete). Die Standortfrage war bewusst nicht Teil der Vernehmlassung des Konzepts – und trotzdem (oder gerade deswegen) war sie bei den Parteien ein wichtiger Streitpunkt. Viele kritisieren insbesondere das fehlende Standortkonzept.

«Ein Konzept ohne Standort kann nie überzeugen.» 

SP Luzern

Die von der Luzerner Regierung vorgeschlagene Nutzung des Zeughauses lehnen die meisten Parteien ab. Einzig die SVP und die Mitte äusserten sich nicht dazu. Einige brachten hingegen gleich Gegenvorschläge: Die FDP schlägt beispielsweise einen Neubau beim Verkehrshaus vor. Die Grünen sähen das Zeughaus hingegen als Standort für die angestrebte Kulturgütersammlung.

Die SP und die Mitte fordern generell, dass die Standortfrage «mit hoher Dringlichkeit» angegangen wird und nicht erst 2024/25, auf wann das Bauprojekt datiert ist. «Die Standortfrage für ein neues Luzerner Museum muss nun losgelöst vom Zeughaus schnell vorangetrieben werden, denn ein Konzept ohne Standort kann nie überzeugen», heisst es vonseiten der SP.

2. Fehlendes Finanzkonzept

Der zweite grosse Knackpunkt ist das fehlende Finanzkonzept. Einerseits wird die Art der Finanzierung kritisiert – so steht die SP einer möglichen Drittmittelfinanzierung kritisch gegenüber und auch die FDP fordert einen soliden Eigenfinanzierungsgrad.

Andererseits aber vor allem die Menge: Die Grünen und die SP verweisen auf die zusätzlichen Mittel, die für eine zufriedenstellende Umsetzung des Konzepts aufgewendet werden müssten. «Die Werthaltungen, welche das Museum verkörpern soll, begrüssen wir, benötigen in der Umsetzung aber auch genügend Ressourcen», schreiben die Grünen.

3. Dezentraler Standort der Kulturgüter

Auch am dezentralen Standort des geplanten Kulturgüterzentrums scheiden sich die Geister: Die Ausstellungshäuser und die Sammlungen sollen nicht «abgekoppelt» voneinander existieren, monieren die Grünen und die SP. «Es sind die Objekte, die in einem Museum – geschickt, zeitgemäss und didaktisch aufbereitet – das Publikum anlocken und faszinieren sollen», so die SP. Auch die Grünen schreiben: «Der Erfolg von Ausstellungen steht und fällt mit der Zugänglichkeit.»

Die Mitte hingegen steht dem Zentrum positiv gegenüber: «Es wird begrüsst, dass eine Aufwertung durch einen besseren Zugang für die Öffentlichkeit und als wissenschaftliche Einrichtung für Forschung und Recherche angestrebt wird.» Damit könnten zudem bestehende Ressourcen besser gebündelt werden, schreibt die Mitte.

4. Einbindung von Fachexpertinnen

Weiter möchte die Parteien Fachpersonen und Bildungsinstitutionen besser einbinden. So fordern beispielsweise die Grünliberalen, Grünen und die SVP den Beizug von Experten zu einer fachgerechten Lagerung der Kulturgüter: «Die naturwissenschaftlichen und historischen Sammlungen sollten weiterhin fachgerecht gepflegt und gelagert werden», so die SVP.

«Statt zu kopflastig und didaktisch zu sein, sollte es das Publikum emotional, sinnlich und unterhaltsam ansprechen.»

FDP Luzern

Doch auch in der Entwicklung der Inhalte sollen Expertinnen miteinbezogen werden: «Die GLP regt an, die Inhalte gemeinsam mit den Hochschulen zu entwickeln. So hat das Institut für Geschichte und Erinnerungskultur der Pädagogischen Hochschule bereits erfolgreich eine digitale Umsetzung von Inhalten des Bourbaki-Panoramas gestaltet.»

5. Die Ausrichtung der Inhalte

Bezüglich Ausrichtung der Inhalte sind sich die Parteien uneinig: So begrüssen die SP und FDP das «Infotainment-Konzept», wonach die Inhalte sowohl bilden als auch unterhalten sollen. «Statt zu kopflastig und didaktisch zu sein, sollte es das Publikum emotional, sinnlich und unterhaltsam ansprechen», schlagen die Freisinnigen vor.

Die SVP hingegen befürchtet, dass die Zusammenführungen der verschiedenen Themenbereiche letztlich «von allem ein bisschen zeigen, aber die gewünschte sachliche oder emotionale Tiefe vermissen lassen». Die Mitte sucht passend zum Namen den Mittelweg: «Es braucht einen zweckmässigen Angebotmix aus Neuem und Altbewährtem. Das neue Museum soll auf den Stärken der beiden bisherigen Museen aufbauen.»

6. Patchwork-Vernehmlassungen statt Gesamtbild

Abschliessend kritisieren manche generell die Planung bei diesem Projekt: «Mit einem gewissen Befremden stellt die GLP fest, dass es den Vernehmlassungsteilnehmern überlassen wird, die Gesamtbetrachtung der neuen Museumsgestaltung im Blick zu haben.» Die Partei spielt damit darauf an, dass bereits im Frühling eine Vernehmlassung stattgefunden hatte, damals zur geplanten Museumsfusion und nicht zum inhaltlichen Konzept.

Statt immer nur über Teilaspekte befragt zu werden, würde man ein komplettes Konzept begrüssen, in dem wichtige Rahmenbedingungen wie Standort oder Budget miteinbezogen sind, tönt es von den linken Parteien.

Recht deutliche Worte finden die Grünen. Das Konzept müsse so schnell wie möglich mit einem Ressourcenplan ergänzt werden, der die Investitionen, die Betriebskosten, den Stellenplan sowie die Standortfrage umfasst. «Nur so lässt sich beurteilen, ob die guten Ideen des Konzepts auch wirklich ihre Energie und Attraktivität entfalten.»

So geht es weiter

Das Bildungs- und Kulturdepartement wird basierend auf den Rückmeldungen nun die Botschaft ausarbeiten und ihn 2022 dem Kantonsrat vorlegen. Darin enthalten sind auch die Ergebnisse der bereits abgeschlossenen Vernehmlassung zur Zusammenlegung der Museen.

Sollte der Kantonsrat die Vorlage dann ablehnen, würden die beiden Museen weiterhin getrennt betrieben. Laut Regierung bedeutet das aber nicht automatisch, dass sie am Kasernenplatz bleiben können.

Das Bauprojekt für das neue Museum im Zeughaus will die Regierung erst 2024 oder 2025 dem Kantonsrat vorlegen. Der politische Druck deutet aber darauf hin, dass die Weichen für den neuen Standort bereits früher gestellt werden müssen.

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1 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 08.10.2021, 08:43 Uhr

    Verantwortlich für das «Projekt» bzw. peinliche Herumgewurstel ist Marcel Schwerzmann. Wann wird das Dossier an eine fähige Person übergeben?

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