VBL-Direktor Schmassmann verteidigt sich nach Kehrtwende
  • Gesellschaft
Norbert Schmassmann, Direktor der Verkehrsbetriebe Luzern (Bild: bic)

Acht Millionen Franken flossen in Reserven VBL-Direktor Schmassmann verteidigt sich nach Kehrtwende

4 min Lesezeit 9 Kommentare 09.03.2020, 18:07 Uhr

Plötzlich gehts ganz schnell: Die Verkehrsbetriebe Luzern wollen 16 Millionen Franken an Subventionsgeldern am liebsten sofort zurückzahlen. Ein Schuldeingeständnis soll dies aber nicht sein.

An manchen Tagen dreht sich das Karussell halt schneller als an anderen. In den 10 Tagen seit Bekanntwerden der Affäre durchlief die VBL alle möglichen Emotionen.

Zunächst wollte man die geforderte Summe von 16 Millionen Franken nicht wahrhaben; man habe mit Bestimmtheit nichts falsch gemacht. Dann wollte man sich zurückziehen, um seine «Hausaufgaben» zu machen. Sicher nicht infrage stellen wollte man die kritisierte Firmenstruktur (zentralplus berichtete).

Angst vor langem Rechtsstreit

Und am Montagmittag ist plötzlich alles anders: Der Verkehrsverbund Luzern (VVL) schaltet auf einen Schlag zwei massgeblich entscheidende Berichte zur Kontroverse frei. Nur Minuten später verschickt die VBL ein Kommuniqué. Dessen Inhalt: Wir zahlen die Zeche (wir berichteten).

Woher der plötzliche Sinneswandel? «Für uns ist klar, dass mit einer langen rechtlichen Auseinandersetzung niemandem gedient ist», sagt VBL-Direktor Norbert Schmassmann. 

«Weder uns noch dem VVL, mit dem wir auch in Zukunft ein gutes Einvernehmen pflegen wollen. Darum haben wir uns entschieden, die Summe von rund 16 Millionen Franken zu bezahlen.»

Absegnung durch Bund bleibt Hauptargument

Schmassmann wiederholte gestern auf Anfrage die Verteidigungsargumente der VBL: «Ich kann nur erneut betonen, dass wir zu jeder Zeit in Treu und Glauben gehandelt haben.» Er verwies dabei erneut auf die vom Bund 2012 überprüfte Verrechnungspraxis.

Der Bund hielt in einem Statement jedocht fest, dass man keinen Zugang zu den Unterlagen der Muttergesellschaft (Holding) der VBL hatte, was eine Beurteilung stark erschwerte. Explizit wurde damals festgehalten, dass nur die Methodik beurteilt wurde und keine detaillierte Prüfunge erfolgte (wir berichteten).

Für Norbert Schmassmann ist dieser Umstand «Interpretationssache»: «Tatsache ist, dass in den Folgejahren die Rechnungen ohne Vorbehalt genehmigt wurden. Jahr für Jahr – und plötzlich stimmt es nicht mehr. Dies hat uns überrascht.»

Heikle Situation im Verbundsrat

Die bemängelte Holdingstruktur der VBL soll nun also geprüft und angepasst werden. Doch auch die Struktur des Verkehrsverbundes Luzern wurde in den vergangenen Tagen kritisiert.

Konkret: Die Zusammenstellung des VVL-Verbundrates mit seinen Vertretern aus Kanton, Stadt, Agglo und Land führt zwangsläufig immer wieder zu heiklen Situationen.  Aktuelles Beispiel: Als Vertreter der Stadt nimmt auch der Stadtluzerner Verkehrsdirektor Adrian Borgula Einsitz im Verbundsrat. Die Gefahr von Interessenkonflikten liegt da nahe. 

Verkehrsdirektor im Ausstand

VVL-Sprecher Romeo Degiacomi betont, dass Borgula seit Mitte 2018 bei allen Sitzungen zu den VBL-Subventionsgeldern im Ausstand und auch ortsabwesend war. «In einem föderalistischen System wie unserem, kommt es zwangsläufig zu Situationen, in denen Personen mehrere Funktionen haben und verschiedene Interessen vertreten müssen. Genau für solche Momente gibt es das Instrument, dass Personen in den Ausstand treten.»

Der Verbundrat sei sich der schwierigen Situation bewusst gewesen und habe bei dieser Angelegenheit von Anfang an einen Interessenskonflikt unterbunden, so Degiacomi.

Wohin flossen die 16 Millionen?

Bleibt die Frage, wohin die Gelder letztlich geflossen sind. «Von diesen 16 Millionen Franken wurden unter anderem acht Millionen Franken stille Reserven gebildet sowie Dividenden an die Stadt Luzern bezahlt», sagt Schmassmann. «Ich halte aber fest, dass sich niemand hier persönlich bereichert hat.»

«Klar ist, dass wir in der näheren Zukunft finanziell schlanker unterwegs sein müssen», sagt Schmassmann in die Zukunft blickend.

Verkehrsverbund beharrt auf seiner Forderung

Zwar beharrt die VBL-Führung auf ihrer Unschuld. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen, scheint man nun aber bereit, bei der kritisierten Holding-Struktur über die Bücher gehen zu wollen.

Genau dies verlangt auch der VVL: «Unsere Forderung an die VBL, ihre Organisationsform kritisch zu prüfen und anzupassen, steht weiterhin», sagt VVL-Sprecher Romeo Degiacomi auf Anfrage. «Wir begrüssen die Feststellung, dass die VBL-Führung dies nun explizit in Betracht zieht.»

Schmassmann sieht keinen Anlass zurückzutreten

Als Gesicht der VBL wird derzeit Schmassmann für den Betrieb hart kritisiert. Über seine zukünftige Rolle im Unternehmen will er nicht spekulieren. Das sei Sache des Verwaltungsrats. 

Gedanken über einen allfälligen Rücktritt hat er sich jedenfalls nicht gemacht, wie er sagt: «Ich bin nach wie vor motiviert und mit Herz dabei.»

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9 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 10.03.2020, 13:55 Uhr

    Schmassmann’s Kehrtwende war absehbar! Ist wohl der letzte traurige und rückgrat- und charakterlose Versuch, seine Haut zu retten!

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  2. Murti Muheim, 10.03.2020, 11:35 Uhr

    Ich bin mir sicher: Mit einem genauen Blick in die Kader-Lohnentwicklung der VBL wird man die Bereicherung schon finden. Die dicken Reserven erlauben dies ja. So funktioniert die Günstlingswirtschaft.

    Jetzt heisst es, Hosen runter Schmassmann und Co! Nächster Halt Grosshof Kriens!

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    1. Dunning-Kruger, 10.03.2020, 13:05 Uhr

      Man kann ihm ja dann in der Zelle eine VBL-Modell-Landschaft mit Mini-Bussen im Format 1:24 zur Verfügung stellen! Ob man dort auch Subventionsbetrug mit Spielgeld tätigen kann, bleibt abzuwarten!

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  3. Hugo Ball, 10.03.2020, 08:29 Uhr

    Bin schon gespannt auf die nächste Wahlwerbung von Schmassmann, wenn es darum geht, wieder in den Kantonsrat gewählt zu werden. Dann tauchen wieder die altbekannten Attribute (Worthülsen): Ehrlich, verlässlich, verantwortungsbewusst, guter Christenmensch, umsichtig usw. blablabla auf.

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    1. Emanuel Hubacher, 10.03.2020, 10:35 Uhr

      Die Verwaltungsratspräsidemtin aus der CVP Connection (aka Filz) trägt da ja bestimmt auch eine Mitschuld…

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    2. Joseph de Mol, 10.03.2020, 11:14 Uhr

      Es scheint mir auch unerlässlich, bitter nötig und höchste Zeit, endlich den «Fahrplan» einzuhalten! Die Zeit ist überreif, bei der VBL nun nachhaltig und gründlich mit dem eisernen Besen zu kehren! Auch wenn sich die Verantwortlichen jetzt wieder in bestens bekannter und erprobter Manier geläutert zeigen! Einfach nichts zu tun, wäre jetzt fatal, uneinsichtig und keine Option! Man muss nicht gleich mit jakobinischer Gründlichkeit vorgehen….! Die eine oder andere Demission reicht vollkommen aus!

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  4. Alois Iten, 10.03.2020, 07:52 Uhr

    Und bei den ZVB, hat man da auch mal genauer hingeschaut, oder haben die auch so einen Subventions-Bschiss?

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  5. Hans Hafen, 10.03.2020, 06:59 Uhr

    Es ist unerheblich, was Schmassmann über einen allfälligen Rücktritt denkt. Seine Einschätzungen dazu sind nicht von Relevanz. Wer operativ an der Spitze eines «Unternehmens» trägt die Verantwortung! Nach all diesen Vorkommnissen wider besseres Wissen, peinlich-unehrlichen Verschleierungs- und Vertuschungsversuchen gibt es keine Alternative zum Rücktritt! Auch bei den Beratern bei Balmer-Etienne sollte einmal eine scharfe Note seitens der politischen Verantwortlichen platziert werden!!

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    1. Ram Dass, 10.03.2020, 13:23 Uhr

      Aber Hans Hafen – die eingespielten und nützlichen Seilschaften dauerhaft gefährden? Wo denken Sie hin? Wenn eines nach diesem ganzen Fall überdauert und weiterhin von Bestand ist, sind es diese Reinhold-Messner-mässigen Seilschaften. Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Seilschaft nicht!!

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