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«Aber dann entschied ich mich, frech zu sein»
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Die Consol war für eine Woche zu Gast im Paettern. (Bild: zvg.)

Wie Zuger IV-Bezüger für ihren Arbeitsplatz werben «Aber dann entschied ich mich, frech zu sein»

3 min Lesezeit 29.06.2017, 14:02 Uhr

Die soziale Institution Consol ist für eine Woche in ein Ladenatelier beim Zuger Bahnhof gezogen. Was der Verein damit erreichen wollte und wie es den Mitarbeitern ging, als sie eine Woche lang quasi im Schaufenster standen.

Die soziale Institution Consol hat sich kürzlich im Lightup-Atelier Paettern direkt beim Zuger Bahnhof für eine Woche eingenistet. Consol schafft Arbeitsplätze zur Integration oder für IV-Bezüger. «Wir wollten in dieser Woche vor allem unsere Bekanntheit steigern», sagt Mats Huwyler, Betriebsleiter von Consol Office.

Dazu taugt das Paettern ideal: Das Lokal bei der Einser-Busstation am Bahnhof ist längst zur räumlichen Flüstertüte der Zuger Kultur geworden. Wieso also nicht auch für soziale Institutionen? Viele Passanten seien stehen geblieben und hätten nachgefragt, was denn Consol genau sei, erzählt Mats Huwyler. Er und die Mitarbeitenden gaben eine Woche lang Auskunft.

Das Lightup-Atelier Paettern beim Zuger Bahnhof

Im Paettern Lightup-Atelier direkt beim Bahnhof können Zuger innovative Produkte ausstellen und verkaufen: Schmuck, technische Dinge, Interessantes aus allen Ecken und Enden des Kantons. Aber auch Platz für längere Ausstellungen, Lesungen oder ganze Konzerte bietet das kleine Lokal. Das Paettern ist in den letzten Jahren zu einem Knotenpunkt der Zuger Kultur geworden.

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Es muss natürlich kein Schädel-Hirn-Trauma sein. Auch psychische Erkrankungen können Krisen auslösen, welche einen geregelten Arbeitsalltag verunmöglichen, erzählt Mats Huwyler. Der Zuger Verein bietet einerseits geschützte Arbeitsplätze für IV-Bezüger sowie Eingliederungsmassnahmen an.

Ein gewagter Spagat

Damit traut sich Consol einen gewagten Spagat zu. Mit einem Bein im zweiten Arbeitsmarkt, das andere Bein steht fest verankert in der üblichen Wirtschaftswelt. Mit einem Fuss in der Tür von namhaften Firmen.

Mats Huwyler ist Betriebsleiter von Consol Office.

Mats Huwyler ist Betriebsleiter von Consol Office.

(Bild: zvg.)

Denn von da kommen die Aufträge, die Mats Huwyler mit seinem Team und den Mitarbeitenden der «Office»-Abteilung von Consol entgegennimmt. «Wir befinden uns von der Auftragslage und den Anforderungen her im ersten Arbeitsmarkt, erfüllen unsere Dienstleistungen aber mit Kräften, welche sich erst auf dem Weg zurück in den ersten Arbeitsmarkt befinden!», erklärt Mats Huwyler. Dieser Spagat sei deutlich spürbar – jeden Tag.

Er hatte keine Lust auf Passanten

Martin Strauss arbeitet in der «Office»-Abteilung bei Consol. Er hatte anfangs nicht wirklich Lust auf die Woche am Bahnhof. «Ich bin eigentlich nicht so der Typ, der einfach so Leute anquatscht», erzählt Martin Strauss. Er habe Bedenken gehabt, ob die Leute denn überhaupt interessiert, was er zu erzählen hat. Und ob sie die Give-Aways denn wollen, welche Consol während der Woche verteilt hat.

«Aber dann habe ich mir einen Ruck gegeben und mich entschieden, halt einfach mal frech zu sein.» Es war wohl die richtige Entscheidung. «Die Rückmeldungen waren sehr positiv, die Leute hatten Freude an den Tassen, die wir verteilt haben, und haben sich auch für Consol interessiert», erzählt Martin Strauss. «Schlussendlich hat es mir Spass gemacht.» 

Die Unterhaltungen bleiben in Erinnerung

Eine Unterhaltung sei ihm besonders in Erinnerung geblieben, erzählt Martin Strauss. Mit einer Frau im Rollstuhl habe er sich völlig im Gespräch verloren. Am Schluss landeten sie bei selbst gedrehten Zigaretten. «Das war irgendwie lustig», erinnert er sich.

Das Consol Office im Paettern – diese Kombination könne man rückblickend durchaus als gelungen bezeichnen, meint Mats Huwyler. «Wir waren während einer Woche mitten in Zug und somit auch von Passanten wahrnehmbar, welche uns sonst nie sehen würden.»

Deshalb ist der nächste Aufenthalt der Consol im Paettern auch schon geplant: Während der Vorweihnachtszeit wird Consol nochmals ins Paettern ziehen.

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