A-Post geht auch in Luzern und Zug die Puste aus
  • Wirtschaft
Früher wurde dieser Briefkasten an der Luzerner Bruchstrasse um 18.30 Uhr geleert – ab nächster Woche bereits um 11 Uhr. (Bild: ida)

Schweizer Post fährt Service public weiter zurück A-Post geht auch in Luzern und Zug die Puste aus

5 min Lesezeit 8 Kommentare 28.05.2021, 15:59 Uhr

Die Post leert ab nächster Woche Tausende Briefkasten in der Schweiz deutlich früher – oder sonntags gar nicht mehr. Soll ein Brief künftig also per A-Post pünktlich ankommen, gilt es auch für Luzerner und Zuger Post-Kunden einiges zu beachten.

Unterwegs zum Neubad an der Bireggstrasse 36 in Luzern noch kurz einen Brief in den Post-Briefkasten einwerfen? Ab kommender Woche sollte man sich das gut überlegen. Denn die Post hat die Zeiten der Briefkastenleerungen massiv angepasst, das Angebot zurückgefahren. Heisst: Wer werktags künftig um 17.29 Uhr an der Bireggstrasse einen A-Post-Brief in den dortigen Briefkasten einwirft und darauf vertraut, dass dieser am kommenden Tag zugestellt wird, wird enttäuscht. Denn ab nächster Woche wird auch dieser Briefkasten früher als bis anhin gewohnt geleert. Bei besagtem Briefkasten sind es werktags ganze siebeneinhalb Stunden früher – nämlich um 10 Uhr. Und sonntags wird der Briefkasten künftig gar nicht mehr geleert.

Das ist nur ein Beispiel von Dutzenden. Denn die Schweizerische Post baut den Service public weiter ab und leert in Zukunft Tausende Briefkästen in der Schweiz deutlich früher als bis anhin – oder aber tagelang gar nicht mehr. Wie Recherchen der Konsumentenzeitschrift «Saldo» zeigen, werden von den verbliebenen 14’414 Briefkästen sonntags künftig nur noch 290 geleert. Bis anhin waren es noch 1’724 Briefkästen. Brisant: Nach 17 Uhr gibt es sonntags keinen einzigen Schweizer Briefkasten mehr, der geleert wird. Schweizweit wird die Postbotin werktags nach 9 Uhr nur noch gut die Hälfte aller Briefkästen leeren – nach 18 Uhr sind es gerade noch 438 statt wie bis anhin 1048.

Lange Rede, kurzer Sinn: Einfach mal blindlings A-Post in den Briefkasten um die Ecke zu werfen, mit der Annahme, diese kommt tags darauf auch wirklich an, liegt nicht mehr drin. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss künftig die Leerungszeiten bei den Briefkästen genaustens studieren.

Du willst schauen, wie «dein» Briefkasten künftig geleert wird?

Wenn du kontrollieren möchtest, wie der Briefkasten um die Ecke künftig geleert wird, kannst du das auf der Website der Schweizerischen Post tun. Hier kannst du die Standortsuche abfragen.

Doch was bedeutet der Kahlschlag für Luzerner und Zugerinnen? «Im Kanton Luzern werden werktags – von Montag bis Freitag – 118 Briefeinwürfe um 18 Uhr oder später geleert, im Kanton Zug sind es 40», sagt Markus Flückiger, Mediensprecher der Schweizerischen Post, auf Anfrage von zentralplus.

1. Diese Ortschaften trifft es am härtesten

Nicht überall wird das Briefkastenangebot gleich stark genutzt. An Orten wie Luzern und Zug gibt es wegen der grossen Anzahl an Briefeinwürfen mehr Anpassungen im Vergleich zu Dörfern mit nur wenigen oder lediglich vereinzelten Briefeinwürfen.

Wie Flückiger ausführt, haben Ortschaften, die heute über eine Leerung am Abend verfügen, auch künftig mindestens eine. Und jede Ortschaft in der Schweiz – egal ob Stadt oder Land – behält eine Leerung am Samstag auf Zustellgang, wenn diese schon heute über eine Leerung am Wochenende verfüge.

2. Das gilt unter der Woche

Die meisten Briefeinwürfe werden laut dem Post-Sprecher von Montag bis Freitag auf dem Zustellgang zwischen 8 und 12 Uhr geleert. Bisher wurden die meisten Briefkästen erst abends nach 17 Uhr geleert.

Zum Beispiel wurde in der Zuger Altstadt der Briefkasten am Kolinplatz 14 bis anhin werktags um 18.30 Uhr geleert – künftig bereits um 11 Uhr. In der Stadt Luzern konnte ein A-Post-Brief am Hirschengraben 16 noch werktags bedenkenlos nach Feierabend um 19.15 Uhr eingeworfen werden, künftig allerdings wird auch dieser Briefkasten bereits um 18 Uhr geleert. An der Neustadtstrasse 27 wurde der Kasten unter der Woche um 19 Uhr geleert – ab kommendem Montag dann aber bereits um 10 Uhr.

3. Das gilt fürs Wochenende

Sonntags werden in der Stadt Zug gerade noch zwei Briefkästen geleert: Nämlich derjenige auf dem Bahnhofsplatz (ab dem 30. Mai um 16 Uhr) und derjenige an der Metallstrasse 9 (um 16 Uhr). Bei acht anderen Briefkästen, die bis anhin in der Stadt Zug sonntags geleert wurden, guckt der Postbote künftig an den Sonntagen nicht mehr vorbei. In Cham wird sonntags noch derjenige an der Zugerstrasse 15 um 16 Uhr geleert, derjenige am Bahnhof fällt weg. In Baar wird am Ruhetag nur noch jener Briefkasten an der Dorfstrasse 16 geleert.

Noch krasser wird der Abbau in der Stadt Luzern deutlich: Sonntags werden hier nur noch zwei Briefkästen geleert: Derjenige am Bahnhofsplatz 4 (um 15 Uhr) und im Bahnhof in der Unterführung (um 15 Uhr) – bis anhin waren es 47 in der ganzen Stadt. In Kriens gab es bis anhin drei Briefkästen, die sonntags geleert wurden – künftig kann in der Stadt sonntags keine A-Post mehr aufgeben werden. Die Briefkästen bleiben sonntags von der Post unberührt. In Horw wird sonntags künftig noch ein Briefkasten geleert – statt wie bisher zwei. In Emmen ist es auch nur noch einer statt zwei. In Ebikon finden die bisherigen Briefkastenleerungen an zwei Standorten gar nicht mehr statt.

4. So begründet die Post den Abbau

Die Schweizerische Post begründet den Abbau mit der Briefmenge. Seit Jahren sinkt die Anzahl Briefe kontinuierlich. «Die Briefmenge ist seit 2002 um über 40 Prozent zurückgegangen», sagt Markus Flückiger. Die Menge der Briefe aus den gelben Briefkästen sei alleine in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent eingebrochen.

Mit dieser Ausgangslage gab es für die Post zwei Optionen: Entweder die Anzahl der gelben Briefkästen zu reduzieren oder die Leerungszeiten anzupassen. Für die Post steht fest: «Wir wollen nicht Briefkästen abbauen, sondern den Menschen in der Schweiz kurze Wege bieten.» Deshalb entschied die Post, die Leerungszeiten der gelben Briefkästen anzupassen.

Ab dem 30. Mai führt die Post die meisten Leerungen der gelben Briefkästen auf der täglichen Postzustellung durch. Der Pöstler nimmt auf seiner Tour an die Haustüren auch gleich die Briefe in den gelben Briefkästen mit. Dadurch sind weniger zusätzliche Touren oder Fahrten notwendig. Die Post freut’s, da dies effizienter, günstiger und letztendlich auch ökologischer sei. Für Post-Kunden jedoch macht sich der Abbau im Service public einmal mehr bemerkbar.

5. Ja, die Post darf das

Wie das «Saldo»-Magazin schreibt, darf die Post einfach die Leerungszeiten anpassen. Das Postgesetzt schreibt nur vor, dass die Post «öffentliche Briefeinwürfe in ausreichender Zahl, mindestens aber einen pro Ortschaft» aufstellt. Wie häufig Briefkästen geleert werden müssen und zu welcher Zeit, das ist nicht im Gesetz festgeschrieben.

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8 Kommentare
  1. Peter Leimgruber, 09.06.2021, 13:39 Uhr

    Guten Tag
    Die Sache ist in Luzern noch krasser. An den Briefkästen in der Innenstadt steht angeschrieben, dass auf der Poststelle 2 am Sonntag um 19.00 geleert wird.
    Die Poststelle 2 schliesst um 17.30 und somit auch die Zugangstür und der Briefkasten befindet sich im Inneren.

  2. Erika, 06.06.2021, 09:33 Uhr

    Denkt die Post an die Senioren? Einmal mehr sind Sie am stärksten betroffen, da viele Betagten über kein Internet verfügen und somit nicht mailen können. Zudem sind sie weniger mobil um zu einem bedienten Briefkasten zu gelangen.
    Diese Entwicklung finde ich traurig.

  3. Andreas Pearson, 31.05.2021, 00:57 Uhr

    Und wartet nur ab: Es wird noch weiter Abbau bei der Post geben. Weil die Post ihrem neuen Verwaltungsratspräsidenten Christian Levrat, seines Zeichens ehemaliger Parteipräsident der SP Schweiz, für ein 50% Pensum einen Lohn von 250’000 Franken zahlen muss. Das Geld muss sie irgendwo reinholen. Simonetta Sommaruga hat ihren Parteifreund Christian Levrat auf seine alten Tage hin in dieses lukrative Amt gehievt. Ein SP-Parteipräsident will doch auch einmal in seinem Leben so richtig Geld verdienen. Ab Schluss sind wir doch alle Kapitalisten, ob SP oder FDP.

  4. Tobias Hirschi, 30.05.2021, 14:34 Uhr

    «Die Schweizerische Post» ist schon lange nicht mehr die Post, welche sie einmal war. Abbau, Abbau, Abbau. Briefe senden ist sowieso von gestern und ab sofort sende ich wirklich alles ausser Waren per eMail. Ist auch bedeutend günstiger 🙂

  5. Roland Grüter, 29.05.2021, 14:26 Uhr

    Leistungsabbau am Laufmeter in «staatlichen» Betrieben. Und die Politik und der Konsumentenschutz nehmen es einfach hin. Das nennt man dann «Service public», – eine Schande!

  6. peti de pöschtler, 28.05.2021, 17:45 Uhr

    schade! schlecht! unglaublich

  7. Barni, 28.05.2021, 17:40 Uhr

    De facto wird dadurch die A-Post abgeschafft…

  8. Jörg, 28.05.2021, 17:32 Uhr

    kein Wunder ich Scanne das meiste ,oder maile ,Post war gestern

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