Luzerner Familien-Modehaus ist auf Expansionskurs
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Familiensache: Laura Rogger (links) und Marina Bayat Rogger mit ihren Eltern und Unternehmensgründern Sonja und Fritz Rogger vor ihrem jüngsten Familienmitglied: The Corner by Phänomen. (Bild: zvg)

Exklusive Marken an der Weingasse Luzerner Familien-Modehaus ist auf Expansionskurs

5 min Lesezeit 26.07.2020, 11:38 Uhr

Stell dir vor, Corona steht vor der Tür und du eröffnest mitten in Luzern eine neue Luxus-Boutique. Dieses Wagnis ist die Luzerner Mode-Familie Rogger mit ihrem neusten Laden am Weinmarkt eingegangen. Er heisst: «The Corner by Phänomen».

Zwei Meter Corona-Mindestabstand? Die können am Weinmarkt 7 an diesem Dienstagnachmittag mitten in den Sommerferien locker eingehalten werden. Zwar wird man hier im «Phänomen – The Corner», dem neusten Ableger des Luzerner Familien-Modegeschäfts Phänomen, kaum eingetreten, gleich von mehreren elegant gekleideten Damen mit warmem Lächeln und freundlicher Begrüssung eingedeckt. Weitere Kundschaft sucht man aber vergeblich.

Kein Grund zur Beunruhigung, findet Marina Bayat-Rogger. Die Luzernerin ist gemeinsam mit ihrer Schwester Laura und den Eltern Sonja und Fritz Rogger Geschäftsführerin des neuen Ladens. Die Boutique sei trotz Corona und fast ganz ohne Werbung «ansprechend angelaufen». Es wurden aber keine Türen eingerannt. «Muss auch gar nicht sein», meint Bayat-Rogger. Denn Phänomen ist kein Discounter, in welchem man sich um die heissesten Schnäppchen prügelt. Wer hier einkauft, legt vielmehr Wert auf Diskretion, hat Kleidungsstücke von Marken mit Rang und Namen ins Auge gefasst – mit entsprechend hohen Preisen.

Die Uhrenbranche als Verkaufsargument

Daunenjacken von Moncler lassen sich hier von eingängiger Chill-out-Musik beschallen, Sweatshirts von Balenciaga, Schuhe von Givenchy. Zähe anderthalb Jahre hat es gedauert, bis Vertreter dieser sowie weiterer klingender Namen grünes Licht gegeben haben für die Zusammenarbeit mit dem Luzerner Familien-Modehaus. Ein Engagement, das alles andere als selbstverständlich ist. Denn Phänomen ist ein Familien-Betrieb und Luzern weder Paris, Mailand noch Berlin. Dass trotzdem ein Deal zustande kam, ist nicht zuletzt dem Ruf Luzerns als Stadt der Uhren sowie der Luxushotellerie in der Region geschuldet. 

«So plump es klingen mag: Der Kunde ist bei uns König.»

Das sagt aber auch viel über die Professionalität des Luzerner Modehauses aus, dass seit dreissig Jahren in der Region geschäftet (siehe Box) und sich eine treue Stammkundschaft erarbeitet hat. Das Erfolgsgeheimnis? «So plump es klingen mag: Der Kunde ist bei uns König», sagt Bayat-Rogger. Eine zuvorkommende Bedienung samt aufmerksamer Begrüssung? Standard. Vorschläge für stilsichere Farb- und Formkombinationen, per Whatsapp übermittelt, noch bevor der Kunde einen Fuss in den Laden gesetzt hat? Auch das bietet Phänomen.

Gekommen, um zu bleiben: Ein Mode-Familienunternehmen nimmt den Weinmarkt in Beschlag

Das Modeunternehmen Phänomen gibt es seit 1988. Damals öffnete ein erstes Verkaufslokal für Männermode – in Horw. Bescheidene 120 Quadratmeter betrug die Verkaufsfläche damals. Und doch ging damit für die Gründer Sonja und Fritz Rogger ein ganz grosser Traum in Erfüllung. Einer, der zwar grossen Einsatz abverlangte, vorerst aber nur wenig Ertrag abwarf.

Als wegweisender Entscheid sollte sich der Umzug 1993 von der Agglomeration an den Weinmarkt mitten in Luzerns Altstadt erweisen. Damit begann das stete Wachstum. Zur Herrenmode kam bald die Damenmode dazu, auf das erste Ladenlokal folgte bald ein zweites. Nach und nach traten die beiden Töchter Marina und Laura Rogger in den Betrieb ein.

Inzwischen beschäftigt Phänomen 16 Mitarbeiter und macht sich auf knapp 1’000 Quadratmetern Verkaufsfläche breit, verteilt auf nicht weniger als drei Gebäude. Allesamt stehen sie am Weinmarkt. Das Haus Nr. 4 beherbergt Herrenmode, Nr. 5 Damenmode. Seit Anfang Juli ist nun der Luxus-«Corner»-Shop am Weinmarkt 7 geöffnet.

Daneben trägt auch das «stimmige Ambiente» das Seine zum Gelingen bei. «Wir bieten mehr als Kleider an. Bei uns kann man eintauchen in ein besonderes Shoppingerlebnis», so Bayat-Rogger. Das gilt für die Stammhäuser ebenso wie für den unlängst eröffneten Shop am Weinmarkt 7, wo drei Stockwerke durchgestylte Verkaufsfläche auf die Kunden warten. Schwarz gestrichene Holzdielen, weiss getünchte Wände, modulare im Raum verstreute Verkaufsträger. Bayat-Rogger: «Leicht und luftig – und gemütlich wie ein Wohnzimmer.» So präsentiert sich das Resultat des Umbaus, der mehrere Wochen gedauert hat.

Keine Angst vor der Online-Konkurrenz

Wo andere Läden vor der scheinbar übermächtigen Onlinekonkurrenz kapitulieren und gleich reihenweise dichtmachen, da investieren die Mode-Roggers viel Energie und Geld in einen herkömmlichen Laden. Und das just in der Coronakrise. Warum nur?

Diese Frage muss man Bayat-Rogger gar nicht erst stellen, die Antwort nimmt sie in ihren erfrischend offenen Ausführungen zum Familien-Modebetrieb gleich vorweg: «Weil wir an die Zukunft dieses Konzepts glauben.» Genauso wie an den Verkaufsstandort Luzern. Und daran, dass «die lebendige und wunderschön gelegene Stadt» auch längerfristig eine zahlungskräftige internationale Klientel in die Region locke. Spätestens nach Corona – bis dahin solls die Schweizer Kundschaft richten.

Chance Internet? Ja, aber

Zudem: Ein Rundum-Wohlfühl-Service à la Phänomen sei online nicht möglich, erklärt Bayat-Rogger. Das hätten auch Versuche während der heissesten Corona-Phase gezeigt. Einen Phänomen-Online-Shop wird es deshalb auch in Zukunft nicht geben, wohl aber diverse Dienstleistungen übers Internet sowie jede Menge Inspiration. Denn Instagram und Co. nutzen die Roggers längst schon als Schaufenster im digitalen Äther.

Kundennähe, Service, Einkaufsambiente, aber auch Werbung übers Internet sowie namhafte Marken: Dieser Mix, glaubt Bayat-Rogger, wird auch weiterhin «gestandene» Herren und Damen in die Phänomen-Modehäuser ziehen. Und er wird dafür sorgen, dass auch künftig jugendliche Mode-Afficionados ihr hart erspartes Geld in einem der Fashion-Häuser am Weinmarkt gegen ein trendy Design-Stück eintauschen werden. Und womöglich auch dafür, dass jene mit dem besonders dicken Portemonnaie vermehrt am Eckhaus Nr. 7 einen Shopping-Stop einlegen werden.

Hinweis: Dieser Artikel erscheint im Rahmen unserer Serie, in der wir Luzerner Traditionsgeschäfte und deren Erfolgsstrategie vorstellen.

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