89-fache Lottomillionäre zügeln in die Zuger Anonymität
  • Regionales Leben
Der Jackpot bei Euromillions ist der Traum aller Lottospieler. (Bild: Wikipedia)

Stammtischgespräche in Berner Gemeinde 89-fache Lottomillionäre zügeln in die Zuger Anonymität

3 min Lesezeit 4 Kommentare 15.08.2020, 09:59 Uhr

Ein Bewohner einer Gemeinde in Bern erzielt den Hauptgewinn bei Euromillions. Nun ist er mit seiner Familie weggezogen. Am Stammtisch wird über die Gründe spekuliert.

Es ist der Traum eines jeden Lottospielers: Den hochdotierten Pot bei Euromillions zu gewinnen. Im Jahr 2018 tippte ein Berner aus Rümligen die richtigen Zahlen – er und seine Familie wurden dank 89 Millionen Franken über Nacht schwerreich.

Die «Berner Zeitung» war den Lottogewinnern, die ihre Millionen nie an die grosse Glocke hängten, auf die Schliche gekommen. Die Gemeinde Rümligen wies nämlich plötzlich 8,9 Millionen zusätzliche Steuereinnahmen aus. Das entspricht rund 10 Prozent des Gewinns.

Daraufhin erlangten der Neo-Millionär und seine Familie ungewollte Berühmtheit. Als die Journalisten wissen wollten, wie die Gemeinde den unerwarteten Geldsegen nun zu nutzen plant, erfuhren sie am Stammtisch im Schwanen, dass der Glückspilz nun offenbar aus der Gemeinde weggezügelt ist.

Der Rummel in Rümligen wurde ihnen wohl zu viel

Was waren die Gründe? «Natürlich wurde geredet», wird ein Dorfbewohner zitiert, der die Gewinner kennt. Sie hätten nur etwa zwei Jahre in Rümligen gewohnt und seien gut integriert gewesen. Dann aber sei das Glück über sie hereingebrochen.

Sie hätten sich entschieden, den Wohnsitz zu wechseln – nun lebten sie im Kanton Zug. Über den Zeitpunkt des Wegzugs werden in Rümligen unterschiedliche Angaben gemacht.

Wo Multimillionäre weniger auffallen

Die Gründe für den Wegzug hingegen liegen für die Dorfbewohner auf der Hand. Denn während in der kleinen Berner Gemeinde Multimillionäre eine Seltenheit sind, leben davon in Zug viele. «Dort fällt man als Multimillionär sicher weniger auf als im Gürbetal», sagt der Bewohner des 440-Seelen-Dorfes. Weitere Personen würden diese Darstellung bestätigen.

Dabei liegt ein weiterer möglicher Grund für den Wegzug nahe: die lieben Steuern. Denn die Steuersätze und steuerfreien Gewinne variieren in der Schweiz je nach Wohnkanton. Zug gehört mit rund 22 Prozent Maximalsteuer, die bei einem so hohen Gewinn anfallen würden, zu den günstigsten. Doch davon ist am Stammtisch in Bern nichts zu hören.

Für Zug ein Klacks, für Rümligen eine Riesensache

Fakt ist, dass den Rümligern nun immerhin der Gewinn von 8,9 Millionen Franken in der Gemeindekasse bleibt – und nochmals so viel nimmt der Kanton Bern ein.

Für den Rümliger Gemeindepräsidenten Martin Studer (SP) ist das eine grosse Sache: Er sagt, dass die 8,9 Millionen das Jahresbudget der Gemeinde um das Fünffache und das Eigenkapital um mehr als das Zehnfache übersteigen würden. Pro Einwohnerin und Einwohner machen die 8,9 Steuermillionen 20’000 Franken aus.

In Zug hingegen wird der Hahn wegen ein paar zusätzlichen Steuereinnahmen höchstens leise krähen.

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4 Kommentare
  1. Jan Mühlethaler, 18.08.2020, 06:17 Uhr

    Was genau ist der Nachrichtenwert dieser «unglaublich» anmutenden Geschichte? Der Lottomillionär, der von A nach B zieht. So what?

  2. Hans Peter Roth, 15.08.2020, 12:15 Uhr

    Während die Gemeinde Rümligen im Gürbetal die Steuereinnahmen aus dem Lottogewinn sicher für sinnvolle Infrastrukturaufgaben nutzen könnte, wird die beglückte Zuger Gemeinde den Zustupf als Argument für eine weitere Steuersenkung missbrauchen. Die Irrsinnsspirale des foederalistischen Steuersystems dreht weiter und weiter.

    1. CScherrer, 17.08.2020, 10:22 Uhr

      Vielleicht geht dem glücklichen Gewinner halt einfach nur der Schweizer Bünzlizismus auf den Sack. Wer weiss das schon.

    2. MvR, 17.08.2020, 10:42 Uhr

      Die Gemeinde Rümlingen hat ja ihren Anteil erhalten. Sie sind ja erst nachher, nachdem ihre Identität an die Öffentlichkeit getragen wurde, in den Kanton Zug umgezogen. Und das glückliche Rümlingen wird von diesem Riesen Steuer Gewinn wohl einen grossen Teil im interkantonalen Ausgleich wieder abgeben müssen.

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