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80-Meter-Turm: Zug steigt in die «Formel 1» im Holzbau ein
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Mit 80-Metern soll in Zug bis 2024 das höchste Holzhaus der Schweiz entstehen. (Bild: zvg)

Ein Turm voller neuer Lösungen 80-Meter-Turm: Zug steigt in die «Formel 1» im Holzbau ein

3 min Lesezeit 4 Kommentare 25.09.2019, 19:26 Uhr

An bester Lage entsteht in Zug der bisher höchste Holzturm der Schweiz. «Pi» soll 220 bezahlbare Wohnungen anbieten und rund 100 Millionen Franken kosten. Die Architekten müssen viele neue Wege beschreiten. Auch bei der Gestaltung der Wohnbereiche.

Im Kochstudio präsentierte die V-Zug Immobilien AG gemeinsam mit den Architekten und Baudirektorin Eliane Birchmeier (FDP) das Siegerprojekt «Pi», einen 80 Meter hohen Wohnturm – den bisher höchsten der Schweiz.

Dieser Turm wird im Geviert Baarer-, Göbli-, Industrie- und Mattenstrasse im besten Fall bis 2024 hochgezogen. Beim Projektausschrieb wurden insbesondere die soziale und ökologische Nachhaltigkeit hervorgehoben. Letztere wird neben dem Einsatz erneuerbarer Energien gerade auch durch die Verwendung von Holz angestrebt.

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Markant und begeisternd

Zwei Begriffe waren an diesem Mittwochnachmittag oft zu hören: «markant» und «begeistert». Markant, weil in Zug an bester Lage ein neues Hochhaus entsteht. Mit ihm als «Leuchtturm» wird auch das ganze Gebiet umgestaltet.

«Wir haben es den Teams nicht einfach gemacht.»

Beat Weiss, Geschäftsleiter V-Zug Immobilien

Begeistert, weil das Siegerprojekt voller neuer Lösungen steckt. Die Aufgabe, «zahlbaren Wohnraum in einem Holzhochhaus» zu realisieren ist bisher einmalig. «Wir haben es den Teams nicht einfach gemacht», gibt Beat Weiss, Geschäftsleiter bei den V-Zug Immobilien, auch unumwunden zu.

Der Brandschutz ist die grosse Herausforderung

Wie ambitioniert das Projekt ist, wurde auch bei den Ausführungen von ETH-Professor Andrea Frangi klar. Er sprach gar von der Formel 1 im Holzbau. «Das ist gut, denn dort entstehen neue Lösungen.»

Allen voran ist es der Brandschutz, der beim Holzbau besondere Vorgehensweisen erfordert. Bis 2004 waren deswegen gar nur zweigeschossige Bauten aus Holz zugelassen. Seither ist aber viel passiert. «Wir haben dazu so ziemlich alles abgebrannt, was wir konnten», sagte der Professor zu den Tests, die in seinem Institut gemacht wurden.

Auch auf die Aussenraumgestaltung mit verkehrsfreien Flächen wurde viel Wert gelegt. Rechts das Nebengebäude mit gemeinsam genutzten Räumen. (Bild: zvg)

Das bisher höchste Holzhaus ist 85,4 Meter hoch

Ohne allzu sehr ins Detail zu gehen: Neue technische Lösungen waren auch bei der tragenden Konstruktion oder bei den Deckensystemen gefragt. Holz ist ein lebendiges Material, das eine andere Bearbeitung als Eisen oder Beton erfordert. Meist kommen Mischkonstruktionen mit anderen Materialien zum Einsatz.

Beispiele führte Frangi anhand der bisher höchsten Holzhäusern der Welt vor, das 84 Meter hohe «hoho» in Österreich und der 85,4 Meter-Turm Mjøstårnet in Norwegen. Natürlich ist auch er begeistert von dem jetzt vorliegenden Projekt, das nun drei Wochen lang – neben den fünf weiteren eingereichten Projekten – im Zugorama der V-Zug an der Baarerstrasse ausgestellt wird.

Weniger anonym trotz vielen Bewohnern

Gerade auch die Wohnraumkonzepte haben die Stadt und die Jury besonders begeistert. Duplex-Architektin Anne Kaestle stellte die Wohnraumgestaltung vor, die trotz vieler Nachbarn persönliche Begegnungen ermöglichen soll.

Die Wohnungen haben zwar eher kleine Flächen, dafür wird mit hohen Räumen und Fenstern Platz geschaffen (Bild: zvg)

So sind jeweils drei Geschosse als Einheiten zusammengefasst, mit gemeinsam geteilten Räumlichkeiten. Weiter sind diese Nachbarschaftsbereiche jeweils auf eine Zielgruppe mit unterschiedlichen Wohnansprüchen ausgelegt: Singles und junge Paare, Familien, Senioren – aber auch Wohngemeinschaften mit mehreren Schlafzimmern sollen realisiert werden.

Besondere Nutzungsmöglichkeiten sind auch für die «Sowieso-Räume» vorgesehen: Kaestle nannte die Beispiele eines Treppenhauskinos oder gar Konzerten, die im öffentlichen Bereich stattfinden können.

Sowieso-Räume wie das Foyer sollen zum Beispiel auch für Konzerte genutzt werden können. (bild: zvg)

Innovation kostet: 100 statt 80 Millionen Franken

Man habe während der Planung, die vor einem Jahr startete, ziemlich viele Anpassungen machen müssen, sagte Beat Weiss schliesslich. Eine Schule und eine Turnhalle wären dann doch der Ansprüche zuviel – sie sind aktuell nicht mehr eingeplant. Auch die Kosten wurden nach oben korrigiert: Neu werden die V-Zug Immobilien wohl eher 100 Millionen Franken investieren müssen, statt den bisher anvisierten 80 Millionen Franken.

Als nächster Schritt steht die Erarbeitung eines Bebauungsplans für das Geviert Baarer-, Göbli-, Industrie- und Mattenstrasse an. Der Baubeginn des Projekts ist voraussichtlich Ende 2021 geplant.

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4 Kommentare
  1. Bucher Rita, 06.10.2019, 13:46 Uhr

    Ich, Dame 60+ wohne in Zug und interessiere mich für eine 21/2 Zi-Wo.
    Denkbar wäre auch “Wohnen im Alter” eine Wohngemeinschaft (60+) für etwa 4 – 5 Personen. Jedes Zimmer mit Dusche/WC ist ein MUSS. Eine Küche und einen gemeinsamen Wohnraum (evtl. plus Arbeits- und TV-Raum), Reduit und Waschküche.
    Bei den ersten aufkommenden körperlichen Beschwerden unterstützen sich die Mitbewohner gegenseitig und wo nötig kann die Spitex organisiert werden.
    Ich hoffe zu gegebener Zeit eine Antwort zu erhalten, ob eine solche Wohnform in die Planung einbezogen wird.

  2. andreas moser, 26.09.2019, 14:19 Uhr

    und wer sind die architekten???

    1. Redaktion Christian Hug, 26.09.2019, 15:04 Uhr

      Steht im Text: «Duplex-Architektin Anne Kaestle…»

  3. Medo, 26.09.2019, 11:30 Uhr

    Was heisst bezahlbare wohnungen..
    Miete 4000.- + oder..