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775’850’974 Franken in den Sand gesetzt
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434 Firmen haben im Kanton Zug 2015 Konkurs gemeldet. (Bild: fotolia.de )

Die Zuger Konkursstatistik gibt zu denken 775’850’974 Franken in den Sand gesetzt

3 min Lesezeit 22.01.2016, 05:00 Uhr

Der Kanton Zug hat seine Konkursstatistik veröffentlicht. Und diese lässt aufhorchen. Denn der Gesamtbetrag der geschuldeten Forderungen war letztes Jahr knapp dreimal so hoch wie noch im Jahr 2014. Was geht da vor?

Gläubiger haben im Kanton Zug im Jahr 2015 insgesamt über 750 Millionen Franken Verluste einstecken müssen. Im Jahr 2014 waren es nur knapp 290 Millionen Franken. Diese knappe Verdreifachung macht stutzig. Was hat das zu bedeuten? Ist die Zuger Wirtschaft etwa gefährdet? Geht es nun bachab?

Wenige grosse Firmen fallen ins Gewicht

Markus Spiess, der Leiter des Konkursamtes des Kantons Zug, relativiert: «Es ist nicht so, dass der ‹Courant normal› sich plötzlich verändert hätte. Es sind also nicht explosionsartig mehr Firmen Konkurs gegangen.» Vielmehr handle es sich um einzelne grosse Firmen, die eingegangen seien. «So etwa die ISMM AG. Deren Konkursverfahren wurde dieses Jahr beendet», erklärt Spiess.

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Die ISMM war der grösste Anteilseigner der Firma ISL Worldwide AG (International Sport and Leisure). Beide Firmen gingen 2001 Konkurs. Bei einem späteren Strafverfahren wurde festgestellt, dass die ISL während zehn Jahren Schmiergelder an verschiedenste Sportfunktionäre – auch an die Fifa – gezahlt hatte. Das Konkursverfahren der Firma läuft noch. Spiess prognostiziert jedoch: «Sobald das ISL-Verfahren zu Ende ist, werden wir wohl wieder einen grossen Ausschlag bei den Verlusten sehen.»

Der Verlust, der durch den Konkurs der ISMM entstanden ist, erkläre laut Spiess, warum die Verlustsumme letztes Jahr so hoch gewesen sei. Zudem seien noch ein paar weitere Verfahren mit grösseren Verlusten dazugekommen.

Mehr Konkurse im 2015

«Grundsätzlich können sich diese Beträge von Jahr zu Jahr stark unterscheiden», ergänzt Spiess. «Es kommt vor, dass wir von einem Jahr aufs nächste eine Verdreifachung oder eine Halbierung der Zahl haben. Ich bin grundsätzlich ein skeptischer Betrachter von Statistiken und finde, man darf diese nicht überbewerten.» Laut Spiess könnten die aktuellen Zahlen Indikatoren für das nächste Jahr sein. «Weil aber die Märkte sehr volatil sind, können sich solche Tendenzen sehr schnell ändern.»

Auch wenn man also nicht zu viel in die letztjährige Konkursstatistik hineinlesen darf: Nur rosig sieht es auf dem Wirtschaftsplatz Zug dennoch nicht aus.

«Wenn die Nachrichten stets negativ über die Wirtschaftssituation berichten, leidet auch die Zuversicht der Unternehmer.»

Markus Spiess, Leiter des Zuger Konkursamtes

Mit 434 Konkursen wurden letztes Jahr 32 Verfahren mehr eröffnet als im Jahr 2014. «Hierbei handelt es sich vorwiegend um kleinere Firmen. Für einige von ihnen wurde das Wirtschaften härter.» Ob das nur am tiefen Eurokurs liegt? Spiess erklärt: «Klar, das Währungsproblem ist der meistgenannte Grund.» Doch bei vielen Kleinunternehmen sei der Eurokurs wohl nur indirekt das Problem.

«Wenn alle immer davon reden, dass es schwierig wird und die Nachrichten stets negativ über die Wirtschaftssituation berichten, leidet auch die Zuversicht der Unternehmer.» So werde womöglich weniger Geld investiert. «Dies kann zu mehr Konkursen führen», so Spiess. «Und dann gibt es teilweise natürlich die Leute, die einfach kein Geschäft führen sollten, weil sie dazu nicht in der Lage sind.»

Konkurssituation im Kanton Zug

Im vergangenen Jahr wurden im Kanton Zug 434 Konkurse neu eröffnet, das sind 32 Verfahren mehr als im Vorjahr. Davon sind 204 (Vorjahr: 197) auf einen Organisationsmangel gemäss den Bestimmungen des Obligationenrechts zurückzuführen. Somit hatten im Jahr 2015 insgesamt 230 Verfahren, also gut die Hälfte, ihren Ursprung im Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG); im Jahr 2014 waren es 205.
 
Der Gesamtbetrag der zu Verlust gekommenen Forderungen, für welche im Jahr 2015 ein Verlustschein ausgestellt worden war, erhöhte sich auf 775’850’974 Franken; im Jahr 2014 waren es noch 287’263’275 Franken. Die sehr hohe Verlustsumme von 775’850’974 Franken ist auf vereinzelte im Jahr 2015 abgeschlossene Verfahren mit hohen Verlustbeträgen zurückzuführen. 

Immer noch sehr viele Verfahren wegen Organisationsmängeln

Von den neu eröffneten Konkursen entfielen 400 Verfahren auf im Handelsregister eingetragene Firmen und Personen. Davon wurden 112 Verfahren aufgrund einer ordentlichen Betreibung eröffnet. 204 Konkurseröffnungen (Vorjahr: 197) hatten ihre Ursache in einem Organisationsmangel. Ein solcher liegt vor, wenn die Organisation einer Gesellschaft hinsichtlich ihrer Verwaltung, Vertretung oder Revision nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht und dies zur konkursamtlichen Liquidation führt, falls der Mangel nicht rechtzeitig behoben wird.

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