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5 Prozent weniger Verkehr? «Realistisch und möglich»
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Autofreie Seebrücke? Dieses Bild wird auch weiterhin nur an Feiertagen und am Sonntagmorgen möglich sein. Doch das GVK will den Verkehr zumindest etwas eindämmen. (Bild: Luca Wolf)

Gesamtverkehrskonzept muss angepasst werden 5 Prozent weniger Verkehr? «Realistisch und möglich»

4 min Lesezeit 03.12.2015, 15:40 Uhr

30 Stellungnahmen sind zum ehrgeizigen Gesamtverkehrskonzept (GVK) der Stadt Luzern eingegangen. Dieses hat zum Ziel, den Verkehr in der Stadt um fünf Prozent zu senken. Doch zuerst muss die Stadt nachbessern – und dann müssen die Gelder bewilligt werden.

Da muss nochmals nachgebessert werden. 30 Stellungnahmen sind zum ehrgeizigen Gesamtverkehrskonzept Agglomerationszentrum Luzern (GVK) eingegangen. Träger dieses Projekts sind nebst der Stadt der Kanton Luzern, der Verkehrsverbund Luzern (VVL) und der Gemeindeverband LuzernPlus. Der Bericht zum GVK muss nun in einigen Punkten ergänzt werden. «Im Grundsatz aber fühlen wir uns bestätigt. Grosse Änderungen sind aus Sicht der Projektsteuerung nicht nötig», sagt Roland Koch, Verkehrsexperte auf dem städtischen Tiefbauamt.

Ziel des GVK: Durch eine Reduktion des Autoverkehrs zu den Hauptverkehrszeiten um 5 Prozent soll der Verkehr flüssiger gemacht werden. Dank des Ausbaus und der Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs soll die zu erwartende Zunahme der Mobilität bewältigt werden. Das Gesamtverkehrskonzept ist sowohl auf die Mobilitätsstrategie der Stadt Luzern als auch auf den kantonalen Richtplan, das Agglomerationsprogramm und den öV-Bericht abgestimmt.

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zentral+: Roland Koch, für viele Bürger tönt das Ziel des Gesamtverkehrskonzepts noch eher nach einer Wunschvorstellung: Hält die GVK-Projektsteuerung die Reduktion des Verkehrs zu Stosszeiten um 5 Prozent noch immer für realistisch?

Roland Koch vom städtischen Tiefbauamt

Roland Koch vom städtischen Tiefbauamt

Roland Koch: Ja, wir sind nach wie vor der Meinung, dass dies möglich und realistisch ist. Wichtig ist uns stets zu betonen, dass wir damit «nur» die Hauptverkehrszeiten von 7 bis 8 Uhr und 17 bis 19 Uhr meinen.

zentral+: Wie wird das überhaupt gemessen?

Koch: Auch das ist eine der Forderungen aus den 30 Stellungnahmen zum GVK. Wir müssen zeigen, wie wir das Monitoring sicherstellen. Schliesslich wollen wir prüfen können, ob die Reduktion nach der Umsetzung des GVK auch eintrifft. Dazu müssen wir Untersuchungen schon heute machen. Wir werden also erheben, auf welchen Hauptverkehrsachsen aktuell wie viele Fahrten und Verlustzeiten generiert werden. Und diese Zahlen vergleichen wir dann mit Erhebungen, die wir nach der Umsetzung machen werden.

zentral+: Nebst der öV-Förderung sieht das GVK als Hauptmassnahme vor, während der erwähnten drei Stunden pro Tag die Zufahrten aus den Quartierstrassen und Parkhäusern mittels neuer Ampelanlagen länger zurückzuhalten. So könnte der Verkehr auf den Hauptachsen besser fliessen. Aber so müssen die Leute aus den Quartieren und Parkhäusern länger warten. Gegen dieses Modell gab’s in den Stellungnahmen keine grosse Opposition?

Koch: Es gab sehr wohl kritische Stellungnahmen dazu. Für die Projektbeteiligten ist aber klar, dass es nur dank dieser Massnahme möglich ist, das Verkehrsaufkommen auf den Hauptachsen einzudämmen und somit Platz für den öV zu schaffen. Wir gehen davon aus, dass dies mehrheitsfähig sein wird. Das wird sich spätestens dann zeigen, wenn die Stadt mit dem Kredit für die neuen Ampelanlagen ins Parlament geht. Wir rechnen dazu aktuell mit Kosten von 1,6 Millionen Franken.

zentral+: Gemäss den Stellungnahmen von rund 30 Organisationen zum GVK muss die Projektorganisation aber noch einiges nachbessern. Gefordert wird etwa, dass auch der Fuss- und Veloverkehr ins Gesamtverkehrskonzept aufgenommen wird. Warum fehlte dieser Teil?

Koch: Wir sind im GVK nicht im Detail darauf eingegangen, weil wir in diesem Bereich in andern Programmen schon ganz viele Massnahmen umgesetzt und vorgesehen haben. Wir werden deshalb in den Bericht GVK eine Übersicht über all diese Massnahmen aufnehmen.

zentral+: Auch bezüglich Carverkehr muss die Projektsteuerung ein eigenes Kapitel ins GVK aufnehmen. Wird hier auch auf die mögliche Realisierung des Parkhauses im Musegghügel eingegangen?

Koch: Nein, nicht detailliert. Das Parkhaus wird ja aktuell separat geprüft. Eine Realisierung würde am Gesamtverkehrskonzept nicht viel ändern. Und nächstes Jahr schauen wir sowieso alles im Rahmen des neuen Carparkierungskonzepts an. Es geht also auch in diesem Kapitel lediglich um eine Auflistung der ohnehin laufenden Arbeiten.

zentral+: Zudem muss die GVK-Projektsteuerung Infos liefern zum «Wirtschaftsverkehr» und zum vom TCS und Wirtschaftsverbänden gewünschten Grosskreisel Bahnhof-Pilatusplatz-Paulusplatz-Bundesplatz. Das tönt knifflig.

«Wir sind überzeugt, dass sich die Verkehrsbehinderungen zu den Hauptverkehrszeiten reduzieren lassen.»

Koch: Das ist es auch. Beim Wirtschaftsverkehr müssen wir zuerst definieren, was wir darunter genau verstehen. Handelt es sich nur um den Berufsverkehr, zum Beispiel Fahrten von Servicepersonal oder zur Anlieferung? Oder auch um den Verkehr, den Private generieren, etwa, um einkaufen zu gehen? Beim Grosskreisel prüfen wir ergebnisoffen, was dieses Projekt für Auswirkungen auf den Verkehr haben würde.

zentral+: Das tönt alles nach viel Arbeit – verzögert sich die Umsetzung des GVK nun?

Koch: Nein, davon gehen wir nicht aus. Wir möchten nächsten Februar über das Gesamtverkehrskonzept informieren und es durch die Projektsteuerung beschliessen lassen. Damit lägen wir immer noch im Fahrplan. Dieser sieht vor: Mit den Kreditanträgen 2016 ins Parlament, Umsetzung in den Jahren 2017 und 2018.

zentral+: Und danach sind die städtischen Verkehrsprobleme auf lange Zeit gelöst?

Koch: Wir sind überzeugt, dass sich durch die Umsetzung des GVK die Verkehrsbehinderungen zu den Hauptverkehrszeiten reduzieren lassen.

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