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435 Millionen Steuern gespart
  • Politik
Es blieb mehr Geld in der eigenen Tasche: Volk und Unternehmen profitierten von Steuererleichterungen. (Bild: rm)

Luzerner Regierung rechnet vor 435 Millionen Steuern gespart

3 min Lesezeit 3 Kommentare 01.09.2015, 15:03 Uhr

Es sind mehr als nur nackte Zahlen. Was haben 15 Jahre Steuererleichterungen gebracht? Das wollte die SP in einer Anfrage vom Luzerner Regierungsrat wissen. Herausgekommen ist eine beeindruckende Zahl sowie eine interessante Verteilung zwischen Privaten und Unternehmen. 

Der Luzerner Regierungsrat hat alle geschätzten Steuerentlastungen der letzten 15 Jahre aufgelistet. Was haben die Bürgerinnen und Bürger mehr in der Tasche? Was haben die Revisionen des Steuersystems gebracht? Wie viel davon kam der Wirtschaft zugute?

Angefangen bei den Steuergesetzrevisionen von 2001, über 2005, 2008, 2011 bis jetzt sind insgesamt 434.5 Millionen Franken zusammen gekommen. Oder anders herum: Auf dieses Geld haben Gemeinden und Kanton verzichtet. Dies geht aus einer Antwort hervor, die der Regierungsrat aufgrund einer Anfrage der SP-Juso-Fraktion im Kantonsrat nun publiziert hat. 

«Wenn man nichts gemacht hätte, hätte man heute theoretisch so viele Mehreinnahmen.»

Paul Furrer, Dienststelle Steuern

Wie sind diese 434.5 Millionen über 15 Jahre zu verstehen? Viel ist es nicht, wenn man bedenkt, dass alleine der Kanton Luzern jährlich einen Staatsetat von über 3 Milliarden ausweist. «Wenn man nichts gemacht hätte, hätte man heute theoretisch so viele Mehreinnahmen», erklärt Paul Furrer, Sprecher der Dienststelle Steuern des Kantons. Bei den Berechnungen geht man also von gleichbleibenden Bevölkerungs- und Unternehmenszahlen aus. Die Löhne und Gewinne wurden ebenfalls für die fortlaufenden Berechnungen eingefroren. 

91 Millionen für Unternehmen

Die Verteilung ist interessant: Rund ein Fünftel der Steuererleichterungen kamen den Unternehmen zugute. Berücksichtigt sind etwa die Halbierung der Kapitalsteuern, die Senkung der Gewinnsteuern oder die Begünstigung von Holdinggesellschaften. Im Zeitraum von 2001 bis 2014 betrugen die theoretischen Steuerreduktionen für Unternehmen so 91 Millionen Franken, oder 21 Prozent (grün).

Steuerausfälle: Private & Unternehmen

(in 15 Jahren, in Mio. Franken)

(Bild: bra)

«In der Realität sehen die Zahlen heute anders aus», fügt Furrer hinzu. Dies habe die unterschiedlichsten Gründe: Bevölkerungswachstum, Teuerung oder etwa Wirtschaftswachstum. Auch konnte die Abwanderungstendenz von sogenannten «guten Steuerzahlern» Ende der Neunzigerjahre gestoppt und neue «gute Steuerzahler» konnten angesiedelt werden. «Diese positiven Faktoren wären deutlich schwächer eingetreten, hätte man die Steuerbelastung auf dem Niveau der Jahrtausendwende belassen.» 

343.4 Millionen fürs Volk

Klar ist: Ein wesentlicher Teil der Steuersenkungen blieb beim Volk. Von den 434.5 Millionen Erleichterungen gehen 343.5 an die Bürgerinnen und Bürger. Sie profitierten vor allem von der Teuerungsanpassung, von der Senkung der Vermögenssteuer oder der Teilabschaffung der Schenkungssteuer.

«Der grössere Teil wird für den Konsum verwendet.»

Christoph Hauser, Ökonom

Wie könnte das gewonnene Geld verwendet worden sein? Aus der Vogelperspektive erklärt Christoph Hauser, Ökonom an der Hochschule Luzern – Wirtschaft: «Es kommt sehr darauf an, wie sich die einzelnen Haushalte aufgrund der allgemein herrschenden wirtschaftlichen Entwicklung entscheiden. Grundsätzlich beobachtet man in der Wirtschaftswissenschaft, dass überproportional mehr gespart wird, wenn mehr Geld zur Verfügung steht. Trotzdem wird der grössere Teil für den Konsum verwendet. Da man seine Grundbedürfnisse so oder so als Erstes deckt, geht es dabei eher um luxuriösere Dinge. Es steht etwa mehr Geld für Ferien oder Kultur zur Verfügung.»

193.8 Millionen weniger für Kanton

Wenn man den Spiess umdreht: 237.7 Millionen Franken sind in den letzten Jahren den Gemeinden an Steuergeldern entgangen. Dieses Geld hätten sie ohne Gesetzesrevisionen theoretisch mehr einnehmen können. Und auf 193.8 Millionen verzichtete der Kanton. Alles in allem sehe es aber in der Staatskasse heute wesentlich besser aus, als noch vor den Steuersenkungen, sagt Paul Furrer von der Dienststelle Steuern: Vor 2001 war der Kanton Luzern die rote Laterne bei den Privaten wie auch Unternehmenssteuern, noch hinter dem heutigen Schlusslicht Kanton Jura. Das hat sich sich jetzt wesentlich verändert. Luzern hat sich bei der Steuerbelastung für natürliche Personen ins Mittelfeld vorgearbeitet und nimmt in Sachen tiefe Unernehmenssteuern in der Schweiz einen Spitzenplatz ein.» 

Steuerausfälle: Gemeinden-Kanton

(in 15 Jahren, in Mio. Franken)


 

(Bild: bra)

 

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3 Kommentare
  1. Simon Roth, 02.09.2015, 09:54 Uhr

    Leider gehen in diesem Artikel einige wesentliche Dinge vergessen. So musste in der Stadt Luzern wie auch in anderen Gemeinden der Steuerfuss erhöht werden, um die Steuergeschenke an die (Briefkasten-) Firmen zu kompensieren. Die verschiedenen Sparpakete bedeuteten eine Leistungsverschlechterung für die Bevölkerung (beispielsweise in der Bildung, bei der Betreuung behinderter Personen, Prämienverbilligungen usw.) und die Gebührenerhöhungen belasten Menschen mit wenig Einkommen ungleich höher als Reiche, die wiederum von den Steuerentlastungen überproportional profitierten.

  2. Hans Zumstein, 01.09.2015, 17:39 Uhr

    “….Auf dieses Geld haben Gemeinden und Kanton verzichtet”. Und das Leben ging trotzdem weiter! Muss eine frustrierende Erkenntnis für die Sozis sein!

  3. Robert Casagrande, 01.09.2015, 16:43 Uhr

    Das tönt ja herrlich, ist aber nur bedingt richtig. Das mit den Senkungen stimmt ja ABER die Gebühren wurden überall angepasst. Alle Leistungen des Staats waren früher subventioniert. Heute werden Sie nach dem Verursacherprinzip geschuldet. Man müsste dese Zahlen Einnahmen der Komune gegenüberstellen. Es würde mich nicht wundern, wenn ein neutrales Resultat herauskäme.