Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
374’000 Franken für EWL-Chef – Kaderlöhne werfen Fragen auf
  • Wirtschaft
  • Arbeiten
  • Politik
Die Chefs verdienen anständig: Stephan Marty (links, EWL), Norbert Schmassmann (VBL, oben rechts) und Beat Demarmels (Viva-Altersheime). (Bild: zVg)

Luzern: Stadtnahe Betriebe legen Kadersaläre offen 374’000 Franken für EWL-Chef – Kaderlöhne werfen Fragen auf

6 min Lesezeit 21.10.2016, 05:01 Uhr

Die Kaderlöhne der selbständigen städtischen Unternehmen sind dieses Jahr erstmals offengelegt worden. Bei den Initianten dieser Transparenz-Offensive sorgen die teils stolzen Summen für Stirnrunzeln. Sie wollen mehr Informationen. Die Grünen verlangen sogar, dass alle Betriebe, die städtische Unterstützung erhalten, ihr Lohnbuch öffnen.

Der Chef von Energie Wasser Luzern (EWL) verdient beinahe doppelt so viel wie ein Luzerner Stadtrat. Das geht aus der Stadtluzerner Gesamtplanung hervor, die diesen Donnerstag publiziert wurde. In diesem Dokument hat die Stadt erstmals die Cheflöhne der selbständigen städtischen Betriebe aufgelistet. Es handelt sich um die EWL, die Verkehrsbetriebe (VBL) und die Viva AG, die Betreiberin der ausgelagerten Altersheime.

Bei den CEOs schwingt klar Stephan Marty von EWL obenaus. Er verdiente letztes Jahr mit 373’631 Franken fast 100’000 Franken mehr als der Chef der Verkehrsbetriebe Norbert Schmassmann und sogar 150’000 Franken mehr als der Geschäftsleiter von Viva, Beat Demarmels.

Unterstütze Zentralplus

 

Ein Grund dafür liegt in den vergleichsweise hohen Löhnen in der Energiebranche. So bezieht beispielsweise Felix Graf, CEO der (deutlich grösseren) Luzerner CKW, ein Jahresgehalt von über 600’000 Franken; die Chefin der Bernischen Kraftwerke (BKW), Suzanne Thoma, kassierte letztes Jahr gar über eine Million Franken. Die Kadersalärstudie der ­Unternehmensberatungsfirma Kienbaum und der «Handelszeitung» kam letztes Jahr zum Schluss, dass die Energiebranche zu den Spitzenreitern beim Lohnwachstum gehört.

Das veranschaulichen auch die Gehälter der erweiterten Chefetage von EWL. Die Geschäftsleitung wurde im letzten Jahr mit über einer Million Franken entlöhnt – was pro Person knapp 240’000 Franken entspricht.

«Fast das Doppelte an Lohn wie ein Stadtrat ist schon erstaunlich viel.»

Christian Hochstrasser, Grossstadtrat (Grüne)

Auch bei den VBL kassierten die vier weiteren Geschäftsleitungsmitglieder 2015 durchschnittlich 195’000 Franken. Bei Viva betrug die Lohnsumme des obersten Kaders sogar 1,7 Millionen Franken. Weil nebst CEO Beat Demarmels allerdings zehn weitere Personen in der Geschäftsleitung sitzen, ergibt das durchschnittlich einen Jahreslohn von 170’000 Franken.

Das zeigt: Nicht nur der oberste Boss wird gut entlöhnt, sondern auch die weiteren GL-Mitglieder bewegen sich mit ihren Salären annähernd auf dem Niveau der Stadtluzerner Regierungsmitglieder. Diese verdienen seit diesem Jahr noch 200’000 Franken jährlich, wobei der Stadtpräsident Beat Züsli 220’000 Franken bezieht. Denn die Luzerner Stimmbevölkerung hat der Regierung im März 2015 einen Lohndeckel aufgebrummt: Mit deutlicher Mehrheit wurde eine Initiative der SVP angenommen, die eine Lohnkürzung von rund 20 Prozent forderte. Bis Ende 2015 wurde der Stadtpräsident noch mit gut 263’000 Franken entlöhnt, die Stadträte mit jeweils 247’000 Franken.

Jost muss grössten Teil abgeben

Im Bericht aufgeführt sind auch die Vergütungen der Verwaltungsräte der drei Aktiengesellschaften. Auch hier fallen ansehnliche Summen an.

 

 

 

Weil die Stadt Hauptaktionärin der Unternehmen VBL, EWL und Viva ist, sitzt in diesen Verwaltungsräten auch jeweils ein Vertreter der Stadtregierung. 2015 war dies bei allen drei Firmen die grünliberale Baudirektorin Manuela Jost (wobei bei der VBL auf Mitte Jahr FDP-Sozialdirektor Martin Merki ihren Posten übernahm). Mit diesen drei Mandaten verdiente Jost im letzten Jahr insgesamt knapp 57’000 Franken. Doch mit diesem Geld schöne Ferien auf den Malediven machen kann sie nicht. Behalten darf Jost nämlich nur 2000 Franken pro Mandat – also insgesamt 6000 Franken. Der Rest fliesst in die Stadtkasse, so will es das entsprechende Reglement.

Einschätzung sei schwierig

Die Transparenz-Offensive geht zurück auf politische Vorstösse von Seiten SP und Grünen (zentralplus berichtete). Die damaligen Initianten sind mit der Auflistung in der Gesamtplanung grundsätzlich zufrieden.

«Es ist genau so, wie wir das gefordert haben», sagt Grossstadtrat Christian Hochstrasser (Grüne). Die Auflistung schaffe einen guten Einblick. Dabei gehe es keineswegs um «Lohnneid», sondern um Transparenz, so Hochstrasser. Ihm sei besonders der hohe Lohn des CEO von EWL aufgefallen. Aber ob das angemessen sei, könne er nicht abschliessend beurteilen. «Fast das Doppelte wie ein Stadtrat ist aber schon erstaunlich viel.»

Auch Simon Roth (SP-Grossstadtrat) fällt auf, dass der EWL-CEO deutlich mehr verdient als die Stadträte. «Es stellt sich schon die Frage, ob das gerechtfertigt ist.» Auch die 60’000 Franken für die Verwaltungsratspräsidentin der Verkehrsbetriebe, Yvonne Hunkeler, hinterliessen «Fragezeichen». Ohne weitere Informationen sei es jedoch schwierig, zu beurteilen, wie plausibel die Auszahlungen seien. Roth kündigt aber an, die Hintergründe im Rahmen der Kommissionssitzung abklären zu lassen.

«Der Auslöser ist nicht Misstrauen, im Gegenteil: Es geht primär um das Vertrauen der Bevölkerung in die Stadt.»

Urban Frye, Grossstadtrat (Grüne)

Roth hält zudem fest, dass die Auflistung noch mehr Informationen enthalten könnte, beispielsweise, wie viele Sitzungen die jeweiligen Verwaltungsräte abhielten. «Damit könnte man noch besser einschätzen, in welchem Verhältnis die Vergütung steht.»

Transparenz ausweiten

Einen Schritt weiter geht Urban Frye, Stadtparlamentarier der Grünen. Er ist der Meinung, dass weitere Betriebe ihre Kaderlöhne offenlegen müssten. «Die Stadt sollte bei allen Unternehmen, bei denen sie Einsitz und damit ein Mitspracherecht hat, darauf hinwirken.» Dazu gehörten beispielsweise die Hallenbad Luzern AG, die Stadion AG oder auch Kulturbetriebe. Das Druckmittel dazu stehe bereit: «Die Stadt könnte die Subventionen an diese Bedingung knüpfen.» Er plane einen Vorstoss in diese Richtung, kündigt Frye an.

«Der Auslöser ist nicht Misstrauen, im Gegenteil: Es geht primär um das Vertrauen der Bevölkerung in die Stadt», betont Frye. Die Öffentlichkeit solle sehen, dass sich in den stadtnahen Betrieben niemand ungerechtfertigt eine goldene Nase verdiene. Frye glaubt denn auch, dass die jetzt offengelegten Löhne keinen grossen Aufstand in der Bevölkerung verursachen – genau das sei das Ziel gewesen.

Klar ist: Die Zeichen der Zeit stehen auf mehr Transparenz. Auch der Kanton Luzern hat beschlossen, ab 2017 die Cheflöhne beispielsweise beim Luzerner Kantonsspital, der Uni oder der Polizeischule in Hitzkirch offenzulegen (hier geht’s zum Artikel).

Umstritten ist, wie sich die «gläsernen Cheflöhne» auf deren Höhe auswirken. Oft wird die These vertreten, dass die Ansprüche der Manager steigen, wenn sie ihr Salär mit anderen vergleichen können – und dies die Löhne in die Höhe treibt. Andererseits kann Transparenz auch zum Gegenteil führen: Bei der Aargauer Kantonalbank zum Beispiel beschloss das Kantonsparlament vor einem Jahr einen Lohndeckel von 600’000 Franken für die Chefetage – um die «Löhne zu normalisieren» und zu gewährleisten, dass die Bankführung nicht mehr als das Doppelte der Regierungsräte verdient.

Die Vergütungen der Verwaltungsräte 2015

Verkehrsbetriebe Luzern

 Vergütung    

     Spesen

        Total

 2014

Yvonne Hunkeler (Präsidentin)

60’000

0

60’000

60’000

Pirmin Willi (Vizepräsident)

17’000

9100

26’100

29’600

Manuela Jost (bis 2. Juni)

8500

700

9200

19’800

Martin Merki (ab 2. Juni)

8500

3500

12’000

0

Silvana Beeler Gehrer

17’000

9300

26’300

25’600

Erwin Rutishauser

17’000

7700

24’700

28’200

         

Energie Wasser Luzern

       

Silvio Degonda (Präsident)

34’000

13’750

47’750

51’000

Josef Langenegger (Vizepräsident)

21’000

6000

27’000

25’750

Rudolf Freimann

18’000

4500

22’500

22’000

Hans Jakob Graf

18’000

4500

22’500

22’000

Manuela Jost

18’000

3500

21’500

22’000

Jeannette Simeon-Dubach

18’000

4500

22’500

22’000

Adrian von Segesser

18’000

4500

22’500

22’000

         

Viva

       

Beat Däppeler (Präsident)

50’000

9800

59’800

5500

Elsbeth Wandeler (Vizepräsidentin)

20’000

9200

29’200

2300

Manuela Jost

20’000

6200

26’200

2300

Rolf Krummenacher

20’000

6200

26’200

2300

Alice Rufer Hohl

20’000

6200

26’200

2300

Guido Schüpfer*

20’000

6800

26’800

2300

*Vergütung erfolgt an das Kantonsspital

     

In unserer Galerie sehen Sie Fotos aller Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen der drei Betriebe:

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare