Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
24 Unfälle jährlich – Tendenz steigend
  • Gesellschaft
Unfallgrafik 2012 (Bild: Printscreen www.unfallkarte.ch )

Wenn die Zuger Blegikurve zum Verhängnis wird 24 Unfälle jährlich – Tendenz steigend

4 min Lesezeit 1 Kommentar 03.07.2015, 15:09 Uhr

Die Zuger Blegikurve hat es in sich. Wer mit dem Auto von Zug nach Luzern fährt, kann sich keinen Bleifuss erlauben. Vor der Blegikurve heisst es: Runter auf 80. Und das aus gutem Grund. Jährlich passieren in der Kurve mehrere Unfälle. Die Zahl hat in den letzten 9 Jahren stark zugenommen. Und das, obwohl die Strasse extra ausgebaut worden ist.

Die Blegikurve ist die wohl bekannteste Kurve im Kanton Zug. Die Autobahnkurve befindet sich in der Nähe von Cham und führt Autofahrer mittels einer 90 Grad-Kurve in Richtung Luzern, respektive Zug. Der Autobahnabschnitt wird zwar nicht gefürchtet, doch mit gebührendem Respekt behandelt. Nicht umsonst werden Verkehrsteilnehmer vor der Kurve dazu aufgefordert, ihr Vehikel auf 80 km/h zu reduzieren.

Ausbau bis 2012 ohne Verbesserung?

2010 wurde die Kurve ausgebaut. Dies um genügend leistungsstark zu sein, nachdem die Autobahn nach Zürich ausgebaut wurde. Zudem sollte mit dem Ausbau Stau vorgebeugt werden und die Sicherheit so verbessert werden. Ende 2012 ist der Ausbau abgeschlossen. Doch hat’s genützt? Mitnichten, zeigen die Zahlen des Bundesamt für Strassen (Astra).

Unterstütze Zentralplus

Die gute Nachricht zuerst: Es kracht zwar relativ häufig, doch wenn, dann fordern die Unfälle an der Blegikurve zumeist keine oder nur Leichtverletzte. Dennoch ist eine Zunahme der Blechschäden klar erkenntlich.

Eine Versechsfachung der Unfälle

Wie man untenstehender Grafik entnehmen kann, passierten 2005 vier Unfälle mit nur Sachschaden. 2013 waren es sechsmal so viele, also insgesamt 24. Ebenso viele waren es 2014. Eine Unfallzunahme lässt sich auch erkennen, wenn man die Zahlen der Unfälle mit Leicht- bis Schwerverletzten betrachtet. Zwischen 2005 und 2013 lag die Zahl der Unfallverletzten je zwischen null und fünf Personen. 2014 waren es zehn.

Maximale Schwere  Total 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2007   2006  2005
Unfälle mit nur Sachschaden 126 24 24 19 16 11 10 6 4  8 4
Unfälle mit Leichtverletzten 31 9 1 5 3 1 5 0 1 2 4
Unfälle mit Schwerverletzten 2 1 0 0 0 0 0 0 1 0 0
Unfälle mit Getöteten 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0

Was sind die Gründe für diese starke Unfallzunahme? Guido Bielmann vom Astra erklärt: «Für die Zunahme sind verschiedene Erklärungen möglich. Einer der wichtigsten Punkte ist sicherlich die Verkehrszunahme der letzten Jahre.» Daher seien solche Vergleiche zwischen den Jahren nur mit Vorsicht zu ziehen. «Die Zunahme, die ab 2011 auffällt, hat möglicherweise auch damit zu tun, dass die Unfall-Aufnahmeprotokolle der Polizei vereinheitlicht wurden.» Will heissen, dass dort wahrscheinlich seither präziser gearbeitet wird, also auch mehr Unfälle registriert werden.

Auf der Schweizer Unfallkarte zeichnet sich ein faszinierendes Bild zur Unfallsituation zwischen 2011 und 2014 (die vorhergehenden Jahre sind auf der Karte nicht abrufbar).

Gerade 2011 fällt auf, dass sich die Unfälle im Südwesten, also erst nach der Kurve, in diesem Jahr gehäuft haben. Marcel Schlatter von der Zuger Polizei erklärt dazu: «Wie man auf der Karte feststellen kann, ist nicht primär die Blegikurve das Problem, sondern viel mehr der Zusammenschluss nach der Kurve.» Seit der Eröffnung der Autobahn in Richtung Zürich komme es laut Polizei zu speziellen Verflechtungen, die es so vorher nicht gegeben habe.

So gebe es in Fahrtrichtung Luzern aus Zürich kommend Fahrzeuglenkende, die nach rechts fahren, um die Ausfahrt Cham zu nutzen. Umgekehrt gäbe es Fahrzeuge, welche die Blegikurve befahren und danach nach links fahren, um auf die Spur in Fahrtrichtung Luzern zu gelangen. «Diese x-förmige Verflechtung birgt natürlich Konfliktpotential und bedingt, dass man dem Strassenverkehr die volle Aufmerksamkeit schenkt. Fast alle Unfälle, die wir dort verzeichnen, sind entweder Auffahrunfälle oder Streifkollisionen.»

Unfallgrafik 2011

Unfallgrafik 2011

(Bild: Printscreen www.unfallkarte.ch)

Die Argumentation der Polizei macht Sinn. Blickt man jedoch auf die Karten von 2012-2014, lassen sich massiv weniger Unfälle in der Gerade erkennen. Es bleibt offen, ob die Unfälle abgenommen haben, weil sich die Autofahrer an die neue Situation gewöhnt haben oder ob im Jahr 2011 genau auf dieser Geraden gebaut wurde, so dass dort deswegen mehr Unfälle passiert sein könnten.

Unfallgrafik 2012

Unfallgrafik 2012

(Bild: Printscreen www.unfallkarte.ch)

Die Zuger Polizei empfindet die aktuellen Zahlen jedenfalls nicht als alarmierend. Schlatter sagt: «Bei solch kleinen Fallzahlen Trends oder Hintergründe zu deuten, ist schwierig. Ausreisser gegen oben oder unten sind immer möglich.»

 

Unfallgrafik 2013

Unfallgrafik 2013

(Bild: Unfallkarte.ch)

Auch wenn die Grafiken von 2013 und 2014 verglichen mit dem Jahr 2011 harmlos aussehen, war die Unfallzahl in diesen Jahren mit je 24 die höchste. Es ist wahrscheinlich, dass in der Tabelle des Astra nur jene Unfälle beinhaltet sind, die sich unmittelbar in der Kurve zutrugen und die Geraden vorher und nachher gar nicht berücksichtigt wurden.

Unfallgrafik 2014

Unfallgrafik 2014

(Bild: Printscreen www.unfallkarte.ch)

Es bleibt also zu sagen, dass der Ausbau der Blegikurve faktisch keine Unfallminderung gebracht hat. Falls die Mehrung der Kollisionen tatsächlich auf den zunehmenden Verkehr zurück zu führen ist, darf man in Zukunft davon ausgehen, dass es in der Blegikurve noch viel häufiger «chlöpft».

Ihre Meinung interessiert uns! Als Community-Mitglied können Sie diese mit der Kommentar-Funktion mitteilen. 

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. Christian Herbert Hildebrand, 03.07.2015, 15:42 Uhr

    Dass der Herr vom Astra die genaue Ursache der Unfälle in der Blegikurve nicht zu kennen vorgibt, ist ehrenrührig.
    Jeder der die Kurve vorher kannte und sie jetzt schon mal durchfahren hat, wird in Kürze den Fehler in der Kurvenkonstruktion bemerken.
    Früher ist man mit 60kmh in einem Zug durch die Kurve durchgefahren. Heute zieht der Radius der Kurve steil an, gibt in der Mitte etwas nach um nachher wieder anzuziehen. Eine absolute Fehlkonstruktion, die ein Nachziehen am Steuerrad verlangt.
    Dass dadurch mach ein Automobilist unfreiwillig ob der Ueberraschung die Spur nicht halten kann, ist selbstredend.
    Selbstverständlich sollte jeder so einer Situation gewachsen sein, aber wie die Grafik deutlich zeugt ist, dem eben nicht so. Insbesondere bei rutschigen Verhältnissen, kann ein Nachziehen Müssen am Lenkrad schnell zu einem Schleuderunfall führen.