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20 Jahre nach der ersten Kandidatur gelingt ihr der Sprung ins Bundeshaus
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Sie ist in Zug die Frau der Stunde: Manuela Weichelt, frisch gewählte Nationalrätin. (Bild: wia)

Manuela Weichelt: Eine Zugerin schreibt Geschichte 20 Jahre nach der ersten Kandidatur gelingt ihr der Sprung ins Bundeshaus

3 min Lesezeit 21.10.2019, 05:00 Uhr

Das hat aber gedauert. Lange mussten die Zuger Politikerinnen durchbeissen, bis er ihnen endlich gelang: der Einzug ins Bundeshaus. Mit der Wahl Manuela Weichelts ist das nun passiert. Damit befreit sich Zug endlich vom Vorwurf der ewigen Männerbastion.

Zwanzig Jahre sind vergangen, seit Manuela Weichelt-Picard das erste Mal für den Nationalrat kandidiert hat. Und nun, am 20. Oktober 2019, ist es ihr gelungen. Nicht nur gelang ihr der Einzug in den Nationalrat. Nein, sie schrieb gleich noch Geschichte. Denn sie ist die erste Frau, welche die Zugerinnen und Zuger überhaupt nach Bern schicken (zentralplus berichtete).

«Ich kann es noch nicht richtig fassen», sagte die Frischgewählte kurz nach Bekanntgabe der Resultate. «Ich freue mich riesig. Erstens, dass wir den linken Sitz zurückholen, zweitens dass ich die Ehre habe, als erste Zugerin nach Bern zu gehen, und drittens, dass wir in Bern nun mehr soziale und Umweltthemen behandeln werden.»

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«Ich habe die Zuger immer als sehr offen empfunden.»

Manuela Weichelt, frisch gewählte Nationalrätin

Hätte sie geglaubt, dass sie 20 Jahre nach ihrer ersten Nationalratskandidatur die erste Frau in Bern sein würde? «Eigentlich nicht. Ich habe die Zuger immer als sehr offen empfunden. Ich war erst drei Jahre im Kanton, als ich 1994 als jüngste Kantonsrätin gewählt wurde. 2006 gelang mir der Sprung in den Regierungsrat auf Anhieb und ich wurde dort zwei Mal bestätigt.»

Ein gar grüner Tag für Zug: ALG-Frau Manuela Weichelt wird neu Nationalrätin.

Einer der letzten vier frauenlosen Kantone

Warum also taten sich die Zuger so lange so schwer damit, eine Frau ins Bundeshaus zu schicken? «Ich weiss es nicht. Zumal auch viele gute Frauen kandidiert haben. Ausserdem: Die Kantone Glarus, Obwalden, Appenzell Innerhoden und Zug wählten noch nie eine Frau nach Bern. Davon war Zug der einzige, der 1971 Ja sagte zum Frauenstimmrecht.»

Doch lange über diese Begebenheit nachdenken mag Weichelt am Wahlsonntag nicht: «Ich freue mich jetzt einfach darüber, dass die Zugerinnen und Zuger finden, es sei Zeit für eine Frau in Bern.»

Sie ist in Zug ein alter Polithase: Schon in den 90ern mischte Manuela Weichelt im Kantonsrat mit.

Und das tut sie auch. An der Wahlversanstaltung der Alternative-die Grünen wird die ehemalige Regierungsrätin umschwärmt wie eine Bienenkönigin, sie kommt kaum mehr aus dem Umarmen heraus. Ausser, wenn sie Interviews geben muss.

Noch nie hatten in Zug so viele Frauen für die National- und Ständeratswahlen kandidiert wie dieses Jahr. Mit 49,3 Prozent war der Anteil der weiblichen Kandidaturen gar schweizweit am höchsten.

Wohlwollen von Linken und Bürgerlichen

Selbst parteiübergreifend konnten sich die Kandidatinnen in Zug für Weichelt freuen. So etwa Karen Umbach, welche die meisten Stimmen bei der FDP einheimste. In Manuela Weichelt sehe sie «eine würdige Vertretung in Bern».

So sieht es auch Christina Bürgi-Dellsperger, die bei der SP zuoberst auf der Hauptliste thronte. «Es freut mich, dass wir den linken Sitz wiederhaben und ebenfalls, dass eine Frau gewählt wurde. Auch wenn es mir natürlich lieber gewesen wäre, wenn der Sitz an die SP gegangen wäre», sagt Bürgi und verrät: «Als ich mit 18 Jahren zum ersten Mal im Bundeshaus zu Besuch war, entstand bereits der Wunsch, dereinst als Nationalrätin zurückzukehren.»

«Es steht Zug gut an, dass wir nicht die Letzten sind, die eine Frau nach Bern schicken.»

Vroni Straub, CSP-Stadträtin

Als «doppelt eindrücklich» beschreibt es Vroni Straub-Müller, direkte Listenkonkurrentin von Manuela Weichelt. «Gerade weil Zug ein sehr bürgerlicher Kanton ist, ist die Freude besonders gross, dass eine linke Frau in den Nationalrat gewählt wurde. Das kann man beinahe als historisch bezeichnen.»

Und die Stadträtin ergänzt: «Es steht Zug gut an, dass wir nicht die letzten sind, die eine Frau nach Bern schicken.»

Diese Zeiten sind nun definitiv vorbei.

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