150 Franken Coronaprämie für Pflegepersonal als «Zeichen der Wertschätzung»
  • Gesellschaft
Derzeit fordern viele Pflegefachfrauen mehr Wertschätzung gegenüber ihrer Arbeit. (Bild: zvg)

Luzerner Pflegefachfrau ist enttäuscht 150 Franken Coronaprämie für Pflegepersonal als «Zeichen der Wertschätzung»

4 min Lesezeit 9 Kommentare 23.02.2021, 05:00 Uhr

Angestellte des Luzerner Kantonsspitals erhalten als «Zeichen der Wertschätzung» eine Coronaprämie bis zu 150 Franken. Im Kanton Waadt gab’s 900 Franken. Eine Pflegefachfrau aus Luzern ist enttäuscht, denn sie hätte mehr erwartet. Das Kantonsspital hingegen möchte auf eine «nachhaltige Lohnmassnahme» setzen.

Gerade einmal 120 Franken erhält eine Pflegefachfrau, die im Luzerner Kantonsspital (Luks) in einem 80-Prozent-Pensum tätig ist. Das, als Zeichen der «besonderen Wertschätzung», um ihr für den ausserordentlichen Einsatz während der Coronapandemie zu bedanken.

«Ich wusste nicht, ob ich lachen oder ob ich weinen sollte», sagt die Pflegefachfrau, die anonym bleiben möchte. Der Brief mit der Prämie flatterte ihr vergangene Woche ins Haus. «Eigentlich hätte ich mit mehr gerechnet.» Zum Vergleich: Das Waadtländer Pflegepersonal bekam eine Coronaprämie in Höhe von 900 Franken. Und zwar für rund 14’000 Pflegende, die in direktem Kontakt mit den Patienten standen und dem Virus ausgesetzt waren, wie der Kanton Waadt in einem Communiqué schrieb. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf rund 15 Millionen Franken und werden vom Kanton übernommen.

150 Franken für die Zusatzbelastung

Auf Anfrage beim Luks geht man weder auf die Frage ein, wie berechnet wurde und wer wie viel erhält, noch wird die Frage beantwortet, wie gross diese Coronaprämien – das heisst die tiefste und die grösste Prämie – ausfallen. Es heisst lediglich, dass die angesprochene Prämie in Form einer einmaligen Zuwendung «pensenbereinigt alle Mitarbeitenden erhalten haben». Weiter gab es eine Prämie für Mitarbeitende der Intensivpflege «in Form eines Gutscheins».

Die Pflegefachfrau weiss aus einem internen Schreiben mehr: Die Angestellten des Luzerner Kantonsspitals erhalten mit dem Februarlohn eine einmalige Prämie zwischen 50 und 150 Franken, je nach Arbeitspensum. Damit soll der pandemiebedingten allgemeinen Zusatzbelastung «mit einem frei zur Verfügung stehenden Betrag Rechnung getragen werden».

«Ich bin enttäuscht», sagt die Pflegefachfrau. «120 Franken für die vermehrte Belastung und die Verantwortung, die ich letztes Jahr übernommen habe – das ist wie ein Schlag ins Gesicht.»

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Das Luks will «nachhaltige Lohnmassnahmen»

Das Luks sagt auf Anfrage lediglich, dass die Coronapandemie in vielerlei Hinsicht eine grosse Herausforderung sei. Nicht zuletzt auch finanziell. «Einerseits wurden gewisse Bereiche zeitweise an ihre Belastungsgrenzen gebracht, anderseits hatten das Operationsverbot im Frühjahr 2020 und die erbrachten Vorhalteleistungen während des ganzen Jahres erhebliche finanzielle Auswirkungen auf den Betrieb», schreibt Mediensprecher Markus von Rotz.

Und weiter: «Trotz der angespannten Finanzlage haben die Verantwortlichen ein ganzes Massnahmenpaket beschlossen, um den enormen Einsatz der Mitarbeitenden in den vergangenen Monaten zu honorieren und damit ein Zeichen der Wertschätzung zu setzen.»

«120 Franken für die vermehrte Belastung und die Verantwortung, die ich letztes Jahr übernommen habe – das ist wie ein Schlag ins Gesicht.»

Pflegefachfrau

Neben der einmaligen Prämie lege das Luks «den Schwerpunkt der Zuwendungen auf eine nachhaltige Lohnmassnahme». So werden die Mittel für die individuelle Besoldungsanpassung 2021 nicht wie üblich linear verteilt, sondern sie fallen in den besonders belasteten Bereichen wie etwa der Pflege deutlich höher aus als im Durchschnitt des Luks, so Mediensprecher Markus von Rotz. Mit diesem «ausgewogenen Massnahmenpaket profitieren einerseits alle Mitarbeitenden und anderseits wird den unterschiedlichen Covid-19-bedingten Belastungen der Abteilungen und Berufsgruppen nachhaltig Rechnung getragen.» 

Die Pflegefachfrau weiss: Der Spitalrat hat für dieses Jahr im Durchschnitt 0,75 Prozent der Lohnsumme für individuelle Besoldungsanpassungen bewilligt.

Arbeitsalltag verändert

Der Arbeitsalltag der Pflegefachfrau veränderte sich durch Corona massiv. Das Personal musste flexibler sein, was Arbeitszeiten anbelangt. «Zum Teil wussten wir erst am Vortag, wie wir am nächsten Tag arbeiten mussten», so die Pflegefachfrau. «Arbeitspläne wurden wöchentlich verändert und das über mindestens zwei Monate lang.»

Hinzu kommen vermehrt Telefonate von Angehörigen, die Patienten besuchen wollen, dies aber nicht dürfen, weil durch Corona ein Besuchsverbot gilt – das unter anderem nicht für sterbende Patienten gilt, wohl aber für Schwerkranke auf den Stationen. «Zum Teil sind dann die Angehörigen ungeduldig und unfreundlich, wenn wir nicht gerade Zeit haben, um zu telefonieren. Dann muss man sich rechtfertigen, warum sie nicht zu Besuch kommen dürfen.»

Die Gedanken kreisen um einen Jobwechsel

Ob es die 120 Franken wettmachen? In letzter Zeit fehlt der Pflegefachfrau der Ausgleich zum Privatleben, sie fühlt sich vermehrt ausgelaugt.

Denn ihr Job bedeutet, Verantwortung in jeder Minute zu übernehmen. Das Pflegepersonal arbeitet mit kranken Menschen und mit Medikamenten. Wenn es nicht zu 100 Prozent da ist oder wenn ein Medikament vertauscht wird, kann das fatale Folgen haben. Das als Dankeschön geklatscht wird, Schokolade geschenkt wird und eine Prämie in Höhe von 120 Franken, gibt der Pflegefachfrau zu denken. Auch sie sei «drauf und dran, einen neuen Job zu suchen».

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9 Kommentare
  1. paul, 23.02.2021, 11:59 Uhr

    wertschätzung muss heute immer mit geld bewertet werden. schade krank und traurig.
    danke allen leuten welche in dieser zeit unglaubliches geleistet habeb. danke allen den grossen schaffer(innen) welche mit guten tun ihre wertschätzung durch die gute tat , den riisen einsatz und ihrer zufiedenheit erhalten. ihr seit helden!!! und ihr wisst das! danke ihr guten menschen ohne preisschild!
    und ja die pflege ist unterbezahlt … auch schon vor den corona

    1. Raymond, 27.02.2021, 12:19 Uhr

      Vom Klatschen und einem warmen Händedruck, der aktuell sowieso nicht möglich ist, kann sich das Pflegepersonal nichts kaufen.
      Vor einigen Jahren gab es mal einen verwirrten welschen Politiker, der meinte, dass das Pflegepersonal zu Gotteslohn arbeiten soll. Der Shitstorm folgte stark und heftig. Richtig so.

  2. Kasimir Pfyffer, 23.02.2021, 11:31 Uhr

    Was sagen eigentlich all die selbsternannten «Gesundheits»politikerInnen zu dieser Schweinerei? Aha, Atemprobleme, weil die fetten Krankenkassenmandate und Spital-Pöstli im Hals steckenbleiben? Keine Bange, eine unterbezahlte Pflegefachfrau rettet sie gerne!

  3. CScherrer, 23.02.2021, 10:43 Uhr

    Das Beklatschen im vergangenen Jahr habe ich bereits zur genüge kritisiert. Der Verlauf hat dann auch gezeigt, dass ich recht hatte. Solidarität existiert in der Schweiz nur sehr gering. Jeder ist sich der Nächste und lässt sich nur zu gerne Bespassen. Ich will alles und zwar jetzt, so das Motto. Das medizinische Personal hat die Möglichkeit, sich als Erste impfen zu lassen. Bekanntlich ist das medizinische Personal von Wunderheileranhänger und anderen esoterisch veranlagten Alluminumhut tragenden unterwandert. Viele lassen sich gar nicht impfen und so warten Menschen, die sich impfen lassen wollen immer noch. Man erwartet Wertschätzung, ist aber nicht gewillt, solidarisch zu sein. Natürlich gilt dies nicht für alle.
    Richtig ist, dass diese Pflegenden einen Beruf gewählt haben und damit verbunden eine sehr grosse Verantwortung haben. Richtig ist, dass diese Pandamie für die Pflegenden eine ausserordentlche Situation war und zu einer sehr hohen Belastung geführt hat. Richtig ist aber auch, dass wir als Gesellschaft solidarisch handeln müssen, um diese Pandemie zu überwinden. Über Löhne kann, soll diskutiert werden können. Eine Pandemie als Argument anzuführen, ist jedoch etwas geschmacklos. Nicht so geschmacklos, wie das Beklatschen und Beschenken der Mitte Partei CVP. Wir alle werden die entsprechenden Konsequenzen aus dieser Pandemie ziehen. Der bisherige Regierungsrat Graf ist abzuwählen. Sieht man sich den bürgerlichen, der FDP nahe stehenden Spitalrat genau an, verwundert einem dann aber auch nichts mehr. So gesehen einfach bürgerlich schwach. Dem Spitalpersonal empfehle ich, dass man anstelle von komischen Fasnachtsvideos alle Geimpften mal schön beklatscht. Dann wäre die Kirche wieder im Dorf. Hoppela.

    1. Kräuterpfarrer Bazzti, 23.02.2021, 11:50 Uhr

      Ihr Kommentar empfinde ich als richtiggehend hetzerisch und hochkarätig diffamierend. Ganze Berufsgruppen werden durch Sie im zweihänderischen Rundumschlag auf Vorrat und ohne Beweise für Ihre Behauptungen schwer diskriminiert!
      Jede Berufsgruppe, die über berufsspezifisches Insiderwissen verfügt, handelt so. Fragen Sie doch z.B. mal einen Rechtsanwalt, ob er es persönlich für eine adäquate Sache hält, sich persönlich in einen Prozess zu verstricken! Fragen Sie einen Bauchemiker oder einen Werkstoffingenieur, ob er die Stoffe, die er entwickelt oder einsetzt, auch für den Bau seines eigenen Hauses, das evtl. seine Nachkommen beherbergt, verwenden würde. Fragen Sie einen Versicherungsvertreter, ob er seine eigenen Versicherungslösungen kaufen würde. Fragen Sie Bill Gates, ob seine Kinder auch geimpft sind!

      Das sind alles durchaus relevante Fragen, die in den Konsensfindung gestellt werden sollen, müssen und dürfen. Alles andere ist schlicht Polemik und unangebrachte Verklammerung von (rhetorischen) Kampfbegriffen, die in dieser Diskussion nichts verloren haben! Das ständige Schwingen der Verschwörungstheoretiker- und Aluhutträger-Keule wird mittelfristig nicht das bewirken, was Sie sich vielleicht davon erhoffen. Andere Meinungen müssen immer Platz haben, und das politische System muss sich in demokratischer Manier dafür einsetzen, dass dies immerzu gewährleistet ist – alles andere ist totalitäre Gleichschaltung. Es sei Ihnen ans Herz gelegt: Alles Sehen ist perspektivisches Sehen! Es gibt keine objektive Realität, unabhängig vom Betrachter. Realität wird mutmasslich nicht abgebildet, sondern errechnet. Das ist bei Ihnen nicht anders. Es gibt auch keine uneingeschränkte, unangreifbare Wahrheit, die für alle gleichermassen gelten würde. Ausser Sie würden das Leben in einer absoluten Theokratie vorziehen!

  4. Wert Schätzer, 23.02.2021, 09:38 Uhr

    Ganz ehrlich, ich tue mich ein bisschen schwer damit, wenn Angestellte plötzlich Prämien und Lohnerhöhungen fordern, wenn sie einfach ihren Job machen, für welchen sie ausgebildet und angestellt sind. Wenn jemand mehr als die vereinbarten Stunden arbeitet, so ist es auch selbstredend, dass die Überstunden bzw. Überzeit mit entsprechend vereinbartem Zuschlag ausbezahlt oder kompensiert werden können. Ist ein Geschäftsjahr finanziell besonders erfolgreich, so soll eine einmalige Prämie ausbezahlt werden. Aber jetzt einfach pauschal mehr Lohn zu fordern, weil grad Pandemie ist, geht für mich nicht. Ein Pöstler bekommt auch nicht mehr Lohn und Prämien, wenn das Paketvolumen an Black Friday, Weihnachten etc. steigt, eine Verkäuferin erhält ebenfalls keine Sonderprämie, wenn sie Samstags arbeitet und ein Lokführer bzw. Kondukteur erhält auch nicht mehr Lohn, wenn er während den Pendlerströmen arbeitet. Ist die Branche unterbezahlt, dann muss die Nachverhandlung, unabhängig einer Pandemie, geführt werden. Nochmals, vor der Pandemie hat jede einzelne Person selber Ja zu Arbeit, Lohn und Bedingungen gesagt. Also hat es zu der Zeit für jeden/jede so gestimmt.

    1. Hans Hafen, 23.02.2021, 10:35 Uhr

      Aus sicheren Quellen ist mir bekannt, dass die Post durchaus Wertschätzungs- und Einsatz-Prämien von mind. rund CHF 500.– (für „niedere Chargen“) für ihre Mitarbeiter ausgeschüttet hat. Und die Post ist ebenfalls ein Staatsbetrieb…! Es ist also durchaus Usanz! Nur kann man den Bund nicht mit dem Kanton Luzern vergleichen. Perlen und Säulimist sind nun mal nicht vergleichbar.

    2. Daniel Köpfli, 23.02.2021, 17:52 Uhr

      Sie sind wohl ein Arbeitgeber, welcher am liebsten Sklaven für sich arbeiten lassen würde. Darf ich doch mal behaupten, denn Sie behaupten ja auch einfach Sachen über Andere!

  5. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 23.02.2021, 06:54 Uhr

    Das ist nicht nur offensive Nicht-Wertschätzung, das ist gerade zu das pure Gegenteil von Wertschätzung: Ein höhnischer Schlag ins Gesicht. Ein regelrechter Affront. Mit dieser rotzfrechen Spuckattacke, so sehe ich es persönlich, wird dem Pflegepersonal de facto der „Fehdehandschuh“ willfährig hingeworfen!

    Wenn es aber darum geht, bei Digitalisierungswahnsinn-Informatik- oder riesigen Beton-Bauprojekten Millionen sowie vermeintlicher Wirtschaftsförderung in den Sand zu setzen, sitzt dem Kanton das Geld auch nicht so zäh in der Tasche!

    Merken: Neuen Job suchen. Fluktuation und damit Kosten antreiben. Bei den nächsten Wahlen Obacht geben, wer auf die Liste kommt. Der Kanton lernt es nur auf die beinharte Tour!

    Zum Ausrasten: Mal nachzählen, wie oft Gesundheitsdirektor Guido Graf in den letzten 12 Monaten das Wort „Solidarität“ in den Mund genommen hat…

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