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140 Meter langer «Riegel» sorgt für Ärger
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Thomas Fueter (l.) und Rolf Stähli (r.) übergeben dem Emmer Gemeinderat Urs Dickerhof den «Offenen Brief». (Bild: mbe. )

Emmen: Protest gegen Bauprojekt 140 Meter langer «Riegel» sorgt für Ärger

4 min Lesezeit 22.07.2014, 05:00 Uhr

Das Betagtenzentrum Herdschwand neben dem Emmen Center wird nicht mehr gebraucht und soll abgerissen werden. Gegen den schnellen Verkauf des gemeindeeigenen Landes und seine Umzonung regt sich jetzt Widerstand.

Ein überparteiliches Komitee will den Verkauf der Landparzelle verhindern, auf der das Betagtenzentrum Herdschwand steht (siehe Infobox). Der Emmer Gemeinderat und Finanzdirektor Urs Dickerhof (SVP) nahm gestern vor dem Gemeindehaus Emmen einen «Offenen Brief» entgegen. Rolf Stähli und Thomas Fueter übergaben ihm diesen. Zusammen mit einer Flasche Schaumwein der Marke «Volgaz». «Wir möchten mit diesem augenzwinkernden Geschenk erreichen, dass die Gemeinde jetzt Vollgas gibt, aber in eine andere Richtung als bisher», sagt Stähli. Der Brief ist an den Gemeinderat Emmen, den Einwohnerrat, Quartiervereine und weitere Kreise gerichtet.

«Sehr urbaner Vorschlag»

Der Protest des Komitees richtet sich gegen das Projekt «Neuschwand» von Losinger Marazzi AG und Rüssli Architekten AG Luzern. Es war als eines von acht eingereichten Projekten von einer Jury ausgesucht worden, der neben Baufachleuten die Gemeinderäte Urs Dickerhof, Josef Schmidli und Gemeindepräsident Rolf Born angehörten. Das Projekt beweise «Mut zu einem sehr urbanen Vorschlag», begründete die Jury ihre Wahl. Gemeint ist damit ein 140 Meter langer fünfgeschossiger Zeilenbau, der den neuen Abschluss des Quartiers auf der Seite des Emmen Center und der Fachmärkte bildet. Dieser Zeilenbau soll auch als Schallschutz für die dahinter liegenden Wohnbauten dienen. Das Projekt sieht weiter 19 unterschiedlich gestaltete Häuser mit 160 Wohnungen vor.

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Die Kritik entzündet sich insbesondere am 140 Meter langen «Riegel». «Das Siegerprojekt Neuschwand hat ungemein viele Bewohner dieser Gemeinde aufgeschreckt und verärgert», schreibt das Komitee. Es habe auch allen bewusst gemacht, dass so ein Verkauf auf keinen Fall geschehen dürfe, «mit einem der letzten Grundstücke für öffentliche Zwecke im Herzen der Gemeinde.» Das Land gehöre allen Bürgerinnen und Bürgern und solle weder umgenutzt noch verkauft werden, steht im Brief.

Unverständlich, warum Gemeinde ihr Land verkaufen will

Thomas Fueter ist ehemaliger Präsident des Quartiervereins Meierhöfli und Umgebung: «Ich bin erschrocken als ich das Projekt gesehen habe. Ich verstehe nicht, warum die Gemeinde unbedingt noch mehr Bauten auslösen und ihr Land verkaufen will.» Rolf Stähli ist ein Anwohner. Der ehemalige Vizedirektor des Emmen Center betont, dass er nicht aus Eigennutz gegen das Projekt ist, aber eine bessere Lösung will. Das Komitee schlägt alternative Nutzungen für das Areal des Betagtenzentrums Herdschwand vor: «Man könnte eine Grünzone realisieren, das Land an eine Genossenschaft abgeben, um zahlbare Alterswohnungen zu realisieren, oder es einfach in Reserve behalten», sagt Stähli.

«Erst in eineinhalb Jahren aktuell»

Urs Dickerhof reagiert gelassen auf die Kritik. «Wir haben nur eine Projektstudie», sagt er. «Ich nehme den Brief entgegen, aber diese Diskussion wird erst in zirka eineinhalb Jahren aktuell», sagt der Gemeinderat.
Bis im Herbst solle ein Vorvertrag für den Verkauf des rund 18’000 Quadratmeter grossen Areals ausgearbeitet werden. Dieser Vorvertrag wird dem Einwohnerrat vorgelegt. Da die Summe die Kompetenz des Einwohnerrats übersteige, müsse der Verkauf vors Volk. Diese Abstimmung soll im Frühling 2015 stattfinden. Wird der Verkauf angenommen, wird sodann ein Bebauungplan erarbeitet. Dieser und der Antrag auf Umzonung von der Zone für öffentliche Zwecke in die Wohnzone müsse dann wieder dem Einwohnerrat vorgelegt werden.

Zum möglichen Erlös für die Gemeinde kann sich der Emmer Finanzdirektor noch nicht äussern. Doch der Preis von Bauland in Emmen ist enorm gestiegen, weil noch Bauland zur Verfügung steht. Am Seetalplatz liegt der Preis gemäss Urs Dickerhof an vereinzelten Orten bereits bei 1200 Franken pro Quadratmeter. «Doch nicht jede Parzelle liegt gleich ideal und kann gleich viel generieren.»

Gemeinde hat es eilig mit Verkauf

Im Kontrast zur betonten Gelassenheit Dickerhofs steht die Eile, mit welcher laut dem Komitee die Gemeinde Emmen eine Informationsveranstaltung vor einer Woche abgewickelt hat, zu der nur bestimmte Nachbarn des Betagtenzentrums eingeladen wurden. Die Gemeinde will diesen Einfamilienhausbesitzern ermöglichen, ihre eigenen Parzellen mit dem Zukauf von Landstreifen ab der Parzelle Herdschwand zu vergrössern. «Diese Eile erweckt den Anschein, dass man schnell vollendete Tatsachen schaffen und das Risikon von Einsprachen minimieren will», sagt Rolf Stähli. Gemäss Urs Dickerhof war das immer vorgesehen und Teil der Ausschreibung. Die Nachbarn könnten jetzt mit dem Entwickler Losinger Marazzi reden, Fragen stellen und sich dann entscheiden.

Im Offenen Brief wird ausserdem kritisiert, dass neben Urs Dickerhof auch der abgewählte SVP-Regierungsrat Daniel Bühlmann, der  für Losinger-Marazzi in Luzern tätig ist, an der Informationsveranstaltung zugegen war. «Dies lässt Vermutungen freien Lauf und trägt nicht zur Seriosität der Angelegenheit bei», heisst es im Brief. Dickerhof wehrt sich gegen die vom Komitee erhobenen Vorwürfe seiner Nähe zu Bühlmann. «Ich bin mit vielen Personen in Emmen befreundet, die auch Geschäfte mit der Gemeinde tätigen», sagt Dickerhof zu zentral+. «Unseriös ist es, eine Behauptung über eine Einzelperson aufzustellen und somit die ganze Jury in ein schlechtes Licht zu rücken. Der Gemeinderat ist eine Kollektivbehörde und kein Gemeinderat entscheidet alleine.»

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