1’100 Angestellte und 186 Roboter machen diesen Luzerner sehr reich
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«Saubermann»: So nennt die «Bilanz» den Trisa-Chef Adrian Pfenniger. (Bild: hae)

Trisa-Chef Adrian Pfenniger ist der «Saubermann» 1’100 Angestellte und 186 Roboter machen diesen Luzerner sehr reich

6 min Lesezeit 22.09.2018, 05:18 Uhr

Adrian Pfenniger führt die grosse Trisa wie einen Familienbetrieb. Mit Riesenerfolg, denn als Chef über 1’100 Mitarbeitende und 186 Roboter ist er einer der reichsten Schweizer. Der Mann aus Triengen forscht an der denkenden Zahnbürste und hat auch schon einen Jobtausch hinter sich: als Skilehrer.

zentralplus: Adrian Pfenniger, Sie sind seit 30 Jahren im Betrieb, geschäften sehr erfolgreich und die «Handelszeitung» nannte Sie «Saubermann.» Gefällt Ihnen das?

Adrian Pfenniger: (lacht) Der Bezug zu unseren Produkten ist natürlich gross: Sauberkeit ist in der Mund- wie in der Schönheitspflege sehr wichtig. Deshalb lebe ich gut mit diesem Übernamen.

zentralplus: Ernst Pfenniger, Ihr Vater, war auch ein Saubermann, einer ohne Fehl und Tadel. Er setzte auf «Mission und Grundhaltung» und sagte: «Persönlich glaube ich an Gott und das Gute im Menschen! Daraus folgere ich, dass wir hier auf dieser Welt eine Sendung zu erfüllen haben.» Wie sehen Sie das heute als Unternehmer?

Pfenniger: Wir entwickeln pausenlos neue Produkte und Verfahren. Auf der anderen Seite haben Grundwerte wie Vertrauen, Offenheit, Führen durch Vorbild, die Mitsprache der Mitarbeitenden, die Kommunikation und die Freude an der Arbeit Jahrzehnte überdauert.

«Werte sind was Gutes – wie ein Stuhl, auf dem man Halt findet und bequem sitzt.»

zentralplus: Sind solche Werte eines Familienunternehmens nicht alte Zöpfe?

Pfenniger: Nein, diese Werte sind extrem wichtig. Sie sind viel mehr wert als zahllose Ordner voller Führungsanleitungen. Wir haben unseren eigenen Trisa-Spirit, der über 50 Jahre alt ist, die Mitsprache aller ist da besonders hervorzuheben. Auch auf unsere Mitbeteiligung der Mitarbeitenden am Aktienpaket sind wir sehr stolz. Vor rund 20 Jahren brachten wir unsere gelebten Werte auch zu Papier. Dort stehen zwölf zentrale Punkte, die uns Halt geben in einem Umfeld, das sich immer bewegt. Das ist was Gutes – wie ein Stuhl, auf dem man Halt findet und bequem sitzt.

zentralplus: Trisa ist 130 Jahre alt, ein Familienbetrieb in vierter Generation. Sie sind als CEO für Marketing, Verkauf und Entwicklung zuständig, Ihr Bruder Philipp für Produktion, Logistik und Technik. Funktioniert die Zusammenarbeit reibungslos?

Pfenniger: Ich habe mehr die kommerzielle Ausbildung, mein Bruder ist Ingenieur ETH. Unsere Zusammenarbeit ist hervorragend, aber wir sind nicht nur immer gleicher Meinung. Eine kreative Streit- und Konfliktkultur ist entscheidend – nur so entstehen gute Ideen, neue Produkte.

zentralplus: Worüber haben Sie zwei sich zuletzt gefetzt?

Pfenniger: Wöchentlich passiert das. Etwa dann, wenn wir uns fragen, ob wir mit einem neuen Produkt eine Chance am Markt haben. Oder über eine technische Lösung, auch über Investitionen. Wir nutzen die hohe Mitsprache der Leute, im Innovationsbereich ist das sehr wichtig. Auch ein Erfolgsfaktor, um die Dinge zu Boden zu diskutieren.

Trisa in über 80 Ländern

Adrian Pfenniger (54) und sein Bruder Philipp (52) sind Chefs der in Triengen ansässigen Trisa Gruppe. Das 130-jährige Unternehmen ist in den Bereichen Mund-, Schönheits- und Raumpflege tätig und erzielt einen Umsatz von 223 Millionen Franken. Trisa vertreibt Produkte in über 80 Ländern. Die Pfennigers geschäften so gut, dass sie laut «Bilanz»-Liste der 300 reichsten Schweizer auf Platz 275 mit 175 Millionen Franken figurieren. 70 Prozent der Aktien gehören der Familie, 30 Prozent halten die Mitarbeiter und stellen die Hälfte der Verwaltungsräte.

zentralplus: Die Branche ist im Umbruch, es herrscht Preisdruck. Welches sind Ihre grossen Sorgen?

Pfenniger: Jeden Tag gibt es Herausforderungen. Der Schweizer Franken war über Jahre überbewertet, jetzt scheint sich die Lage zu entspannen. In der Schweiz gingen Zehntausende von Arbeitsplätzen verloren. Das tut einem Vertreter unseres Werkplatzes weh. Auch Trisa ist stark exportorientiert, wir verdienen drei von vier Franken im Ausland.

zentralplus: Dennoch lächeln Sie, sind Sie doch Profi des blendenden Auftritts: Wie putzen Sie Ihre Zähne?

Pfenniger: Mal elektrisch, mal von Hand. In meinem Badezimmer gibt es einen ganzen Blumenstrauss von Zahnbürsten, darunter immer auch einige Prototypen. Manchmal sind es so viele Gerätschaften, dass meine Frau mich darum bitten muss, etwas aufzuräumen.

Familienbetrieb: Auf die alten Werte ist die oft junge Trisa-Belegschaft stolz.

Familienbetrieb: Auf die alten Werte ist die oft junge Trisa-Belegschaft stolz.

(Bild: zvg)

zentralplus: Welche Frauen bewundern Sie in der männerlastigen Wirtschaftswelt?

Pfenniger: Frauen spielen bei uns in der Firma eine wichtige Rolle, mehr als die Hälfte der Angestellten sind weiblich. Auch unsere Kundschaft ist vorwiegend weiblich: 70 bis 75 Prozent sind Frauen, das kommt ganz auf die Region an. Attraktive und fröhliche Farben sind dabei wichtig; Zahnbürsten sind eben nicht nur Medizinalprodukte, sondern auch Massenkonsumgüter.

Bunt und frech ist das Trisa-Marketing, hier ein Video:

zentralplus: Wird das auch bald die interaktive Zahnbürste, die dem Kunden sagt, wo er noch putzen soll?

Pfenniger: Gegenfrage: Wer ist schon bereit, jeden Abend das Handy mit ins Bad zu nehmen, ohne wirklichen Nutzen? Es gab bislang am Markt noch keinen Durchbruch, wir sind selber zwar auch am Ball. Uns interessieren aber nicht irgendwelche Gadgets, sondern ein wirklicher Mehrwert. Wenn man schaut, wie schnell sich die Digitalisierung entwickelt, kann es durchaus sein, dass uns die Zahnbürste bald viele Infos liefern wird.

«Vorstellbar wäre eine Art Boxer-Mundschutz, der die Zahnreinigung per Ultraschall übernimmt.»

zentralplus: Kann man sich das wie selbstständige Roboter-Zahnreiniger vorstellen – ähnlich wie die bereits existierenden Staubsauger und Rasenmäher?

Pfenniger: Vorstellbar wäre eine Art Boxer-Mundschutz, den man in den Mund einsetzt, der dann die Zahnreinigung per Ultraschall übernimmt. Wir treiben auch hier ein Projekt voran. Die Wirksamkeit und Reinigungsleistung unserer Produkte entwickeln wir mit der Forschungseinrichtung Robocheck weiter. Entscheidend bei der Mundhygiene sind immer Effizienz und Putzleistung.

Mit dem Robocheck wird das Zahnputz-Material ein letztes Mal getestet.

Mit dem Robocheck wird das Zahnputzmaterial ein letztes Mal getestet.

(Bild: zvg)

zentralplus: Da hilft ja auch der Kaugummi, oder?

Pfenniger: Durchaus ein sinnvolles Ergänzungsprodukt, er kann Säure neutralisieren, hilft Karies zu reduzieren, aber putzen kann er nicht. Das erkennt man schnell unter einem Mikroskop, da sehen Sie, wie die rund 2’000 Borsten einer Zahnbürste mechanisch die stark haftende Plaque entfernen. Da scheitert der Kaugummi natürlich.

zentralplus: Was ist denn der Unterschied eines normalen zum Zahnpflegekaugummi?

Pfenniger: Im Sommer haben wir unseren eigenen Kaugummi lanciert, er basiert auf 100 Prozent Xylit-Süssung. Das Produkt ist eine gute Ergänzung in der Mundpflege zwischendurch. 

zentralplus: Ihre Produkte sind weltweit in 80 Ländern vertreten: Welches sind die boomenden Märkte?

Pfenniger: Wir wachsen in verschiedenen Regionen, in den stark wachsenden Schwellenmärkten wie z.B. China, wo wir innert zehn Jahren rund 3’000 Verkaufspunkte aufbauen konnten. In Asien in Myanmar oder Laos. In Osteuropa in Weissrussland.  

zentralplus: Sie diversifizieren auch in die Sparte Haarschmuck. Wie kommt das?

Pfenniger: Trisa begann vor 130 Jahren mit Haar- und Haushaltsbürsten, die Zahnbürstenproduktion fing erst zur Jahrhundertwende an. Die Zahnbürste war damals ein elitäres und relativ teures Produkt, die Borsten aus Wildschweinborsten und Dachshaar wurden von Hand eingezogen. Die Mundhygiene entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg sehr dynamisch. Sowohl die Mundpflege wie die Schönheitspflege sind für uns wichtige Standbeine: Die Oralpflege macht 70 Prozent des Umsatzes aus, 15 Prozent sind Schönheits- und 15 Prozent Raumpflege.

Roboter übernehmen einen Grossteil der Arbeit in der Bürstenfabrik in Triengen.

Roboter übernehmen einen Grossteil der Arbeit in der Bürstenfabrik in Triengen.

(Bild: zvg)

zentralplus: Wo steht Trisa in 20 Jahren?

Pfenniger: Wir streben nicht grösstmögliches Wachstum an, sondern nachhaltiges und gesundes.

zentralplus: Auch für die Nachfolge haben Sie gesorgt: Sieben Pfenniger-Buben stehen in den Startlöchern. Werden die einst übernehmen?

Pfenniger: Die Chancen bestehen durchaus. Meine Schwester, mein Bruder und ich haben nur Söhne im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Sie sollen dereinst wie Philipp und ich die volle Freiheit haben, selber zu entscheiden, ob sie bei Trisa unternehmerisch tätig sein möchten.

zentralplus: Sie hatten als junger Mann ja auch ihre Lehr- und Wanderjahre, studierten in Lausanne, machten Auslandsjahre in den USA und Argentinien. Wenn Sie reisen, wo trifft man Sie dann?

Pfenniger: Oft in den Schweizer Bergen, denn Wandern und Skifahren bedeuten mir viel, dort kann ich mich gut erholen.

zentralplus: Und sonst, ausser Sport?

Pfenniger: Auch Sprachen und Kulturen interessieren mich sehr. Ich war dieses Jahr mit der Familie auf den Azoren. Ich geniesse es, mit meiner Frau und meinen Söhnen in der Natur unterwegs zu sein.

zentralplus: Gibt es einen Plan B?

Pfenniger: So wie in der tollen Filmserie «Jobtausch», wenn Schweizer für eine Woche einen anderen Beruf ausüben? Ich war mit 20 ein halbes Jahr Skilehrer in den argentinischen Anden, San Martin de los Andes, und habe einige Monate in Buenos Aires gearbeitet. Ein unvergessliches Erlebnis.

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