0,2 Milliliter Hyaluron und schon glücklich
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Präventiv könne es sich lohnen, sich bereits in jungen Jahren einer Behandlung mit Hyaluron zu unterziehen, da so die Kollagenproduktion angeregt werde, so der Beauty-Doc. (Bild: ida)

Zu Besuch beim Beauty-Doc in Luzern 0,2 Milliliter Hyaluron und schon glücklich

5 min Lesezeit 1 Kommentar 14.11.2018, 00:24 Uhr

Ungleich sitzende Brüste, asymmetrische Lippen und Falten, die für einige nicht dazugehören: In der Luzerner Schönheitsklinik wird gezeigt, wie etwa Hyaluron vermeintlichen Problemstellen Abhilfe verschaffen kann. Unschöner Nebeneffekt: Selbst eine Patientin sieht eine Falte, die sie zuvor noch nie gesehen hat.

«Findest du nicht auch, dass mein rechter Busen tiefer sitzt als mein linker?», fragt eine Dame mittleren Alters ihre Freundin. In High Heels stöckeln die beiden in den Lift. Ausgestattet mit ihrer Tasche der Luxusmarke Louis Vuitton und in leopard-gemusterten Hosen betreten sie die Lucerne Clinic an der Luzerner Seidenhofstrasse.

Live-Demonstrationen an Models

Junge – und jung gebliebene Damen – nippen da an ihrem Glas Prosecco. Man scheint sich zu kennen, das Gegenüber wird kritisch beäugt. Man blickt in nachdenkliche Gesichter. Bei der einen oder anderen scheint sich die Haut nicht mehr zu bewegen. Alles faltenlos, keine Regung im Gesicht. Die Lippen sind bunt bemalt, das Make-Up sitzt tadellos.

Doch auch erstaunlich viele Frauen befinden sich in der Runde, die nicht den Eindruck erwecken, dass ihrem Gesicht, ihren Brüsten oder ihrem Po nachgeholfen worden wäre. Darunter übrigens auch die Dame, die sich eine Stunde später das gesamte Gesicht und die Lippen mit Hyaluron unterspritzen lässt.

Insgesamt 60 Interessierte sind an diesem Dienstagabend hergekommen. Sie alle sind wohl hier, weil sie neugierig sind, wie man den eigenen Körper «optimieren» könnte. Live wird an Models vorgezeigt, wie die Lippen aufgespritzt und das Gesicht – aus rein vorbeugenden Massnahmen natürlich – möglichst lange von Falten verschont bleiben kann.

«Sexy» nach den ersten Nadelstichen

Schnell wird dann auch zur Spritze gegriffen. In einem Zimmer zeigt der plastische Chirurg an einem Model vor, was sich mit Hyaluron denn so alles im Gesicht machen lässt. Das Model ist jung – noch keine 30 Jahre alt. Präventiv könne es sich jedoch lohnen, sich bereits in jungen Jahren einer Behandlung mit Hyaluron zu unterziehen, da so die Kollagenproduktion angeregt werde. Dadurch würde der Hautalterungsprozess gebremst, der bereits mit 20 Jahren beginne, so der Beauty Doc, der einen professionellen Eindruck hinterlässt.

Die Haut verliere im Alter zunehmend an Feuchtigkeit, werde schlaff. Also spritzt der plastische Chirurg das Zaubermittelchen in jene Falten des Gesichts, die so scheinbar glattgebügelt werden sollen. Zuerst geht’s den kleinen Fältchen unterhalb den Augen an den Kragen. Man müsse sich vorsichtig herantasten, wie er sagt. Spritze man sich zu viel, könne man das nur schwer wieder geradebiegen. Es sei eine Millimeterarbeit, ohne Fach- und Erfahrungskompetenz ginge es nicht.

Nach zwei, drei Stichen fragt der plastische Chirurg in die Runde, wie es denn aussehe. «Sexy», lautet prompt der Kommentar einer Dame mit rot bemalten Lippen. «Sorry wenn ich das jetzt so sage. Die Wangenknochen kommen so viel mehr zur Geltung. Äusserst attraktiv.» Zustimmendes Nicken der anderen Schaulustigen. Man scheint sich einig zu sein: Was gespritzt wird, verfehlt seine Wirkung nicht. Also spritzt der Arzt, nachdem das Model sich selbst wieder im Spiegel betrachtet hat und mehr des Hyalurongels möchte, vorsichtig mehr und mehr davon unter die Haut.

«Seht ihr diese Nasolabial-Falte?», fragt er nun, während er das Gesicht prüfend überblickt. Mit der Nasolabial-Falte meint er jene Falte, die von Nase zu Mund verläuft. Eine, die beim reden, essen und lachen entsteht. Vollkommen natürlich. Doch die Damen in der Runde blicken ernst in die Runde und nicken: Es ist eine Falte, die so da nicht sein sollte, scheinen sie alle zu denken.

Falten, die man selbst nicht kennt – jedoch weg müssen

Doch der Doktor hat seine Flüssigkeit noch nicht leer gespritzt. Er betont jedoch immer wieder: «Weniger ist mehr.» Immer wieder lässt der Arzt die beiden Gesichtshälften des Modells vergleichen – die eine Seite die gemachte, die andere Seite die ungemachte. Der Laie erkennt zumindest keinen Unterschied. Doch das sei ja auch gut, denn natürlich soll es sein, so der Arzt. Immer wieder wird das Model gefragt, ob die getätigten Stiche reichen – oder ob sie noch mehr wolle.

«Seht ihr diese kleine Falte am Kinn?», fragt er nun und tippt mit dem Finger auf besagte Stelle. «Einige finden’s süss – andere störts», fährt er fort, während er sich mit einem Blick vergewissert, ob noch Flüssigkeit in der Spritze vorhanden ist. «Mir ist die noch gar nie aufgefallen», meldet sich nun das Model erstaunt zu Wort.

Vorsorglich wurde bereits im Vorhinein das gesamte Gesicht des Models mit der Betäubungssalbe eingecremt. Somit kann der Arzt die Nadel unbekümmert auch an der Unterlippe des Models ansetzen. «Spüren Sie etwas?», fragt er das Model, während sich die Spritze bereits tief in die Lippen der Frau bohrt. Diese gibt nur ein Brummen von sich. Mit betäubter Lippe und Spritze darin lässt sich wohl nicht so gut antworten.

«Kann man denn nicht auch blind werden?»

Eine besorgte Dame meldet sich nun zu Wort. Bereits vorhin hatte sie sich gewundert, ob hier denn wirklich nur Profis mit den Spritzen hantieren. «Es kam doch auch schon mal vor, dass jemand durch so eine Spritze erblindet ist», meint sie bestimmt. Und der Arzt verneint nicht.

Tatsächlich könne dies geschehen. Das sei dann der Fall, wenn im Stirnbereich bei einer Unterspritzung mit Hylaruonsäure beispielsweise ein Gefäss getroffen und verletzt wird. Das Risiko bestehe, sei jedoch äusserst gering, weil man im Stirnbereich Botox und nicht Hylaruon spritze. Bei Botox bestehe diese Gefahr nicht.

Die anwesenden Damen blicken nun ein wenig besorgter drein. Aber ein Arzt wisse ja, was er tue und wo sich die Gefässe befinden. Also tastet sich dieser weiter an die Lippe heran.

Nach den ersten Stichen begutachtet das Model nun ihre Lippen im Spiegel. «Alles gut?», fragt der Doc. Diese bejaht. Die weisen Worte des Beauty-Doc: «Sie sehen, es braucht nicht eine Unmenge an Hyaluron. Bereits 0,2 Mililiter erzeugen ein schönes Resultat.»

Und siehe da: Gespritzte Lippen können doch auch relativ «ungemacht» daherkommen.

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1 Kommentare
  1. Jörg Willi Dr.med.vet., 14.11.2018, 16:24 Uhr

    Das Entfernen von vielen / mehreren Falten scheint heute problemlos möglich. Schade nur, dass es noch kein Mittel gegen die menschliche Einfalt gibt!

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