0.011 Bitcoins statt drei Erdbeeren
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Und wie knacke ich nun den Jackpot? Der Bitcoin-Automat in Luzern. (Bild: sib)

Beim einzigen Automaten der Zentralschweiz 0.011 Bitcoins statt drei Erdbeeren

5 min Lesezeit 02.02.2018, 05:15 Uhr

Wie viel wurde schon geschrieben über Bitcoins und wie sie online zu erwerben sind. Doch was viele nicht wissen: In Luzern steht der einzige Bitcoin-Automat der Zentralschweiz – und nicht etwa in Zug. Doch wie einfach ist es, dort an die bekannteste Kryptowährung zu kommen? Wir haben den Test gemacht. 

Die Habsburgerstrasse 11 in Luzern: In den unscheinbaren Räumlichkeiten der UMC Change & Wechselstube GmbH soll also der momentan einzige Bitcoin-Automat der Zentralschweiz stehen. Schweizweit sind es knapp 20. Tendenz steigend.

Sind wir hier im Casino?

Der Automat, Modell BATMThree der Firma General Bytes, ist nicht zu übersehen. Gleich links neben dem Eingang steht er. Obwohl er irgendwann ein Äquivalent zum Bankomat darstellen soll, erinnert er optisch vielmehr an einen Spielautomaten im Casino. Die bunten LED-Lichter am Rande des Bildschirms wechseln regelmässig die Farbe.

Auch wenn man auf den Bildschirm schaut, wähnt man sich eher in einem Casino oder Spielsalon. «Kaufen Sie Bitcoins!» steht auffordernd in oranger Schrift. Berührt man den Bildschirm, kann zwischen vier Funktionen ausgwählt werden: Ticket einlösen, Kauf, Verkauf sowie Guthaben abfragen. So weit so übersichtlich.

Bitcoins kaufen leicht gemacht am Bitcoin-Automaten

Bitcoins kaufen leicht gemacht am Bitcoin-Automaten.

(Bild: sib)

Ausser Bargeld braucht es nichts

Bevor ich mich an den Automaten wage, frage ich bei Reinhard Muff nach. Er führt die Wechselstube in Luzern. Ist denn ein Wallet-App wie Mycelium überhaupt notwendig, damit ich an Bitcoins komme? «Nein, beim Kauf von Bitcoin druckt der BATM automatisch ein komplettes Paper-Wallet inklusive Private- und Public Key aus», antwortet er. Ein Paper-Wallet sieht aus wie eine gewöhnliche Kassen-Quittung mit QR-Code. Doch dazu später mehr.

Nun wird es also ernst. Was ist der kleinstmögliche Betrag, den ich investieren könnte? «100 Franken ist das Minimum», erklärt Muff. Wenn der blaue Schein erst einmal eingespeist sei, könne der Automat auch mit kleineren «Nötli» weiter gefüttert werden. Das Maximum für eine Transaktion liege bei 2’000 Franken, das Limit pro Tag sei bei 5’000 Franken festgesetzt.

«Im Dezember war der Ansturm sehr gross.»

Reinhard Muff, Betreiber der UMC Change & Wechselstube in Luzern

Zurück zum Automaten. Trotz installiertem Wallet-App wähle ich die Variante via Paper-Wallet. Wir wollen ja die einfachste Möglichkeit verfolgen. Ich werde also aufgefordert, das Geld einzuführen. Die Parallelen zum Spielautomaten sind immer noch frappant.

Öffentlicher und privater Schlüssel

Der Automat hat nun das Geld geschluckt. Statt drei Erdbeeren in einer Reihe erscheint nun jedoch die Bestätigung, dass der Betrag von umgerechnet rund 0.011 BTC auf meiner Wallet-Adresse drauf ist. Dies ist der öffentliche Schlüssel. Der öffentliche Schlüssel ist die Wallet-Adresse, mithilfe derer andere Personen Bitcoins an das entsprechende Wallet versenden können.

Links: Die Paper-Wallet mit privatem und öffentlichem Schlüssel. Rechts: das Ticket für den Verkauf. Übrigens: Keine Sorge, auf den Konten ist nichts drauf.

Links: Die Paper-Wallet mit privatem und öffentlichem Schlüssel. Rechts: das Ticket für den Verkauf. Übrigens: Keine Sorge, auf den Konten ist nichts drauf.

(Bild: sib)

Daneben gibt es den privaten Schlüssel. Durch ihn können Bitcoins an andere Leute versendet werden. Bei der Paper-Wallet, die vom Automaten wie eine Quittung ausgegeben wird, stehen die beiden Schlüssel nun drauf. Mit Vorteil behalte ich den Zettel nun bei mir, denn mit ihr könnte sich nun jede beliebige Person das Guthaben in Bares wieder auszahlen lassen. Einen PIN-Code wie bei der Bankkarte gibt es nicht.

Verkauf kann ein paar Minuten dauern

Wenn wir schon beim Auszahlen sind: Wie würde denn nun der Verkauf funktionieren? Reinhard Muff erklärt: «Man wählt den Betrag in Franken aus, den man sich ausbezahlen lassen möchte. Anschliessend wird dieser nach aktuellem Kurs in Bitcoins umgerechnet.» Daraufhin spuckt der Automat ein Ticket aus. Der Betrag muss nun innerhalb von 15 Minuten auf diese Wallet-Adresse gesendet werden. Dafür muss ich den QR-Code meines privaten Schlüssels einscannen.

Dann heisst es warten, bis die Zahlung bestätigt ist. «Meist sind es nur ein paar Minuten, es kann jedoch auch mal über 30 Minuten oder noch länger dauern», so Muff. Erfolgen mindestens drei Bestätigungen von der Blockchain, kann man am Automaten «Ticket einlösen» wählen. Abschliessend wird der QR-Code des Tickets am Automaten gescannt und der zuvor gewählte Betrag wird in Franken ausbezahlt.

Es können nur gerade Beträge gewählt werden. Ein Münzfach besitzt der Automat schliesslich nicht. Und tatsächlich wird der gewählte Betrag aus dem Automaten ausgeworfen. Wie hoch fallen eigentlich die Transaktionsgebühren aus? «Für den Kauf sind es zur Zeit fünf Prozent und für den Verkauf deren vier», antwortet Reinhard Muff.

Crypto Valley momentan ohne Bitcoin-Automat

An der Habsburgerstrasse steht momentan der einzige Bitcoin-Automat der Zentralschweiz, nachdem derjenige im Lakeside Business Center in Zug letztes Jahr gestohlen wurde. Betreiberin dieses Automaten war die Firma BitC Sàrl and Bity SA mit Sitz im Berner Jura in Tavannes. Nuno Pinto von BitC erklärt auf Anfrage: «Wir planten bereits im Oktober, den Automaten zu ersetzen. In den nächsten Wochen sollten wir dann endlich beliefert werden.»

«Ein junger Herr hat uns gefragt, ob er ein Angebot machen dürfe, da wir uns als Wechselstube für einen Bitcoin-Automaten eignen würden.»

Reinhard Muff

Wie stark ist der Luzerner Automat momentan ausgelastet, nachdem der Bitcoin-Kurs nach dem Peak vor gut einem Monat eher wieder auf Sinkflug ist? «Im Dezember war der Ansturm tatsächlich sehr gross», so Muff. «Da bildete sich jeweils eine ziemlich lange Warteschlange.» Der Standort des Automaten habe sich mit der Zeit umgesprochen. Inzwischen habe sich die Situation jedoch normalisiert.

Wie kommt man zu einem solchen Automaten?

Stellt sich noch die Frage, wie die Wechselstube überhaupt an den Bitcoin-Automaten gekommen ist, der seit Juli 2016 dort steht. Laut Muff habe eher der Zufall Regie geführt: «Ein junger Herr, der zuvor bereits in Kontakt stand mit Bitcoin Suisse, hat uns gefragt, ob er uns eine Empfehlung machen dürfe, um einen solchen Automaten hier zu stationieren, da wir uns als Wechselstube für einen Bitcoin-Automaten eignen würden.» Entsprechend sei die Zusammenarbeit anschliessend mit dem Betreiber des Automaten zustande gekommen.

So sah er aus: Der Bitcoin-Automat im Lakeside Business Center in Zug, bevor er entwendet wurde.

So sah er aus: Der Bitcoin-Automat im Lakeside Business Center in Zug, bevor er entwendet wurde.

(Bild: zvg)

Dies ist die Firma Värdex mit Sitz in Zug. Insgesamt zehn Automaten betreibt sie schweizweit. Seit Ende letzen Jahres ist sie eigenständig, nachdem sie zuvor eine Tochter der Bitcoin Suisse AG war.

Was ist denn nun das Fazit des Bitcoin-Automatenbesuchs? Anonymer und einfacher an Bitcoins zu kommen als via Automat, geht kaum. Nicht einmal eine App braucht es. Einzig Bargeld ist nötig. Ein Casino mit Ausweiskontrolle und Registrierung ist in Sachen Anonymität nichts dagegen. Nur bunt blinkende Automaten gibt es an beiden Orten. Und das grosse Geld lockt. Auch wenn dafür mehr als 100 Franken investiert werden müssten.

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