Hauptsitz des Rohstoffkonzerns «Glencore» in Baar. (Bild: Erik Tham)
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Hauptsitz des Rohstoffkonzerns «Glencore» in Baar. (Bild: Erik Tham)

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Der Milliardenverlust von Glencore wird auch Auswirkungen auf die Zuger Staatsfinanzen haben. Während sich die Verwaltung bedeckt hält, sprechen Experten von hohen Ausfällen. Pessimistische Schätzungen gehen von einem Sturm aus, der über Zug aufziehen könnte.

Eben erst hat Zug die Details zu ihrem Entlastungsprogramm veröffentlicht, und nun ziehen wiederum dunkle Wolken auf. 5 Milliarden Franken Verlust verzeichnete Glencore im letzten Geschäftsjahr. Insbesondere die tiefen Rohstoffpreise trafen die in Zug ansässige Rohstofffirma hart. Wird der Einbruch des Rohstoffgiganten dem Kanton Zug schaden? Die Meinungen gehen auseinander. Landammann und Finanzdirektor Heinz Tännler sagt: «Es ist schwer abzuschätzen.»

Steuereinbussen für den Kanton?

Tännler erklärt, dass im Kanton Zug verschiedene Rohstoffunternehmen ansässig sind. Dabei beruft er sich auf drei Grundtypen: «Unternehmen, welche eigene Rohstoffe vermarkten, solche, die im Rohstoffhandel tätig sind, und Dienstleister oder Zulieferer für andere Rohstofffirmen.» Da Zug deshalb über eine heterogene Rohstoffbranche verfüge, glichen sich konjunkturelle Schwierigkeiten untereinander aus. Kurz: Es ist schwer abzuschätzen, ob sich der Verlust, den Glencore verzeichnet hat, auf die Zuger Steuererträge auswirken wird.

«Für den Kanton Zug ist dies sicherlich keine gute Nachricht.»
Elias Hafner, Ökonom

Etwas anders sieht das Elias Hafner, Ökonom CIO WM Swiss Regional Research: «Für den Kanton Zug ist dies sicherlich keine gute Nachricht, da damit starke Steuerausfälle einhergehen.» Im Jahr 2013 gab der Zuger Regierungsrat bekannt, dass der gesamte Rohstoffsektor im Kanton Zug ungefähr 200 Millionen Franken Steuern bezahle (zentral+ berichtete).

Genaue Zahlen, wie viel von diesen geschätzten 200 Millionen Franken die Firma Glencore bezahlt, gibt es nicht. Dennoch ist anzunehmen, dass Glencore als grösste Schweizer Rohstofffirma einen erheblichen Teil dieser Summe bezahlt – sei es direkt in Form von Kantons- und Gemeindesteuern oder über ihre Mitarbeiter. Experten, die nicht namentlich genannt werden wollen, sprechen gegenüber zentral+ von 100 Millionen Franken.

Gefahren für den Wirtschaftsstandort Zug

Giovanni Staunovo, Rohstoffanalyst im UBS Chief Investment Office Wealth Management, klingt optimistischer: «Nach dem ersten Halbjahr 2016 dürften sich die Aussichten für den Rohstoffhandel aufgrund von weiteren Angebotsanpassungen verbessern.» Wir haben bei Martin Fasser von Zugcommodity nachgefragt, ob er diesen Optimismus teilt. «Es ist eine Frage der Zeit, bis sich die Rohstoffpreise wieder erholen, das stimmt sicher», so Fasser. Dennoch rechnet er damit, dass die Preise nicht so schnell steigen, wie sie gefallen sind. «Aber mittelfristig wird sich die Situation entspannen», sagt Martin Fasser weiter.

Und was die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Zug betrifft, da bleibt Fasser gelassen. «Die aktuelle Herausforderung der tiefen Rohstoffpreise betrifft nicht alle Zuger Rohstofffirmen.» Handelsfirmen seien davon weniger betroffen als z.B. Förderfirmen im Bereich Bergbau. Er sieht demnach auch andere Gefahren für die Zuger Rohstofffirmen: «Der starke Franken, die Initiativenflut und Überregulierung bedrohen den Markt sehr viel mehr als die aktuellen Rohstoffpreise.»

«Solche Verluste stimmen nachdenklich»

Nach der Hiobsbotschaft für Glencore stellt sich auch die Frage, ob Zuger Gemeinden jetzt Steuereinnahmen verlieren. Die Gemeinde Walchwil beherbergt einige der Glencore-Topshots und könnte Lohnkürzungen in der Steuerabrechnung zu spüren bekommen. Wir haben bei Tobias Hürlimann, Gemeindepräsident von Walchwil, nachgefragt, ob unsere Vermutungen zutreffen. «Noch können wir darüber keine Aussagen machen. Stichtag für Steuern ist der 31. Dezember», so Hürlimann.

Aber natürlich stimmen Nachrichten über Verluste nachdenklich, gibt Hürlimann zu bedenken. Dabei denkt er auch an die gesamtwirtschaftliche Situation und fügt an: «Wir sind gewappnet.» Im Kanton Zug zeigt man sich also von verschiedensten Seiten verhalten optimistisch, trotz des Rekordverlustes von Glencore. Dennoch wappnen sich die Wirtschaftsvertreter, denn der Sturm ist noch nicht vorbei.

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