«Ich habe mir mit Mama Rosi einen Traum erfüllt»: Namensgeberin Patrizia Rosi, mit ihrem Mann Humphrey Cox. (Bild: mbe.)
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«Ich habe mir mit Mama Rosi einen Traum erfüllt»: Namensgeberin Patrizia Rosi, mit ihrem Mann Humphrey Cox. (Bild: mbe.)

«Mama Rosi» tüftelt an neuen Produkten

7min Lesezeit

Vor zwei Jahren haben Patrizia Rosi und ihr Mann Humphrey Cox ihren Tearoom «Mama Rosi» in Baar eröffnet. Inzwischen hat sich dieses zu einem beliebten Treff für Expats-Mütter entwickelt. Es wird gebacken und gekocht, aber auch neue Produkte wie vegane Gelati werden ausgetüftelt. Ein Augenschein.

«Mama Rosi», zwischen Kebab-Shop und Feuerwehrlokal gelegen, ist leicht zu übersehen. Der winzige Tearoom im Vintage-Stil sieht gemütlich aus. Wer eintritt, wird freundlich empfangen von Humphrey Cox, einem gesprächigen 43-jährigen Neuseeländer mit hipper Brille. Seine Frau «Mama» Patrizia Rosi wirkt im hinteren Bereich des Lokals, in Küche und Backstube. Ihr Mann ist für den Kaffee zuständig und nimmt es damit sehr genau. «Ich darf die Maschine nicht anfassen», sagt Rosi und lacht.

Vom Cupcake bis zur Tomatensuppe

Die Philosophie von «Mama Rosi» ist einfach. «Wir wollen qualitativ hervorragende Produkte aus besten Zutaten anbieten», erklärt Patrizia Rosi zentralplus. Sie werden vor Ort produziert und verkauft. Rosi bäckt täglich frische Cupcakes, Kuchen und Kekse. Daneben stellt die Italienerin frische Pasta her, kocht täglich Suppe für ihre Kunden, die mit einem Focaccia serviert wird. Man kann vor Ort essen oder die Speisen Take-away mitnehmen.

Back- und Kochkurse für Kinder

Kinder hat das Ehepaar keine. Doch dafür empfängt es den Nachwuchs anderer in seinem Lokal, führt Koch- und Backkurse für Kids durch. «Mama Rosi» hat sich inzwischen zu einem beliebten Treffpunkt der Expats-Mütter, aber auch einheimischer Mamis und ihrer Kinder entwickelt. Willkommen seien selbstverständlich alle bei ihnen, betonen die Inhaber. Das Lokal ist auch auf der App Mamamap.ch zu finden, Mütter dürfen bei Mama Rosi dem Nachwuchs die Brust geben.

«Anonyme Lokale grosser Kaffeeketten gibt es ja überall. Wir wollten unsere eigene Wohlfühloase realisieren.»
Patrizia Rosi, Co-Inhaberin «Mama Rosi»

Das Lokal entwickelt sich immer mehr zu einem In-Place: Momentan stellt ein kolumbianischer Künstler Bilder aus. Rosi und Cox haben sich mit ihrem Lokal in Baar einen Traum erfüllt, erzählen sie. «Wir sind viel in der Welt herumgekommen, haben lange in verschiedenen asiatischen Ländern, aber auch in Italien und England gelebt», sagt die 58-jährige Patrizia Rosi. «Vor einigen Jahren haben wir uns in den Schweizer Lebensstil verliebt.» Die Kleinheit und Intimität des Landes, die Natur und die Berge gefielen ihnen auf Anhieb – und die Nähe zu Italien. «Wir wollten ein Lokal realisieren, welches diese Intimität widerspiegelt, unsere eigene kleine Wohlfühloase. Anonyme Lokale grosser Kaffeeketten gibt es ja überall.»

Manche Kunden verwundert über Preise

Kennengelernt hat sich das Paar in Hongkong. Sie arbeitete lange als Managerin und Produktentwicklerin für eine italienische Firma, er war im Finanzbereich tätig. Den Übernamen Mama Rosi erhielt sie in Asien. Heute lebten sie von ihrem Tearoom in Baar, betont das Ehepaar. «Man sollte weniger essen, dafür besser», sagt Patrizia Rosi. Es sei eben ein Unterschied, ob ein Produkt in 20 Minuten fabriziert oder ob man sich 20 Stunden Zeit dafür nehme. «Ich denke da an eine lange gekochte Bouillon, aber auch an ein Brot.»

Das Brot bäckt Patrizia Rosi nämlich aus Einkern, einer Ur-Getreidesorte. Der stolze Preis eines solchen Brots von 7 Franken sorge manchmal für Erstaunen, sagt sie. Auch die Cupcakes sind mit rund 4 Franken nicht gerade günstig. Doch sie erklärt den Kunden jeweils geduldig, was dahinter stecke, und dass es sich nicht um ein Industrieprodukt handle. Rosi orientiert sich dabei auch an familiären Traditionen. «Meine Grossmutter kochte, als ich noch ein Kind war, von früh bis spät wunderbare Dinge. Diese Qualität habe ich immer noch im Mund.»

«Mama» Patrizia Rosi in ihrer Backstube.
«Mama» Patrizia Rosi in ihrer Backstube. (Bild: mbe.)

Neue Produkte austüfteln

«Mama Rosi» ist nicht nur ein Tearoom, es werden auch neue Produkte ausgetüftelt und getestet. Diesen Part übernimmt Humphrey Cox. Er nehme sich jedes Jahr ein neues Projekt vor, sagt er. 2016 war das Jahr der hausgemachten veganen Gelati. Sie enthalten weder Milch, Rahm, noch Sojamilch. Für die Sämigkeit sorgen die natürlichen Öle der Pflanzen, bei gewissen Sorten auch Olivenöl. An der ersten Vegi-Messe «VeggieWorld» im September 2016 in Zürich seien seine Gelati sehr gefragt gewesen, sagt Cox. Er bereitet sie jeweils frisch her und lässt sie von Fachleuten und Freunden degustieren. Wenn diese den Daumen senken, wird so lange weiter am Produkt getüftelt, bis der Daumen schlussendlich rauf zeigt.

Vegane Gelati gefragt

An diesem Tag dürfen wir einige Beispiele probieren. Was auffällt: Der Geschmack ist sehr intensiv. Das liegt einerseits an den Rohstoffen. Die Frucht namens Guanabana zum Beispiel ist am Ast gereift und wurde nicht grün gepflückt, man hat das Gefühl, eine Frucht im Mund zu haben. Das Pistazien-Gelato, das Kaffee-Gelato aus äthiopischem Biokaffee, das Gelato mit Haselnüssen aus dem Piemont schmecken ebenfalls. Nur beim Grüntee-Eis rümpft der Autor die Nase. Nein, das schmeckt uns gar nicht. Das bestätigt Humphrey Cox’ Beobachtung, dass Innerschweizer mit «komischen» Aromen eher wenig anfangen können. «In Baar oder Zug fand das niemand gut», sagt er. Die Hipster an der Messe «VeggiWorld» in Zürich hingegen seien neugieriger und auf den Grüntee abgefahren. Alle Gelati von Mama Rosi sind bloss mit Fruchtzucker gesüsst.

Die Eissorten sind bisher nicht im Handel erhältlich, können aber bei Cox bestellt werden. Neben der veganen gibt es auch eine konventionelle Linie mit Milch. Im Sommer betreibt Mama Rosi einen Eiswagen mit Kugeln. Man kann aber auch Boxen à 400 oder 650 Gramm bestellen, zum Preis von 16 respektive 24 Franken.

Als Nächstes «Functional Food»

Als Nächstes will sich Cox an Functional-Food-Produkte heranwagen. Doch darüber will er noch nicht gross reden. «Es geht unter anderem um gluten- und laktosefreie Lebensmittel», lässt er immerhin durchblicken. Er arbeitet dafür mit einem Kollegen zusammen, der selbst eine Glutenintoleranz hat, und ebenfalls mit Ernährungsberatern.

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