Domi Meyer (links) kehrt in die «Jazzkantine» zurück, Henk Bergmans verlässt das Lokal im Sommer. (Bild: jwy)
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Domi Meyer (links) kehrt in die «Jazzkantine» zurück, Henk Bergmans verlässt das Lokal im Sommer. (Bild: jwy)

Sanfte Renovation, radikale Änderungen und etwas Boa-Groove

10min Lesezeit

Dominik Meyer übernimmt von seinem Lehrmeister die Luzerner Beiz «Jazzkantine» – Henk Bergmans geht im Sommer in Pension. Wird aus der «Jazzi» nun ein neues «Meyer»? Und was passiert mit Meyers bisherigem Lokal am Bundesplatz? zentralplus hat die Antworten – und verrät, wieso man sich auf grossartige Konzerte in der «Jazzkantine» freuen kann.

Das Gastronomie-Urgestein Henk Bergmans hört Ende Juni als Wirt der «Jazzkantine» auf – nach fast 50 Jahren als Gastronom geht der 67-Jährige in den verdienten Ruhestand. Das ist seit Längerem bekannt. Seit Kurzem ist nun auch klar, wer sein Nachfolger in der «Jazzi» wird: Dominik «Domi» Meyer von der Kulturbeiz «Meyer» übernimmt das Lokal im Löwengraben (zentralplus berichtete).

Und jetzt sind die Details zur Stabsübergabe bekannt. zentralplus hat sich mit dem abtretenden Henk Bergmans, mit Domi Meyer sowie Rolf Bühler von der «Jazzkantine im Graben GmbH» an einen Tisch gesetzt, um über die Zukunft des beliebten Lokals zu sprechen.

«Er war unser Wunschkandidat»

Die Trägerschaft hat sich lange Zeit gelassen mit der Nachfolgeregelung – der Name von Domi Meyer kursierte schon länger. «Wir wollten nicht irgendwen», sagt Bühler zur langen Verhandlung. «Domi Meyer war unser Wunschkandidat, die jetzige Lösung ist der Idealfall.» Der GmbH sei es sehr wichtig gewesen, dass jemand kommt, der auch Kultur veranstaltet, nicht irgendein Beizer. Henk Bergmans nickt: «Ich bin sehr froh, dass Domi mein Nachfolger wird.»

Rolf Bühler von der Trägerschaft (links) und Domi Meyer. (Bild: jwy)
Rolf Bühler von der Trägerschaft (links) und Domi Meyer. (Bild: jwy)

Die GmbH bestimmte als Mieterin des Gebäudes die Nachfolge des Pächters. Das Haus gehört privaten Besitzern. Und im Prinzip lässt sich Domi Meyer auf eine Zwischennutzung ein: Denn in drei Jahren zügelt die Jazzschule der Musikhochschule, die in den oberen Stöcken des Hauses eingemietet ist, in den neuen Campus beim Südpol – das Haus am Löwengraben 8 wird dann ziemlich leer. Aber Bühler wie auch Meyer sind zuversichtlich, dass die Beiz trotzdem eine Zukunft hat: «Wir sind positiv gestimmt, haben zwar keine Zusicherung, aber gute Absichten», sagt Bühler.

«Ich war nervös wie ein Schulbub, als ich es Henk mitteilte.»

Wirt Domi Meyer

Zuerst eine Absage

Dass Domi Meyer die «Jazzi» übernimmt, ist alles andere als selbstverständlich. Denn er führt schon das «Meyer» am Bundesplatz, hat Familie und beschränkte Ressourcen. Nachdem Meyer auf eine erste Anfrage abgesagt hatte, hat man sich in einer zweiten Runde wieder zusammengesetzt, neu verhandelt und Meyer hat sich die Sache schliesslich nochmals überlegt.

Domi Meyer hat lange gezögert, nun ist die «Jazzi» bald «seine» Beiz.
Domi Meyer hat lange gezögert, nun ist die «Jazzi» bald «seine» Beiz. (Bild: jwy)

Letztlich waren für ihn zwei Gründe ausschlaggebend für die Zusage: «Die Jazzkantine ist für mich eine Herzensangelegenheit», sagt Meyer. Er war hier einst Jazzschüler und hatte unter Henk Bergmans in der «Jazzkantine» gearbeitet, hinter der Bar und als Programmator des Konzertlokals im Keller. Und zweitens hat er eine gute Nachfolgeregelung für das «Meyer» gefunden, denn beides kann er nicht stemmen. Das Lokal am Bundesplatz wird künftig von seiner Frau Fiona Meyer zusammen mit Koch Reto Becker geführt. «Der Geist des Meyer bleibt erhalten, das geht auch ohne meine Person», sagt er.

Sanfte Renovation

Verabschiedung von Henk

Bevor Henk Bergmans den Tresen verlässt, feiert ihn die «Jazzkantine» im Juni mit zwei Anlässen:

  • «Farewell to a Rolling Stone»: Die Luzerner Musikszene feiert Henks Abschied mit Covers der Stones: Samstag, 25. Juni, ab 20 Uhr. U.a. mit Blind Butcher, Jet Turino, Meyer und Tobi Gmür. 
  • Konzert von Langue érotique: Donnerstag, 30. Juni.

Dass sich Domi Meyer nun auf das neue Abenteuer einlässt, hat auch mit dem Vertrauen zu tun, den die GmbH im gegenüberbringt. Rolf Bühler: «Wir lassen ihm absolut freie Hand.» Und es war Meyer wichtig, dass Henk Bergmans einverstanden ist. «Ich war nervös wie ein Schulbub, als ich es Henk mitteilte», sagt Meyer und ergänzt: «Er ist mein Lehrmeister, quasi eine Vaterfigur.»

Ende Juni schliesst die «Jazzi» für zwei Monate und im September eröffnet sie neu – Domi Meyer wird dann kaum mehr im Meyer anzutreffen sein und sich voll und ganz der «Jazzkantine» widmen. Und keine Angst: Stammgäste werden ihre Jazzkantine nach der Sommerpause wiedererkennen, das Inventar bleibt grösstenteils erhalten. Es gibt eine sanfte Renovation, einen neuen Anstrich – that’s it. Die grössten Änderungen gibt es beim Angebot und im Keller.

Mehr Hausgemachtes

Beim Getränke- und Speiseangebot werden die Regeln des «Meyer» im Löwengraben Einzug halten, und die sind wenig kompromissbereit. «Das Sortiment wird massiv anders», sagt Meyer, ganz nach dem Motto: «Hausgemachtes ist Programm.» Da stecke eine Haltung dahinter, so Meyer. Und die lautet: keine Produkte von Grosskonzernen, also weder Coca-Cola noch Heineken, dafür Mate-Tee aus Luzern und Bier von der lokalen Brauerei.

«Ich will den Gästen keinen Schrott servieren.»

Domi Meyer

Und auch beim Essen serviert er nur Lokales und Regionales und möglichst Bio. «Diese Verantwortung hab ich als Gastronom, es ist zwar etwas teurer im Einkauf, aber da bin ich konsequent. Ich kann gar nicht anders, ich will den Gästen keinen Schrott servieren. Viele Gastronomen behaupten, das funktioniere nicht, ich will beweisen, dass es geht.»

Das Speise-Angebot wird ähnlich aussehen wie im «Meyer»: einfache Mittagsmenüs und eine Abendküche. Auch einen Burgerabend wie im «Meyer» soll es in der neuen «Jazzkantine» geben, nur nicht am gleichen Tag. Den bisherigen «Jazzkantine»-Koch Robert Grosse will Domi Meyer übrigens weiterbeschäftigen. Und keine Angst zum zweiten: Domi Meyer verspricht, dass er den von Henk Bergmans in Sardinien selbst produzierten Myrto – ein Beerenlikör – weiterhin ausschenken wird.

Boa-Groove im Keller

Die zweite grosse Änderung betrifft den Keller: Es wird eine neue, grössere Bar eingebaut. «Bisher war das ein eher liebloser Getränkeausschank», sagt Meyer. Nun will er den Raum wiederbeleben – das heisst auch wieder mehr Konzerte veranstalten.

«Die ersten drei Monate werde ich brauchen, um mich zu ‹entjazzkantinisieren›.»

Henk Bergmans, abtretender Wirt

Und hier kann Meyer einen Coup vermelden: Für Konzerte wird er mit Eugen Scheuch, dem einstigen Programmator des Konzerthauses Boa zusammenarbeiten. Scheuchs Konzerte sind noch in bester Erinnerung und er hat immer noch gute Kontakte in der Musikwelt. Meyer schwebt vor, die legendären Sonntagabendkonzerte der damaligen Boa in der «Jazzkantine» wieder aufleben zu lassen. Dazu soll es möglich sein, den Konzertraum auch dann zu öffnen, wenn das Restaurant oben geschlossen bleibt. Daneben finden natürlich weiterhin Jazzkonzerte statt.

Wird wohl Zeit brauchen, um sich ganz zu verabschieden: Henk Bergmans in der «Jazzkantine». (Bild: jwy)
Wird wohl Zeit brauchen, um sich ganz zu verabschieden: Henk Bergmans in der «Jazzkantine». (Bild: jwy)

Und was macht Henk Bergmans, wenn die «Jazzi» Ende Juni schliesst? Er wird gebührend gefeiert und verabschiedet (siehe Box). «Danach werde ich um halb zwei schliessen und dann ist fertig», sagt er trocken. «Nach 19 Jahren Jazzkantine ist jetzt genug, der Saft ist etwas draussen.» Aber natürlich fällt ihm der Abschied alles andere als leicht: «Die ersten drei Monate werde ich brauchen, um mich zu ‹entjazzkantinisieren›.» Schliesslich wird Henk Bergmans ab und zu in der «Kneipe» im Bruchquartier zu sehen sein, die seine Frau Irene im Februar gemeinsam mit Claudia Egli eröffnet hat (zentralplus berichtete). Und er wird mehr Zeit haben für seinen Wein und seinen Myrto auf Sardinien.

Hinweis: Sie interessieren sich für Restaurants und Bars? In unserem eat'n'drink-blog finden Sie noch reichlich davon.

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