Die zeitliche Belastung wurde ihm zu gross: Franz Grüter gibt sein Amt als Präsident der SVP Luzern ab. (Bild: zvg)
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Die zeitliche Belastung wurde ihm zu gross: Franz Grüter gibt sein Amt als Präsident der SVP Luzern ab. (Bild: zvg)

«Die Luzerner SVP ist keineswegs eine lahme Ente»

9min Lesezeit

Die Luzerner SVP muss einen neuen Parteipräsidenten suchen. Franz Grüter gibt das Zepter nach fünf Jahren ab. Im Interview blickt der 53-Jährige auf drei Highlights zurück. Er sagt aber auch, wo sich die Partei schwertut, wie sie nicht zur lahmen Ente wird und wieso er offen wäre für eine Frau an der SVP-Spitze.

Nach fünf Jahren an der Spitze der Luzerner SVP nimmt Präsident Franz Grüter den Hut. Im Mai 2012 übernahm er die Parteileitung von Josef Kunz, nun tritt er per 1. Juni zurück (zentralplus berichtete). Der 53-jährige Unternehmer und Familienvater aus Eich tanzt auf zahlreichen Hochzeiten: Er ist im Nationalrat, sitzt in der Parteileitung der SVP Schweiz und führt seine eigene IT-Firma Green mit 120 Angestellten. Nun wird ihm das Parteipräsidium zu viel, seinen Rücktritt begründet er mit der zeitlichen Belastung. zentralplus hat nachgefragt.

zentralplus: Franz Grüter, Sie sagten im Dezember zu zentralplus, dass Sie von Ihren Vizepräsidenten gut unterstützt würden und so lange weitermachen, wie es gut läuft. Bedeutet Ihr Rücktritt also, dass es nicht mehr läuft?

Franz Grüter: (lacht) Nein, das wäre eine Fehlinterpretation. Die zeitliche Belastung war ausschlaggebend für meinen Rücktritt. Ich präsidiere die nationalrätliche Finanzsubkommission 1 und engagiere mich auch in der Firma immer noch sehr stark. Zudem werde ich ab März das Vizepräsidium von ICT Switzerland, dem grössten IT-Branchendachverband, übernehmen. Das ist nochmals eine zusätzliche Aufgabe.

«Mein Entscheid hat absolut nichts mit dem Abstimmungsresultat zu tun.»

zentralplus: In der Parteileitung der SVP Schweiz sind Sie für den Bereich Finanzen und Steuern zuständig. Hat Ihr Rücktritt auch damit zu tun, dass Sie da nach dem Nein zur Unternehmenssteuerreform III stärker gefordert sind?

Grüter: Diese Frage habe ich erwartet. Aber das Timing ist purer Zufall. Ich habe meinen Entscheid schon vor längerer Zeit getroffen. Es hat mit dem Abstimmungsresultat vom 12. Februar absolut nichts zu tun. 

zentralplus: Sie setzen demnach einfach andere Prioritäten?

Grüter: Nun ja, einerseits habe ich das Amt seit fünf Jahren inne. Andererseits finden im Frühling 2019 bereits wieder kantonale Wahlen statt. Wenn ich also weitermachen würde, müsste das mindestens bis nach den Wahlen sein. Denn eine Partei kann nicht ein Jahr vor den Wahlen den Präsidenten austauschen. Man muss sich einarbeiten, und diese Zeit will ich meinem Nachfolger geben. Von daher ist es nun ein guter Zeitpunkt.

Seit rund einem Jahr sitzt Franz Grüter im Nationalrat.
Seit 2015 sitzt Franz Grüter im Nationalrat. (Bild: Facebook/Franz Grüter)

zentralplus: Blicken wir zurück. Was ist Ihnen in Ihren fünf Jahren als Parteipräsident der SVP Kanton Luzern gut gelungen?

Grüter: Für mich gibt es drei wesentliche Highlights. Erstens, dass wir mit Paul Winiker wieder in der Luzerner Regierung vertreten sind. Das war ein grosser Meilenstein für die Partei. Zweitens, dass es uns gelungen ist, 2015 den dritten Nationalratssitz zurückzuholen. Und drittens, dass wir bei den nationalen Wahlen erstmals die CVP vom obersten Podestplatz verdrängen und zur wählerstärksten Partei im Kanton werden konnten.

zentralplus: Es gab in Ihrer Zeit aber auch Niederlagen, zuletzt mit Ihrer Initiative «Steuererhöhungen vors Volk» im November. Auch mit Wahlen in Gemeindeexekutiven tut sich die SVP schwer – nicht nur in der Stadt.

Grüter: Tatsächlich sind wir in den Gemeindeexekutiven schlecht vertreten, da müssen wir uns verbessern. Meinem Nachfolger wird die Arbeit sicherlich nicht ausgehen.

zentralplus: Aber gab es einen Moment, in dem Sie besonders zu kämpfen hatten?

Grüter: Nein, das würde ich so nicht sagen. Es gehört zum politischen Alltag, dass man auch mal verliert. Was mir Sorgen macht, ist, dass der Kanton Luzern bezüglich Standortattraktivität langsam wieder ins Mittelfeld abdriftet, die ganze Finanzsituation ist sicher nicht befriedigend. Aber das ist ein Kernthema der Partei und deshalb nicht speziell auf meine Amtsdauer beschränkt.

Franz Grüter vor den Neubauten seiner Firma «green.ch».
Franz Grüter vor den Neubauten seiner Firma «green.ch». (Bild: Facebook/Franz Grüter)

zentralplus: Eine Partei zu leiten, bedeutet viel Arbeit im Hintergrund. Wie hoch war Ihr Pensum?

Grüter: Die Aufgabenfülle ist konstant hoch, das stimmt. Wenn man die Arbeitszeit betrachtet, würde ich sagen, es ist ein 20-Prozent-Pensum. Wenn man noch alle Sitzungen und Anlässe an den Abenden und am Wochenende addiert, investiert man rund einen Drittel seiner Zeit in das Amt.

Vier Männer entscheiden

Um einen Nachfolger für Kantonalpräsident Franz Grüter zu finden, hat die SVP eine Findungskommission eingesetzt. Geleitet wird sie von Nationalrat Felix Müri (Emmenbrücke). Ebenfalls im Gremium sitzen Regierungsrat Paul Winiker (Kriens), Fraktionspräsident Guido Müller (Ebikon) sowie der abtretende Parteipräsident Franz Grüter (Eich).

zentralplus: Das klingt nicht sehr verlockend. Sind Sie optimistisch, einen guten Nachfolger zu finden?

Grüter: Wir haben gute, fähige Leute. Die Frage ist, ob jemand bereit dazu ist. Ich bin jedoch überzeugt, dass die Findungskommission eine gute Nachfolge findet (siehe Box).

zentralplus: Sie sind selber in der Findungskommission. Haben Sie bereits einen Wunschkandidaten ins Auge gefasst?

Grüter: Nein, es ist noch zu früh, um Namen zu nennen.

zentralplus: Die SVP ist vergleichsweise männerlastig. Eine Frau an der SVP-Spitze – das wäre doch ein Überraschungs-Coup.

Grüter: Wir sind absolut offen. Die Fähigkeiten und der Wille ein solches Amt zu übernehmen stehen im Zentrum und nicht das Geschlecht.

zentralplus: Was muss ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin mitbringen?

Grüter: Man muss die Bereitschaft zeigen, diese Arbeit auf sich zu nehmen. Es ist ein relativ anspruchsvolles Amt, das nicht für alle machbar ist. Ein normaler Arbeitnehmer kann sich ja nicht einfach immer wieder ausklinken. Zweitens muss jemand politische Erfahrung mitbringen. Und drittens braucht es Akzeptanz und Führungserfahrung. Man muss Entscheide fällen und sich durchsetzen können.

«Ich zeige keine Müdigkeitserscheinung.»

zentralplus: Bis am 1. Juni leiten Sie noch die Geschicke der Partei. Ein wichtiger Termin wird die Abstimmung über die Steuererhöhung am 21. Mai. Ein SVP-Erfolg wäre für Sie doch das ideale Abschiedsgeschenk?

Grüter: Wir werden sehen, wie die Bevölkerung entscheidet. Bei Abstimmungen muss man das Resultat am Ende immer akzeptieren. Aber wir werden uns bis zum Schluss gegen die Steuererhöhung wehren.

zentralplus: Wer seinen Rücktritt ankündigt, zerreisst bis zum tatsächlichen Abgang meist keine grossen Stricke mehr. Die Findungskommission ist zudem mit Ihrer Nachfolge beschäftigt. Haben Sie keine Angst, dass sich die SVP da verzettelt und die Abstimmung im Mai die zweite Geige spielt?

Grüter: Ich bin noch voll im Sattel und zeige keine Ermüdungserscheinungen (lacht). Der Abstimmungskampf wird mit vollem Elan geführt – die Partei ist keineswegs eine Lame Duck, also keine lahme Ente.

Von links: Richard Koller, Parteisekretär, Franz Grüter, SVP-Nationalrat, und Guido Müller, Fraktionschef SVP Kanton Luzern.
Von links: Richard Koller, Parteisekretär, Franz Grüter, SVP-Nationalrat, und Guido Müller, Fraktionschef SVP Kanton Luzern. (Bild: pze)

 

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