James Gaffigan und sein Orchester. (Bild: zvg)
Kultur Konzertkritik

James Gaffigan und sein Orchester. (Bild: zvg)

Russische Seele erwachte in Luzern zu neuem Leben

5min Lesezeit

Furiose Klänge und harmonische Töne begrüssten an Neujahr die KKL-Besucher. Violoncellist Steven Isserlis zeigte eine breite Palette an Variationen und brachte mit Tschaikowsky ein Stück Russland in den Saal. Ein pompöser Beginn in das Konzertjahr 2017.

Simon Kurzen

Es ist schon fast Tradition, zum zehnten Mal in Folge trat das Sinfonieorchester in Luzern am Neujahrstag auf. Erst genossen die Zuschauer das Konzert am Nachmittag, danach folgte das opulente Feuerwerk über dem Seebecken in Luzern. Was für ein Start ins Neue Jahr.

Begleitet wurde das Sinfonieorchester im ersten Teil seiner Vorstellung von Steven Isserlis. Einen Violoncellisten von internationalem Weltruhm hatte sich das Orchester hier zur Verstärkung gesucht. Seine Vielfalt von tiefen und hohen Tönen, ebenso wie sein ausdrucksstark Art und das Spektrum welches er mit dem Instrument abzudecken vermochte, überzeugten. Ein Violoncello in so hohen Tonlagen zu spielen und die Töne dennoch so fein und klar erklingen zu lassen bedarf doch einiges mehr als reine Fingerfertigkeit. So quotierte denn auch das Publikum seine Interpretation von Peter Tschaikowsky´s Rokoko-Variationen op. 33 und die der Andante cantabile mit grossem Applaus.

Meisterhafte Begrüssung des Neuen Jahres

Während diesem ersten Teil war die Faszination im Saal fast greifbar. Es wirkte, als ob Isserlis mit Hilfe des Sinfonieorchesters eine Art von Schleier weben würde, welcher alle verstummen liess. Die Musiker banden die Gäste ein, in eine Welt, die auf der Bühne mit Hilfe von Klängen und Tönen entstanden. Fragil und doch hinreissend schön, Teil dieser Schönheit war sicher die Vergänglichkeit, welche eine grosse Faszination ausübte. Die russische Seele erwachte in Luzern zu neuem Leben. Man hatte sich hier kein leichtes Stück ausgesucht, und es war dennoch eine meisterhafte Begrüssung des Neuen Jahres.

Steven Isserlis mit seinem Violoncello.
Steven Isserlis mit seinem Violoncello. (Bild: zvg)
Nach zweimaliger Ovation schloss Isserlis seinen Teil der Vorstellung mit einer freien Interpretation ab, welche nochmals klar machte, welches Talent er auf diesem Instrument entfalten konnte. Im Stil eines Rock-Gitarristen zupfte er an seinem Violoncello und vermochte mit derart einfachem Mittel den ganzen Saal zu sofortigem Schweigen zu verleiten. Es ist faszinierend einen Musiker zu sehen, welcher derart mit seinem Instrument verschmilzt, es wirkt fast so, als ob das Instrument teil seiner Selbst wird. Isserlis Freude an der Musik ergriff auch die Anwesenden, es wirkte bei Ihm nicht, als befände man sich in einem grossen Konzertsaal, er nahm dem ganzen Anlass auf meisterliche Art die Angespanntheit ab.

Nach der Pause in einfacheren Gefilden

Nach der Pause setzte das Sinfonieorchester ohne Solisten mit Alexander Borodin´s Sinfonie Nr. 2 h-Moll fort. Es waren jedoch einige Zuschauer schon direkt nach der Pause verschwunden. Der zweite Teil war souverän vorgetragen, konnte an Qualität jedoch nicht mehr ganz mit dem Ersten mithalten. Der freie Geist, welcher im ersten Teil so klar das Orchester getragen hatte, wurde nun vermisst.

Es war sicherlich eine schöne Darbietung. Allerdings war allen im Publikum noch zu genau bewusst, welche Magie zuvor von der Bühne her Funken geschlagen hatte, dieses Prickeln fehlte nun. Hätten wir es im ersten Teil nicht kennen gelernt, wir hätten es wahrscheinlich nicht vermisst. James Gaffigan hatte sein Orchester gut im Griff und wirkte in seinen Bewegungen teilweise furios. So sprang er während der Vorstellung mehrmal auf und ab, sosehr riss Ihn die Musik von den Beinen und in Ihrem Takt mit.

Alles in allem erlebten die Besucher einen überaus gelungenen Neijahrsnachmittag, das Konzert konnte sich sehen lassen. Die russische Seele war in Luzern an diesem Tag wieder einmal zum Greifen nahe. Ein Konzert, welches noch viel Neues erwarten lässt und dennoch nicht mit dem Altbewährten bricht. Nach einer etwas längeren Pause ging die Vorstellung vor dem Konzertsaal mit einem Feuerwerk zu Ende.

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