Lionius Treikauskas spielt auf dem Cello. Bruno Bieri begleitet mit Gesang und Hang. (Bild: Nicole Aeschlimann)
Kultur Musik Rezension

Lionius Treikauskas spielt auf dem Cello. Bruno Bieri begleitet mit Gesang und Hang. (Bild: Nicole Aeschlimann)

Hohe Töne, ein Cello und ein umgedrehter Wok

5min Lesezeit

Das Konzert von Bruno Bieri und Lionius Treikauskas am Donnerstagabend in der Matthäuskirche Luzern vermittelte den Zuhörern ein ganz besonderes Erlebnis. Ungewohnte Töne entstanden im Zusammenspiel mit Hang und Cello. Ein Carbon-Horn und Bieris spezieller Gesang vervollständigten das mystisch anmutende Stimmbild.

Nicole Aeschlimann

Die Musik, welche dem eher bescheidenen Publikum an diesem Abend in der Matthäuskirche geboten wurde, war aussergewöhnlich. Zwei Musiker, ein Cello, ein schwarzes Alphorn und das ominöse Hang. Mehr brauchte es nicht. Damit liessen Bruno Bieri aus Bern und Lionius Treikauskas aus Litauen mystische Klangwelten entstehen. Ihre Musik zog einen sofort in ihren Bann. Die warmen Klänge des Hangs harmonierten hervorragend mit der Melancholie des Cellos.

Hang ist eigentlich Berndeutsch

Falls man sich an dieser Stelle fragt, was denn bitte ein Hang ist: Das archaisch aussehende Hang ist ein noch junges Instrument. Es wurde im Jahr 2000 von Felix Rohner und Sabina Schärer in Bern entwickelt und sieht ein bisschen aus wie ein umgedrehter Wok mit acht abgeflachten Stellen. Auf diese trommelt man mit der Hand. Daher hat das Instrument auch seinen Namen. Das berndeutsche Wort «Hang» steht für Hand.

«Da sich das Hang nicht stimmen lässt, müssen sich die anderen Instrumente anpassen.»

Das Spielprinzip ist ähnlich dem einer Steelpan. Durch das Aufschlagen auf die abgeflachten Felder wird das dünne Blech in Schwingungen versetzt und bildet den charakteristischen Klang. Insgesamt acht Töne kann das Hang erzeugen.

Begrenzte Möglichkeiten

Doch sind die Möglichkeiten eines solchen Instruments nicht limitiert? Nach dem Konzert darauf angesprochen, meinte Treikauskas: «Es ist extrem schwierig, mit dem Hang zusammenzuspielen. Da es sich nicht stimmen lässt, müssen sich die anderen Instrumente anpassen.» Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ergeben sich neue Wege des Zusammenspiels. Die beiden Musiker mussten zudem erst herausfinden, welche Möglichkeiten bezüglich der Stückwahl bestehen. Dass sie mit ihrer Musik ankommen, zeigen ihre Erfolge. Seit neun Jahren spielen sie zusammen und bestreiten Konzerte in verschiedenen Städten Europas.

Die Matthäuskirche bildete einen schönen Klangraum für die Instrumente. Das Zusammenspiel erschien leicht und flüssig. Doch das Hang ist ein eher leises Instrument mit einem feinen Ton. Deswegen wurde es zeitweise vom kraftvollen Cello übertönt. Und auch wenn die beiden Instrumente gut miteinander harmonierten, hätte man sich vielleicht noch etwas mehr vom schönen Hang-Klang gewünscht.

Der akustische Helikopter

Neben dem Hang kam auch Bieris Alphorn zum Einsatz. Er spielt jedoch nicht ein gewöhnliches Alphorn aus Holz. Sein Instrument ist aus Carbon und damit um einiges leichter zu transportieren, wie er mit einem Schmunzeln erzählt. Er entlockte dem Carbon-Horn derart tief schwingende Töne, dass man meinen konnte, es sei ein Helikopter auf der Matthäuskirche gelandet.

Ebenso speziell war auch Bieris Gesang. Er begeisterte das Publikum mit seinem Ober- und Untertongesang. Ersterer besteht aus sehr hohen Tönen, die entfernt an den Klang einer Flöte erinnern. Dahingegen ist der Untertongesang den tiefen Tönen eines Didgeridoos ähnlich (siehe dazu den Clip).

Kuh-Laute und andere Töne

Man möchte natürlich wissen, wie dieser Gesang entsteht. Diese Frage beantwortet der Musiker im Konzert gleich selber. «Man muss einfach ein L singen und viel üben. Daraus entwickelt sich früher oder später der Oberton.» Spricht’s und singt sogleich «leo», welches schlagartig in die hohen Töne umschlägt. Ähnlich funktioniere es auch mit den tiefen Tönen. Ein archaisches «Muh», am besten bei einer Wanderung auf der Kuhweide gesungen, führe zu den tiefen Tönen.

Die Musik des Duos hat eine besondere Wirkung. Die entstandenen Harmonien berühren einen tief im Innern. Als Zuhörer kann man nur wahrnehmen und staunen. Auch die Kinder im Publikum lauschten gebannt den ungewohnten Klängen. Wer sich die Stimmbilder selber anhören möchte, kann dies in Zermatt tun. Das Duo Bieri & Treikauskas spielt am Freitag, 30. Dezember 2016, um 20.30 Uhr in der Pfarrkirche Zermatt und am Neujahrstag, 1. Januar 2017, um 11.30 Uhr in der Kapelle Winkelmatten in Zermatt.

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