Am Konzert im Schloss Meggenhorn. (Bild: Laura Livers)
Kultur Musik Rezension

Am Konzert im Schloss Meggenhorn. (Bild: Laura Livers)

«Das Beste zum Schluss» ist keine gute Idee

5min Lesezeit

Bereits zum zehnten Mal finden dieses Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr die Klang Kammermusiktage auf Schloss Meggenhorn statt. Am Eröffnungskonzert spielte das italienisch-schweizerische «Trio des Alpes» Donizetti, Mendelssohn und Dvořák. Nach uninspiriertem Start mit deutlicher Steigerung und viel Enthusiasmus zum Schluss des Konzertes.

Laura Livers

Als erstes steht das Klaviertrio in Eb-Dur von Gaetano Donizetti auf dem Programm. Noch nie gehört? Nichts verpasst. Das einzig Spannende an diesem Stück ist seine Vollendung durch einen Musikhistoriker, der zwei wiederentdeckte Fragmente schlüssig zu einem Ganzen zusammenführte. Klingen tut das Klaviertrio wie hunderte anderer klassischer Stücke, welche im Laufe der Jahrhunderte in der Versenkung verschwunden sind: 0815, ohne eingängige Passagen, «Schulbuch»-Form, ohne Überraschungen, kurz: Uninspiriert.

Geige ein bisschen zu virtuos

Es ist verständlich dass Musiker immer auf der Suche nach neuen, ungespielten, unbekannten Stücken sind, aber oftmals gibt einen triftigen Grund, dass die Stücke unbekannt und ungespielt sind. Donizettis Klaviertrio hat zu wenig Material, mit dem die Musiker arbeiten könnten, und das hörte man. Die Geige ein bisschen zu virtuos im Vordergrund, um das Fehlen einer interessanten Melodie zu kompensieren, das Klavier ein wenig zu «forte», trotz sich ewig wiederholender Begleitmuster. Dem konnte auch die dezidierte Spielweise des Cellisten nicht entgegenwirken. Ob es kalte Finger oder Frust war, sei dahin gestellt – Hana Kotkovà (Violine), Claude Hauri (Violoncello) und Corrado Greco (Piano) haben sich mit diesem Stück keine Freude gemacht.

Ein Hoch auf die Klassiker 

Als nächstes wagte sich das «Trio des Alpes» an Mendelssohns Klaviertrio Nr. 1 in d-Moll. Von Robert Schumann nach seiner Erstaufführung 1839 als das «Meistertrio der Gegenwart» betitelt, gilt es noch heute als eines der grossen Klaviertrios. Souverän in den ersten Satz gestartet, merkt man, wie die Musiker sich plötzlich wohler fühlen.

Vielleicht liegt ihnen Mendelssohn mehr als Donazetti, vielleicht sind nun die Finger und Instrumente ganz aufgewärmt, aber plötzlich beginnen die einzelnen Stimmen ineinander zu greifen. Die drei Musiker liessen sich sogar ein wenig mitreissen und steigerten das Tempo, dass der Pianist fast nicht mehr nachkam. Der zweite Satz war dann auch eher auf der zügigen Seite, was man aber gerne verzeiht.

Der dritte und vierte Satz war eine kontinuierliche Steigerung des musikalischen Niveaus. Das Dynamikspektrum vergrösserte sich zunehmlich, pianissimo wurde nun taktweise gehalten, crescendos dauerten Zeilenlang, sodass im vierten und letzten Satz fast schon von leidenschaftlichem Spiel die Rede sein könnte.

Das Beste zum Schluss

Das letzte Werk von diesem Abend war das «Dumky» Klaviertrio in e-Moll von Antonín Dvořák. Vollendet 1891, kurz vor Dvořák’s Emigration nach New York, unterscheidet sich dieses Klaviertrio von den restlichen. Dvořák verarbeitete in diesem Werk sechs Dunkas (tschechische Volkstänze) und brach so mit der üblichen 3 bis 4-teiligen Form.

Das Trio des Alpes, das sich kurz nach draussen zum Nachstimmen begeben hat, kommt mit schnellen Schritten zurück zur Bühne, setzt sich hin und beginnt quasi aus dem Nichts heraus mit dem ersten Satz. Und was für eine Erleichterung dieser erste Satz war: Schwer und süffig spielen Hauri (Violoncello) und Greco (Piano) das Intro, Kotkovà (Violine) übernimmt mit einem kleinen Solo, das Cello spielt die zweite Stimme und das Klavier setzt mit einem Sforzando wieder ein, und des Alpes hat endlich gezeigt, warum sie an diesem Festival spielen.

Auch Musiker sind nur Menschen

Der Rest des Konzertes war ein genussvolles Zurücklehnen voller witziger Melodien, tragischer Zwischenspielen, rhythmische Tuttis und verspielte Fugatos. Hätte das Trio Mendelssohn und Donizetti mit genau diesem Enthusiasmus gespielt, wäre das ein fantastisches Konzert gewesen. Aber auch Musiker sind nur Menschen, und so blieb dem Zuhörer nichts anderes übrig, als sich umsomehr an diesem gelungenen Dvořák zu erfreuen.

Wer die Eröffnung verpasst hat: Es hat noch Tickets für alle Konzerte des Klang Festivals. Nur die Matinée mit Heinz Holliger ist praktisch ausverkauft.

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