Carla Schwöbel in ihrem Garten im Obergrund-Quartier. (Bild: René Regenass)
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Carla Schwöbel in ihrem Garten im Obergrund-Quartier. (Bild: René Regenass)

Ihm die Beizen, ihr die Kultur: Wie sich Carla Schwöbel für Luzern engagiert

10min Lesezeit

Carla Schwöbel kam 1973 aus Kassel nach Luzern. Die Frau des umtriebigen «Braui»- und «Stadtkeller»-Besitzers Eckhard Schwöbel engagiert sich tatkräftig in der Kultur: Damals fürs KKL, heute etwa als Mäzenin des Lucerne Festivals. Bei der Integration war ein Schritt besonders wichtig.

René Regenass

Carla Schwöbel, 74-jährig, hielt erst nicht viel von einem Porträt. «Ich möchte eher nicht so öffentlich auftreten», sagte sie. Dann, nach einem Abwägen, war sie trotzdem dazu bereit. «Was soll’s, ich muss mich ja nicht immer so verkriechen.»

Seit 1973 lebt Schwöbel in Luzern, aufgewachsen ist sie in Kassel, Nordhessen. «Der Grund für den Umzug war beruflicher Art. Mein Mann hatte als Ingenieur den Auftrag erhalten, in Escholzmatt eine Produktionsgesellschaft aufzubauen.» Damals hiess diese Intermedica, heute ist die Firma mit Geschäftssitz in Sempach unter dem Namen B. Braun Medical AG bekannt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Melsungen in Deutschland wurde von Schwöbels Urgrossvater gegründet, vor 175 Jahren. Jetzt ist die sechste Generation am Werk. «In Escholzmatt kamen wir auf die grüne Wiese, da war gar nichts. Es war auch schwierig, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, vor allem im technischen Bereich.»

«Stadtpräsident Franz Kurzmeyer hat mich gut eingeführt in das schweizerische Denken.»

Carla Schwöbel

Seit gut 40 Jahren lebt also Carla Schwöbel jetzt in Luzern. Da haben sich manche Kontakte ergeben. Welchen Bezug hat sie zur Stadt? «Jeder Anfang in einem neuen Land ist schwierig. Es spielt keine Rolle, wo das ist.» Erstaunlich dann ihre Einschätzung. Die grosse Wende sei mit der Einbürgerung gekommen, sagt Carla Schwöbel. «Plötzlich fühlten wir uns als volle Mitglieder der Gesellschaft.»

Spannende Entwicklung Richtung KKL

Später kam das Engagement in der Kultur dazu. Da war zuerst die Mitwirkung im Vorstand der Kunstgesellschaft Luzern, was schliesslich auch zur Berufung in die Trägerstiftung des KKL führte. Carla Schwöbel: «Das war für mich eine ausgeprägt spannende Zeit. Die Kontakte mit Thomas Held und Hanspeter Balmer. Wir waren eine entschlossene Gemeinschaft, die das Projekt durchziehen wollte. Stadtpräsident Franz Kurzmeyer hat mich gut eingeführt in das schweizerische Denken.» Das fehle einem, wenn man aus Deutschland in die Schweiz komme, sagt Carla Schwöbel.

Die Entwicklung des KKL-Projekts habe sie als enorm spannend miterlebt. Die Abstimmungen innerhalb der Stiftung: ob es einen blauen Saal oder einen weissen geben soll. Und die ausserordentlichen Sitzungen, meistens morgens früh um sechs Uhr. Kein Wunder, dass Carla Schwöbel von Franz Kurzmeyer auch in die Gemeinnützige Gesellschaft der Stadt Luzern berufen worden ist.

«Es braucht immer den Mut zur Veränderung.»

Heute engagiert sich Carla Schwöbel als Sponsorin beim Lucerne Festival.«Ich war Feuer und Flamme für den Aufbau der Lucerne Festival Academy durch Pierre Boulez und Michael Haefliger. Die Sicht in die Zukunft ist wichtig, damit wir nicht in der Klassik stehen bleiben.» Das Luzerner Sinfonieorchester und das Festival stünden vor der grossen Herausforderung, das Interesse für die klassische Musik für die nächste Generation wach zu halten. «Dafür wäre die Salle Modulable meines Erachtens der Schritt in die richtige Richtung gewesen», ist Schwöbel überzeugt.

Die 74-Jährige engagiert sich stark für die Kultur in Luzern.
Die 74-Jährige engagiert sich stark für die Kultur in Luzern. (Bild: René Regenass)

«Die Entwicklung geht Richtung Musiktheater»

Wo sieht Carla Schwöbel als Kulturengagierte die Luzerner Theaterdiskussion? «Ich habe den neuen Direktor Benedikt von Peter kennengelernt. Das Programm, das er auf die Bühne bringen will, finde ich grossartig.» In der Auseinandersetzung um die Salle Modulable sei sie etwas überfordert. «Ich finde es schade, auf das Ganze zu verzichten. Aber ich sehe die Probleme von Kanton und Stadt Luzern.»

In der Standortfrage hätte Carla Schwöbel durchaus die Inseli-Variante gesehen. «Wir leben doch mit ständigen Veränderungen. Denken wir nur an die Aufschüttung des Schweizerhofquais. Es braucht immer den Mut zur Veränderung, aus der eine Aufwertung entstehen kann. Zudem geht die Entwicklung in Richtung Musiktheater.»

Carla Schwöbel wohnt im Reckenbühl, an wunderschöner Lage in Luzern oberhalb der Taubenhausstrasse. «Ich liebe dieses Quartier und bin richtig glücklich, dass wir hierhergezogen sind.» Auch die Umgebung sei immer wieder aufgewertet worden. Sie nennt zum Beispiel den Helvetiagarten. «Es war auch Glück dabei, dass wir dieses alte, stark renovationsbedürftige Haus in einem verwilderten Garten gefunden haben und erwerben konnten. Es wurde 1890 als eines der ersten Gebäude hier oben gebaut.»

«Ich würde gerne mal in ‹Schwizerdütsch› mitreden.»

Was ist für Carla Schwöbel wichtig im Alltag, neben der kulturellen Teilhabe? «Am Morgen liebe ich die Ruhe, ich stehe früh auf. Dann kommt die Zeitung, der Kaffee, und schon bald halt diese oder jene Verpflichtung.» Ob sie gewisse Termine und Verpflichtungen im Tageslauf gerade zu brauche, fragt man sich da. «Ja sicher, mir sind Freunde sehr wichtig. Ich muss nicht repräsentieren, hier wird gelebt.» Auch spontane Besuche seien willkommen. Dann werde ein Topf Wasser aufgesetzt und Spaghetti gekocht, erzählt sie. «Ich schätze die Unterhaltung, das Gespräch mit Menschen.» Und die Kontakte zu Deutschland – sind die noch vorhanden? «In erster Linie zu meiner Familie. Die kommen sehr gerne nach Luzern. Ab und zu leben auch die Kontakte mit Schul- und Studienfreunden wieder auf. Das schätze ich.»

Carla und Eckhard Schwöbel (siehe Box) haben zwei Töchter mit ihren eigenen Familien und je zwei Enkelkinder. Eine Tochter wohnt in Luzern. Sie hat sich selbstständig gemacht und übernimmt jetzt die Rolle ihres Vaters, was Rathaus-Brauerei und Stadtkeller betrifft (zentralplus berichtete). Die andere Tochter lebt in Barcelona, weil ihr Mann dort einen Job gefunden hat.

«Ohne Neugier wird man schnell alt»

Und in der Stadt? Was interessiert, wo ist Carla Schwöbel noch dabei? «Die regelmässigen Verpflichtungen habe ich abgegeben. Aber ich bin neugierig. Ohne diese Neugier wird man schnell alt.» Führt die Neugier auch zum Engagement, politisch vielleicht? «In der Diskussion sicher, aber nicht öffentlich. Da hat mich immer wieder meine norddeutsche Sprache gestört. Ich würde gerne mal in ‹Schwizerdütsch› mitreden. Aber das geht nicht.»

Ein Engagement kam noch nicht zur Sprache: Carla Schwöbel hat als Vizepräsidentin in der reformierten Kirchgemeinde Lukas mitgewirkt. Sie ist jetzt noch in einer ökumenischen Gruppe dabei, ein Zusammenwirken von Menschen aus der Paulus-, Franziskaner- und Lukaskirche. Sie erlebte die Zeit als Übergang, den Zusammenschluss der drei reformierten Kirchen der Stadt. «Das ist nicht einfach, eröffnet aber auch Möglichkeiten.»

Schliesslich wirkt Carla Schwöbel auch in der vom Theologen Hans Küng gegründeten Stiftung Weltethos Schweiz als Stiftungsrätin mit. Gemäss dem neuen Leitbild 2016 fördert die Stiftung Projekte im Bereich des interkulturellen und interreligiösen Dialogs und der wertvermittelnden Bildungsarbeit. Präsident der Stiftung ist übrigens der im Kanton Luzern lebende Naturwissenschaftler Peter Baccini, der in ganz frühen Jahren als Beauftragter des damaligen Erziehungsdirektors Walter Gut ein erstes Projekt für die Universität Luzern entwickelte, das dann an der Urne scheiterte.

Eckhard Schwöbel – stadtbekannter Gastronom

Er ist in der Luzerner Gastro- und Unterhaltungsszene genauso bekannt wie seine Frau im kulturellen und kirchlichen Umfeld. 2009 wurde Eckhard Schwöbel zum «Rüüdige Lozärner» gewählt. Zwei Ereignisse waren massgebend für diese Wahl.

Eckhard Schwöbel hat in den Kellerräumen des Rathauses die Rathaus-Brauerei eingerichtet. Heute ist er Hauptaktionär der Rathaus-Brauerei AG. Am Schmutzigen Donnerstag 1998 fand die Eröffnung statt. Dem Erwerb gingen lange Verhandlungen mit den um ihre Position bangenden Wirten am Reussquai und damit den Marktleuten voraus, die im Rathauskeller Einrichtungen und Ware lagerten.

Ein paar Jahre später setzte sich Eckhard Schwöbel für die Erhaltung des Stadtkellers als Musiklokal und Fasnachtszentrum ein – es drohte dort ein Kleidergeschäft reinzukommen. Heute ist er Besitzer des Stadtkellers. Silvia Fähnrich – ihr Vater war während rund vierzig Jahren Kapellmeister im Lokal – wirkt seit gut dreissig Jahren als Musikerin und Moderatorin der Folkloreshow im Stadtkeller. In einem Dankesbrief an Eckhard Schwöbel schrieb sie: «Es wäre ein Stück Luzerner Geschichte verloren gegangen, hätten Sie sich nicht eingesetzt, dass es erhalten bleibt. Sehr viele Menschen werden es Ihnen ewig danken.»

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