Das Wohn- und Geschäftshaus Alpenstrasse 15 beim Bahnhof Zug. Die Poststelle im Erdgeschoss steht seit November 2015 leer. (Bild: mbe.)
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Das Wohn- und Geschäftshaus Alpenstrasse 15 beim Bahnhof Zug. Die Poststelle im Erdgeschoss steht seit November 2015 leer. (Bild: mbe.)

Post lässt Zuger Gebäude jahrelang leer stehen

7min Lesezeit

Die Post am Zuger Bahnhof steht seit über einem Jahr leer, und auch die einst so stolze Hauptpost strahlt lediglich noch Tristesse aus. Hat es die Post nicht nötig, ihre Gebäude in einer der teuersten Schweizer Städte zu vermieten? Nun scheint es zumindest für eines der Gebäude konkrete Pläne zu geben.

Die Post schliesst aus Rentabilitätsgründen immer mehr Filialen in der ganzen Schweiz. Das löst Unmut in der Bevölkerung und bei den oft überrumpelten Gemeindebehörden aus (zentralplus berichtete kürzlich über die Situation in Luzern).

In der Stadt Zug ist der Restrukturierungs-Prozess bereits vorüber. Doch auch hier gingen die Wogen bekanntlich hoch (zentralplus berichtete).

Das Endergebnis sind neben der neu realisierten Poststelle Laubenhof auch leer stehende Gebäude – und das auf dem teuren Pflaster Zug. Allen voran die einst stolze Hauptpost am nach ihr benannten Platz. Eine kleine Postagentur erfüllt die Minimalbedürfnisse. Das Erdgeschoss steht seit November 2015 grösstenteils leer, ein trauriger Anblick. Die Post schweigt sich aus, was sie mit ihrem Gebäude vorhat.

Post hat Baugesuch eingereicht

Geschlossen wurde auch die Poststelle Oberwil, sie wurde durch eine Postagentur im Volg-Laden ersetzt. Die Post war nur im Gebäude eingemietet. Bei der Stadt Zug wurde vor einigen Monaten ein Umbaugesuch eingereicht für eine Wohnnutzung.

Durch eine Ausschreibung wird nun auch klarer, was mit der ehemaligen Bahnhof-Poststelle an der Alpenstrasse 15 geschieht. Diese Tage liegt ein Baugesuch der Post Immobilien AG bei der Stadt Zug öffentlich auf, bis 1. März läuft die Einsprachefrist. zentralplus hat es studiert.

Die alte Poststelle soll danach rückgebaut, umgebaut und erweitert werden. Einen Teil der Post-Fläche wird das Radiologiezentrum Zug mieten, das sich bereits im selben Gebäude befindet. Es will sein 2011 eröffnetes Zentrum erweitern. Den vorderen Teil der ehemaligen Postfläche will die Post an eine zweite Partei vermieten. Wer das ist, ist noch nicht bekannt.

«Wir werden in der Erweiterung unsere Administration unterbringen.»
Marcus Livers, Radiologiezentrum Zug

Das Wohn- und Geschäftshaus gehört verschiedenen Stockwerkeigentümern, die Post  ist einer davon. Laut dem aufliegenden Baugesuch mussten alle Eigentümer ihr Einverständnis für den Umbau geben. Die Kosten des Umbaus trägt die Post Immobilien AG.

Arzt hofft auf mehr Sicherheit

Der Arzt Marcus Livers leitet das private Radiologiezentrum Zug. «Der Zulauf ist gut», sagt er auf Anfrage. Das sei aber nicht der Grund für die Expansion. Die Erweiterung in der ehemaligen Poststelle löse ihr Platzproblem, sagt er, das Zentrum habe momentan eine Wohnung in der Nähe gemietet, was dann nicht mehr nötig sei. «Wir werden in der Erweiterung unsere Administration unterbringen», sagt Marcus Livers.

Livers hätte gerne gewusst, wer der andere, zweite Mieter ist. Doch die Post wolle diesen erst bekannt geben, wenn der Vertrag unterschrieben sei. Der Arzt hofft, dass sich durch die neue Belebung die Sicherheit im Eingangsbereich des Wohn- und Geschäftshauses erhöht.

Kredit kommt in Gemeinderat

Laut Stadtrat André Wicki kommt im Laufe dieses Jahres ein Kredit für die Umgestaltung des unteren Postplatzes in den Gemeinderat. Momentan ist er ein trister Parkplatz neben dem Gebäude der kantonalen Direktion des Inneren. Die Stadt Zug hat einen Gestaltungswettbewerb für eine attraktivere Neugestaltung durchgeführt. Die Höhe des Kredits steht laut Wicki noch nicht fest und wird momentan erarbeitet.
Der obere Postplatz bei der Hauptpost hingegen bleibt, wie er ist, bis das neue Gebäude hinter dem Postgebäude zirka Mitte 2018 fertiggestellt ist. Gemäss der Volksabstimmung von 2009 werden dann die 60 Parkplätze auf dem Platz aufgehoben. In der Garage des Neubaus entstehen rund 100 neue öffentliche Parkplätze.

Weil der Eingang gedeckt sei, hielten sich abends oft Unbekannte dort auf und konsumierten Alkohol. «Im Normalfall verhalten sie sich anständig. Doch weil wir abends bis 21 Uhr arbeiten, ist es auch schon vorgekommen, dass unsere Kundinnen erschreckt wurden.»

Zweiter Mieter ist arztpraxis.ch

Laut Auskunft der Post Immobilien AG kommt der zweite Mieter ebenfalls aus dem Gesundheitsbereich. In die alte Post zieht die Praxiskette arzthaus.ch ein. Sie ist bisher in Aarau, St. Gallen und Zürich präsent und bietet in ihren Gruppenpraxen Grund- und Notfallversorgung an. «Im Sommer 2017 wird das Gebäude bezugsbereit sein», erklärt Adrian Christen. Zur Frage, warum das Gebäude so lange leer stand, meinte Christen, man habe zuerst Mieter finden müssen.

Keine Neuigkeiten zur Hauptpost

Und was geschieht mit der leer stehenden Hauptpost Zug? zentralplus hat seit der Schliessung im November 2015 diverse Male angefragt, wie die Post ihr Gebäude nutzen will. Bisher immer ohne Erfolg. Auch die Stadtbehörden erkundigen sich immer wieder und laufen beim gelben Riesen auf.

«Der Gesamtstadtrat möchte keine Leerbestände in Zug.»
André Wicki, Zuger Stadtrat

Laut Bauvorsteher André Wicki ist kein Baugesuch eingegangen, und auch sonst habe er keine Neuigkeiten. «Es ist ein grosser Wunsch des Gesamtstadtrats, dass das Postgebäude genutzt wird und es keine Leerbestände in Zug gibt», sagt der Vizepräsident des Zuger Stadtrats.

Uns was ist am immer wieder kolportierten Gerücht dran, dass das Tibits einziehe? Wicki persönlich fände es «sensationell», wenn ein vegetarisches Restaurant hineinkäme. «Ein solches Angebot fehlt noch in Zug. Es würde Frequenzen an den Postplatz bringen».

Vegi-Kette kommt nicht nach Zug

Doch Vegis und Teilzeitvegis müssen sich vertrösten: Laut Tibits-Mitinhaber Reto Frei plant die urban-hippe Kette momentan keine weitere Expansion in der Zentralschweiz. Tibits habe erst vor einem Jahr sein Lokal im Bahnhof Luzern eröffnet. Dieses laufe gut.

«Wir bekommen zwar schon manchmal Anfragen aus Zug von Gästen, die uns aus anderen Städten kennen. Sie fragen, ob wir kein Lokal eröffnen könnten», sagt Frei. Aber man wolle langsam und nicht überhastet wachsen, sagt er. Es habe auch keine Kontakte mit der Post wegen der Hauptpost in Zug gegeben.

Das zehnte Lokal der kleinen Kette wird in St. Gallen aufgehen – und nicht in Zug. Ob die Immobilienpreise ein Grund sein könnten, dazu wollte sich Reto Frei nicht äussern. Er kenne die Preise in Zug nicht.

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