Bald schon können Flüchtlinge die Hörsäle der Uni Luzern besuchen. (Bild: Frank Nader/SAH Zentralschweiz)
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Bald schon können Flüchtlinge die Hörsäle der Uni Luzern besuchen. (Bild: Frank Nader/SAH Zentralschweiz)

Uni Luzern öffnet ihre Hörsäle für Flüchtlinge

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Ein Trend erreicht Luzern: Die Universität öffnet ausgewählte Vorlesungen für Flüchtlinge. Sie erhalten so während eines Semesters Einblick in den Studienalltag und kommen mit Studenten in Kontakt. Aber Achtung: Das Angebot ist limitiert und es gibt Hürden.

Andere Schweizer Hochschulen haben es vorgemacht, nun zieht Luzern nach. Die hiesige Universität öffnet ihre Vorlesungssäle für Flüchtlinge, die im Kanton Luzern wohnen.

Ab dem Frühjahrssemster, das am 20. Februar beginnt, dürfen Flüchtlinge erstmals ein Schnupperstudium absolvieren. Während eines Semesters können sie gratis ausgewählte Lehrveranstaltungen besuchen, betreut werden sie dabei von Studierenden.

«Wir wollen etwas Positives zur Situation der Flüchtlinge in Luzern beitragen.»

Lukas Portmann, Sprecher Uni Luzern

Wieso dieses Angebot? «Wir haben gesehen, dass es dafür ein Bedürfnis gibt. Andere Schweizer Unis zeigen, dass die Nachfrage da ist», sagt Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter der Universität Luzern. Die Uni Basel und die ETH Zürich haben bereits ein solches Angebot, die Uni Zürich folgt ebenfalls auf kommendes Semester.

Genauso wichtig für die Uni Luzern: «Wir wollen etwas Positives zur Situation der Flüchtlinge in Luzern beitragen», so Portmann.

Einblick ins Hochschulsystem

Ziel das Schnupperangebotes: Interessierten Flüchtlingen den «Einblick ins Schweizer Hochschulsystem ermöglichen, deren Spracherwerb fördern und ihnen Kontakte zu Personen mit akademischem Hintergrund ermöglichen», teilt Lukas Portmann mit.

Das Angebot gilt für ausgewählte Lehrveranstaltungen in den Bereichen Theologie, Kultur- und Sozialwissenschaften, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften, die offen für Hörer sind (hier geht’s zur Übersicht). Zudem ist das Angebot vorerst auf zehn Plätze limitiert und es gilt für maximal vier Veranstaltungen pro Woche. Zum Vergleich: Die ETH bietet 40, die Uni Zürich 20 Plätze an, in Basel sind es zwischen 20 und 30.

Keine Prüfungen, keine Credit Points

Die Flüchtlinge besuchen die Vorlesungen als Hörerinnen oder Hörer, also ohne danach eine Prüfung abzulegen und ohne Credit Points zu erhalten. Ende Semester gibt’s eine Teilnahmebestätigung, jedoch kann kein Studienabschluss erworben werden.

«Die grösste Hürde für viele dürfte die Sprache sein, da die Vorlesungen grösstenteils auf Deutsch sind.»

Lukas Portmann

In Zürich waren die Schnupperplätze begehrt – auch in Luzern dürfte das Interesse grösser sein als die Anzahl Plätze. Es wird also eine Selektion geben. Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk Zentralschweiz (SAH) wird entscheiden, welche Flüchtlinge in den Genuss des Schnupperstudiums kommen. Priorität hätten Personen, die vom SAH betreut werden, so die Uni.

Das kommende Semester ist eine Art Probelauf, um zu sehen, wie gross das Interesse ist. Wenn es sich bewährt, könnte das Angebot dereinst ausgebaut werden. «Wir werden nun evaluieren, wie gross die Nachfrage ist», sagt Portmann. Wichtig sei auch, dass man genügend Betreuerinnen und Betreuer findet. Für jeden Flüchtling soll es einen Mentor geben.

Sprache als Hürde

Interessierte Flüchtlinge müssen ein paar Anforderungen erfüllen: Sie müssen mindestens 21-jährig sein und in der Sprache der Lehrveranstaltung – in der Regel Deutsch – Kenntnisse auf dem Level B2 nachweisen können. Weiter müssen sie über eine Aufenthaltsgenehmigung B oder F verfügen und im Kanton Luzern wohnen. «Die grösste Hürde für viele dürfte die Sprache sein, da die Vorlesungen grösstenteils auf Deutsch sind», so Portmann.

Die Universität verzichtet bei den Flüchtlingen auf die Gebühren, weitere Kosten entstehen für die Hochschule aber nicht. Normalerweise kostet das Angebot für Hörerinnen und Hörer 150 Franken pro Semesterwochenstunde und maximal 800 Franken für ein Semester.

Auch Hochschulseelsorge engagiert sich

Durch die Hochschulseelsorge «horizonte» gibt es bereits ein Projekt für Flüchtlinge an der Uni Luzern: Studierende erteilen seit dem Frühjahrssemester 2016 Flüchtlingen Deutschunterricht und es gibt Begegnungen zwischen Studenten und Flüchtlingen, etwa einen Lauftreff jeden Mittwoch.

Deutschkurs der Hochschulseelsorge «horizonte»: Ein Student unterrichtet Flüchtlinge.
Deutschkurs der Hochschulseelsorge «horizonte»: Ein Student unterrichtet Flüchtlinge. (Bild: zvg)

Die Idee, die Universitäten für Flüchtlinge zu öffnen, kommt ursprünglich aus Deutschland, wo solche Angebote verbreitet sind. Aber auch immer mehr Schweizer Hochschulen initiieren Programme für Flüchtlinge – Zürich, Basel, Genf oder St. Gallen. Und nun Luzern.

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