Ein Pionierakt sondergleichen für die Schweizer Agrar- und Energiewirtschaft: das Tropenhaus eingebettet in Wolhusen (LU) (Bild: slam)
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Ein Pionierakt sondergleichen für die Schweizer Agrar- und Energiewirtschaft: das Tropenhaus eingebettet in Wolhusen (LU) (Bild: slam)

Das Venedig Luzerns – eine tropische Pionierleistung

8min Lesezeit

1997 strömt die Schweizer Presse aufs Luzerner Hinterland. Fernsehkameras richten sich auf ein Gewächshaus. Wer hätte damals gedacht, dass mit der Anpassung des Luzerner Energiegesetzes der Grundstein gelegt würde für ein europaweites Pionierprojekt. 10 Jahre später wurde es Realität: tropische Früchte aus der Schweiz.

Sandro La Marca

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Früher war alles besser. Dies trifft im Fall Luzerns so nicht zu, zumindest wenn es um Energieverschwendung geht. Eine Kantonsrats-Kommission und eine Pionierstunde später war alles anders: das Tropenhaus Wolhusen entstand dank der Idee, mit diesem Pionierprojekt nachhaltig etwas zu verändern und seine Nachhaltigkeit damit zu beweisen. Und dies ohne Sicherheit, dass der Plan funktionieren würde.

Von vielen wurde die Idee, tropische Früchte in einem Luzerner Garten wirtschaftlich zu betreiben, belächelt und am Fasnachtsumzug musste die Idee sogar als mokierendes Wagensujet herhalten. Allem Spott zum Trotz: Die Vision wurde Realität. Heute lacht niemand mehr darüber.

Das Tropenhaus Wolhusen in der 360-Grad-Innenansicht: eine tropische Oase mitten in der Schweiz. (Video: slam)

Johannes Heeb, Gründervater des Tropenhauses, kann sich gut erinnern: «Wir waren überzeugt, aber wir hatten nicht die Sichrheit, dass das Ganze funktionieren würde». Tatsächlich war die Frage, ob tropische Früchte mit genügender Qualität mitten in der Schweiz produziert werden können und die tropischen Pflanzen überhaupt wachsen, eine besonders knifflige. 20 Jahre dauerte deshalb auch die Arbeit  für den Bau dieser einzigartigen tropischen Oase mitten in der Schweizer Hügellandschaft.

Dann haben jedoch alle mitangepackt. «Besonders die Familie Dissler vom benachbarten Hof, Sepp und Anna, fast jeden Tag standen sie auf der Baustelle. Den Pioniergeist hatten wir alle», erinnert sich der Geograph. Insgesamt waren über 20 Leute beim Aufbau vor Ort. Heute arbeiten Dutzende Mitarbeiter daran, das Tropenhaus für die täglich hereinströmenden Besucher, Veranstalter und Restaurantgäste zu einem bleibenden Erlebnis zu machen.

Küche weiden auf der Wiese neben Mangos, Papayas und tropischen Fischen
Kühe weiden auf der Wiese neben Mangos, Papayas und tropischen Fischen. (Bild: slam)

Als Idee für ein kleines Versuchsgewächshaus startete das erste Tropenhaus 1999 in Ruswil im Kanton Luzern, 10 Jahre nachdem das neue Energiegesetz in Luzern verabschiedet worden war und damit auch die Nutzung von Abwärme. Johannes Heeb war bei Inkrafttreten noch 27-jährig und einer der jüngsten im Kantonsrat. In der Energiekommission zusammen mit CVP, SP, Grünen und Liberalen machte er sich für etwas finanziell Sinnvolles stark: Überall, wo durch Verbrennung oder auch industrielle Motoren erzeugte Energie in Form von Wärme im grossen Stil verpufft, dort soll diese Energie für weitere Zwecke und Projekte genutzt werden.

«Viele Wege führen halt nach Rom, doch vielleicht ist es in Venedig viel schöner! Wir haben jedenfalls das optimale Ziel gefunden.»

Johannes Heeb, Pionier

Erst Jahre später gelang dem besucherfreundlichen Tropenhaus in Wolhusen der Durchbruch dank dem Ausbau der Erdgas-Pipeline von Transitgas. Diese pumpt bis heute Wärme ins Tropenhaus und Gas quer durch Europa. «Sinn machten solche Projekte natürlich nur bei wesentlichen Um- oder Neubauten. Das Warten hat sich aber gelohnt», weiss der damalige Tropenexperte und grüne Aktivist Heeb.

Innovative Wirtschaftlichkeit

Johannes Heeb, Tropenhausgründer
Johannes Heeb, Tropenhausgründer
Jede gute Idee braucht jedoch Inspiration. Woher diese kam, ist für den Schweizer Pionier klar: «Bei der Entwicklungszusammenarbeit mit China arbeitete ich mit Polykulturen vor Ort, die als Ziel eine Kombination von Fischzucht und Garten-Mischkulturen hatten. Da sah ich das grosse Potenzial für uns.» Die Sicherheit hatte er jedoch noch nicht, auch nicht, als das Tropenhaus als Nutzanlage erstmals 1999 in Ruswil errichtet wurde.

Auch in Island gab es zu dieser Zeit schon Pflanzen-Gewächshäuser und auch in Spanien oder in botanischen Gärten wie beim Megaprojekt in Arizona «Biosphere 2». Mit diesem war das Tropenhaus-Team damals in engem Kontakt, zum Austausch von Erfahrungswissen. Dort war das erste Projekt 1991 jedoch kläglich gescheitert. «Hier wollten wir es aber von Anfang an richtig machen, auch mit den nötigen Mitteln», so Heeb.

Doch der damalige Kantonsrat weiss noch: Ohne die Finanzierung durch die Coop als Pionierin in Sachen Nachhaltigkeit und Bio würde das Haus nicht existieren. «Entscheidend fürs Überleben einer solchen Oase ist vor allem das Erlösmodell. Am Anfang hatten wir noch kein Restaurant (zentralplus berichtete) und auch keinen Besucherpark oder Events (zentralplus berichtete), das kam alles später dazu.» Tatsächlich kommen die Besucher aus der ganzen Schweiz und sogar aus dem Ausland heute aus anderen Gründen nach Wolhusen. Sie wollen das tropische Klima erleben, die farbenprächtigen Blüten riechen und sind auf das Erlebnis aus.

Rom oder Venedig?

Dies gab es damals so nicht. Die heute jährlich ins Tropenhaus strömenden 35’000 Besucher, auch davon konnte man zu Anfangszeiten nur träumen. «Es ist wie bei solchen Projekten überall in der Entwicklungsarbeit, man kennt das Ziel eines Projekts nie schon im Vornherein. Die Lösung für ein Problem gedeiht wie die Pflanzen selbst erst beim Wachsen», zeigt sich der Entwicklungsexperte zufrieden mit der heutigen Lösung. Auch das Tropenhaus war so, wie es heute ist, nicht geplant. Schön geworden sei es aber trotzdem, ist Heeb mit dem Endergebnis sichtlich zufrieden: «Viele Wege führen halt nach Rom, doch vielleicht ist es in Venedig viel schöner! Wir haben jedenfalls das optimale Ziel gefunden.»

Das nächste ambitiöse Projekt Heebs: Die 2000-Liter-Gesellschaft. Zusammen mit der Schweizer Umweltstiftung will er durch einen effizienteren Umgang Wasser sparen. Erste Projekte dazu sind bereits in der Umsetzung. Und dies macht wohl auch den Pioniergeist aus: Nicht nur eine Idee als Erster haben, sondern den Mut, diese auch umzusetzen. Selbst wenn zu Beginn kaum jemand sonst daran glaubt.

Eine tropische Oase trotz nicht ganz unberührter Natur: für viele Besucher ein beeindruckendes Faszinosum
Eine tropische Oase trotz nicht ganz unberührter Natur: für viele Besucher ein beeindruckendes Faszinosum (Bild: slam)

* in erfrischender Zusammenarbeit mit dem Tropenhaus Wolhusen

Aus dem zentralplus Blog Nachhaltigkeits-Blog

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